Vera Kollodzy, 74 und Walter Germendorff, 80

Spät fanden sie sich – auf einer Reise. Und aus der Fernbeziehung wurde schnell eine gemeinsame Wohnung in Marzahn. Gemeinsam leben Vera Kollodzy und Walter Germendorff im Haus der Betreuung und Pflege Dr. Arno Philippsthal.

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Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Vera Kollodzy, 74 und Walter Germendorff, 80 (beide Pflegestufe I) leben im Haus der Betreuung und Pflege Dr. Arno Philippsthal, Marzahn.


Neues Zuhause in der Puppenstube

Ossi mit den flauschigen Ohren liegt oft neben Walter Germendorff auf der Couch. Etwa wenn der 78-Jährige Volksmusik hört. Vera Kollodzy sitzt dann nebenan in einem ähnlichen Zimmer auf ihrem Sofa und hört Klassik. Oft aber muss Plüschhund Ossi seinen Platz für die 71-Jährige räumen – wenn sie zu Besuch zu ihrem “Kurschatten” kommt, wie sie Walter Germendorff liebevoll nennt. Vor fünf Jahren hatte die Berlinerin den Hamburger im Urlaub kennen gelernt. Heiraten wollte sie nach 21 Jahren als Witwe nicht noch einmal. Aber sie zog nach kurzer Zeit mit ihm ins Haus der Betreuung und Pflege in Marzahn – in “unsere Puppenstube”, wie sie sagt. Zwischen ihren Zimmern liegt ein Flur, von dem auch das Bad abgeht. Sie hatte vorher in der Nähe gelebt und den Heimplatz vorsorglich gebucht. So ging es schnell, als sie merkte, dass sie in ihrer großen Wohnung nicht mehr zurechtkam. Er fand die Idee gut. Die Fernbeziehung zwischen Hamburg und Berlin war für den Rollstuhlfahrer anstrengend. Damit er an sie dachte, wenn sie getrennt waren, schenkte Vera Kollodzy ihm Ossi. “Der stammt wie ich aus dem Osten.”


Geteiltes Leid

Die beiden haben nicht viel gemeinsam: Sie war Berufschullehrerin, er Schriftsetzer. “Ich bin Atheistin und Kommunistin, er ist mit der Kirche verbunden und der Klassenfeind.” Doch ihre Krankengeschichten ähneln sich. Beide wirken auf den ersten Blick jünger und ziemlich fit. “Die Hülle ist noch gut”, sagt Vera Kollodzy. Innen drin aber sehe es schlecht aus. Besonders bei ihr. Gerade erst hat sie sich halbwegs von einer Gebärmutterkrebserkrankung erholt. Rechnet man die Schlaganfälle der beiden zusammen, kommt man auf neun – sie hatte acht, er einen, als er vor acht Jahren nach einem schweren Verkehrsunfall im Koma lag. Als er wieder aufwachte, war er halbseitig gelähmt. Sie kann die linke Hand nur noch mithilfe der rechten bewegen, am linken Bein trägt sie eine Metallschiene. Die hilft beim Laufen. “Das habe ich mit viel Training wieder gelernt”, sagt sie. Wenn Walter Germendorff vom Sofa aufstehen will, packt sie ihn am Hosenbund und zieht – sonst schafft er es nicht bis zu seinem Rollstuhl. Das gleiche mache er aber auch oft bei ihr, sagt sie. “Wir sind zwei Humpelbeine, die sich gesucht und gefunden haben.” Bevor sie ihn kennen lernte, fragte sie sich manchmal, warum sie nach den Schlaganfällen eigentlich wieder aufgewacht war. Jetzt nicht mehr. Ihr letzter Blick vor dem Einschlafen gilt meist ihm – auf dem Foto auf ihrem Nachttisch. Er liegt dann direkt nebenan – mit Ossi.


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