Besser sehen - auch im Alter

Die augenärztliche Betreuung sei bei älteren Patienten und Bewohnern von Pflegeheimen nicht ausreichend. Warnt Focke Ziemssen, Oberarzt an der Universitäts-Augenklinik in Tübingen. Früherkennung und rechtzeitige Behandlung sollen Abhilfe schaffen.

Durch den Verlust oder die Einschränkung der Sehkraft würden viele Senioren unselbständiger und ihre Lebensqualität verschlechtere sich. Einer australischen Studie zufolge verkürze sich dadurch auch die Lebenserwartung dramatisch.


Denn die aktive Teilnahme am Leben sei gerade für Senioren besonders wichtig. Alltägliche Aufgaben, wie Zeitung lesen, Einkaufen oder Enkelkinder betreuen, trainieren und stimulierten zudem das Gehirn. Doch bei schwindendem Sehvermögen würde die Ausübung solcher Tätigkeiten für die Betroffenen schwer oder gar unmöglich. Wichtig sei dann die Versorgung mit Hilfsmitteln und Reha-Angeboten, doch daran hapert es in Deutschland.


Wenn die Kontrastempfindlichkeit der Augen abnimmt, steige zudem das Risiko zu stürzen. Schon kleine Hindernisse, wie Teppichkanten und Türschwellen, würden zur Falle und verdoppelten das Sturzrisiko.

Nachlassende Sehkraft kann zu sozialer Isolation führen

Sehbehinderungen verursacht zum Beispiel durch Glaukom oder altersbedingte Makula-Degeneration bedrohten mehr als das Sehen. Die Erfahrung der abnehmenden körperlichen Leistungsfähigkeit und Lebensqualität führe bei vielen Senioren zu Ängsten, Depressionen und Suizidgedanken. “Die psychische Situation der Menschen entspricht nicht selten der von Patienten mit lebensbedrohlichen Erkrankungen wie Krebs oder HIV”, sagt Ziemssen. Viele Senioren fühlen sich ausgeschlossen und geraten dann in eine soziale Isolation. Über fünf Millionen Deutsche leiden an einem Glaukom oder an einer Makula-Degeneration. Bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung wären drei von vier Erblindungen vermeidbar, doch auch daran hapere es in Deutschland.


Viele Senioren seien nicht mobil genug, um regelmäßig ihren Augenarzt aufzusuchen. Kommen kognitive Beeinträchtigungen hinzu, wird es noch schwieriger. “Die Situation bei dementen Patienten ist besonders herausfordernd, da diese keine genauen Angaben zu ihrer Sehfunktion machen können”, erklärt Ziemssen. Dann wird die Sehbeeinträchtigung möglicherweise erst spät erkannt.


Für Ziemssen steht fest: “Es gibt einen erheblichen Nachholbedarf für die Früherkennung, Behandlung und Rehabilitation von Augenerkrankungen bei Senioren.” Man dürfe die Augen nicht vor Versorgungslücken verschließen, so der Experte. “Alle wirksamen Instrumente und innovative Diagnostik stehen zur Verfügung. Jetzt kommt es auf die Vernetzung an.”




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