Pluspunkte sammeln

Nur wenige Heime sind im “Berliner Projekt”, weil es zu viele Begrenzungen gibt. AOK und weitere Kassen haben deshalb eigene Arztverträge mit Pflegeeinrichtungen

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Ein Heimarzt soll für maximal 40 Patienten verantwortlich sein – nur ein Richtwert / Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Dass Heimbewohner davon profitieren, wenn ein Hausarzt sich nur um sie kümmert, ist unumstritten. Trotzdem hat noch immer nur ein Bruchteil der 290 Berliner Pflegeheime einen Heimarzt. Es gibt zu viele Interessen der verschiedenen Partner – Heime, Kassen und Kassenärztliche Vereinigung (KV) -, dass eine Ausweitung schwierig ist. Im Gegenteil: Seit der Gründung des Berliner Projektes 1998 sind fünf Heime aus dem Projekt ausgeschieden, oft aus Kostengründen, weil sich ein teurer Heimarzt erst ab einer bestimmten Anzahl von Pflegeplätzen lohnt.

Deshalb haben die AOK und andere Kassen selbst ein ähnliches Heimarztmodell auf den Weg gebracht: “care plus”. Vorbild sind die Bestimmungen des Berliner Projektes, aber in einigen Punkten etwas abgespeckt und auf einer anderen Vertragsgrundlage.

So bleibt die besondere Form der hausärztlichen für die Bewohner der Pflegeheime – so sie denn in einer der “care plus” ausschreibenden Kassen versichert sind – erhalten. Das Heim kann also einen Arzt anstellen oder – was angesichts der Vertragsbedingungen von “care plus” wahrscheinlicher ist – einen Freiberufler vertraglich für die haus ärztliche Versorgung binden. Der Arzt muss wie beim Berliner Projekt eine Rufbereitschaft organisieren, wöchentliche Bewohnervisiten durchführen, muss an vierteljährlichen interdisziplinären Fallbesprechungen teilnehmen und sich natürlich regelmäßig fortbilden.

Zwar gibt es auch bei dem Programm “care plus” Qualitätsvorgaben. Aber eine Messung verschiedenster Qualitätsindikatoren, wie sie in Form von RAI-Daten etwa für die Anzahl von Druckgeschwüren oder Stürzen beim Berliner Projekt erhoben wird (siehe Seite 29), gibt es nicht.

Um eine Fließbandmedizin zu vermeiden, wurde auch ein Richtwert für das Verhältnis Arzt – Bewohner definiert: Ein Heimarzt sollte für maximal 30 bis 40 Patienten verantwortlich sein. Ein Richtwert, wie gesagt. Möglich also, dass mancher Arzt auch mehr Bewohner betreuen muss.

Für den Mehraufwand erhält der Arzt 500 Euro pro Jahr, bei dem Richtwert von 40 Bewohnern macht das also jährlich ein Zusatzhonorar von 20 000 Euro.

Vertragspartner sind aber zunächst nur die Kasse und das Pflegeheim, das durch die Vereinbarung verpflichtet wird, anschließend einen Vertrag mit einem Hausarzt zu schließen. Die KV ist bei dieser Konstruktion also außen vor.

Derzeit sind 36 Berliner und 14 Brandenburger Pflegeheime “care plus”-Partner. Dabei soll es aber nicht bleiben. Es laufen Gespräche mit weiteren Einrichtungen.



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