Herbert, 91 und Ingelore Rusch, 77

Erst spät haben sie sich für einander entschieden. Nach einer gemeinsamen Wohnung wird dem Ehepaar Rusch nun in der FES Pflegeeinrichtung Käthe Kern in Hohenschönhausen-Lichtenberg unter die Arme gegriffen. Sie sind jeden Tag dankbar für die gewonnene Zeit.

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Foto: Uwe Steinert

Herbert, 91 und Ingelore Rusch, 77 (beide Pflegestufe I) leben gemeinsam in der FSE Pflegeeinrichtung Käthe Kern, Hohenschönhausen-Lichtenberg.


Späte Liebe

Herbert und Ingelore Rusch kannten sich schon viele Jahre, bevor sie im Alter heirateten. Denn sie waren Nachbarn in Hartmannsdorf südöstlich von Berlin. Gern erinnern sich beide zurück. “Unsere Gärten waren eine Oase”, sagt Ingelore Rusch, ihr Gesicht strahlt. Herbert fügt hinzu: “Wir konnten gut davon leben.” Was an Obst und Gemüse im Laden fehlte, wurde hinter dem Haus angebaut. Aber die Nachbarschaft löste sich auf. 1986 zog Ingelore nach Mahlsdorf, um ihrer einzigen Tochter im Haushalt zu helfen. Schließlich galt es vier Kinder zu betreuen, wobei zwei stark behindert sind. Wenn Herbert Rusch über Hartmannsdorf spricht, merkt man ihm seine bewegte Lebensgeschichte nicht gleich an. Nach Kriegsende wurde der mittlerweile in Westdeutschland lebende Rusch von der russischen Militärpolizei bei einem Kurzbesuch in Berlin festgenommen und später zu 25 Jahren Arbeitslager wegen Spionage verurteilt. 11 Jahre musste er davon in Bautzen einsitzen. Nach dem Tod seiner Frau waren Haus und Garten für den Achtzigjährigen zu viel Arbeit, denn er konnte nach einer schweren Verletzung beider Unterschenkel nur noch an Krücken gehen.


Heimvorteil

Obwohl Herbert und Ingelore keine Nachbarn mehr waren, hielten sie die Jahre über zueinander Kontakt. Da beide allein waren, beschlossen sie, in eine gemeinsame Wohnung in Hohenschönhausen zu ziehen. Pfingsten 2007 erlitt Ingelore Rusch im Familienkreis plötzlich einen Anfall mit starkem Schwindel, Übelkeit und Erbrechen. In den folgenden Monaten plagten sie immer wieder Anfälle. An einen eigenen Haushalt war nicht mehr zu denken. Gemeinsam suchten Tochter und Mutter für das Paar ein passendes Pflegeheim in der Nähe der Enkelkinder aus. Nur ein paar Monate nach dem Einzug in das Seniorenheim erlitt Ingelore Rusch 2008 einen Schlaganfall. Ihre wachen Augen verraten, dass sie sich ärgert, nicht alles erzählen zu können, was sie möchte. Mit Hilfe von Therapeuten musste sie wieder die einfachsten Dinge, wie etwa aus einem Glas trinken oder das Sprechen neu erlernen. “Die Pflegekräfte von der Station 3 haben meine Frau wieder gesund gemacht”, sagt Herbert Rusch und hält ihre Hand ein wenig fester.


Vielbeschäftigt

Beiden gefällt die Einrichtung sagen sie einstimmig. Jeden Tag haben sie ein volles Programm: Gedächtnis- und Sprachtraining, Bewegungstherapie und Kulturveranstaltungen. Mit etwas Hilfe geht Ingelore Rusch auch spazieren. Am liebsten aber strickt die Oma fleißig für ihre Enkel. “Wir sagen jeden Tag Dankeschön”, sagt sie und meint damit die Zeit, die beide noch gemeinsam miteinander verbringen dürfen.


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