Zwangsstörungen

Menschen mit Zwangsstörungen leiden unter Gedanken, die ihnen unangenehm sind, die sie aber nicht unterdrücken können, oder unter Handlungen, die sie immer wieder ausführen müssen. Diese Zwänge schränken das Leben der Betroffenen extrem ein. Eine Verhaltenstherapie und Antidepressiva können helfen.

Krankheitsbild

Erklärung:

Zwangsstörungen gehören zu den psychischen Erkrankungen. Die Betroffenen leiden unter Gedanken, die ihnen unangenehm sind, die sie aber nicht unterdrücken können, oder unter Handlungen, die sie immer wieder ausführen müssen. Diese Zwänge dienen meist dazu, die Angst davor, die Kontrolle über ihr Leben zu verlieren, zu befrieden. Unbehandelt können Zwangsstörungen den Alltag der Betroffenen so weit beeinträchtigen, dass sie zum Beispiel das Haus nicht mehr verlassen können.

Symptome:

Zwangsgedanken und Zwangshandlungen können getrennt voneinander oder auch gemeinsam auftreten. Sie kommen bis zu 100 Mal am Tag vor und werden von den Betroffenen als störend und quälend empfunden. Dabei ist ihnen meist bewusst, dass der erlebte Zwang übertrieben und unsinnig ist. Dennoch gelingt es ihnen nicht, gegen den Impuls anzukämpfen. "Charakteristisch bei einer Zwangsstörung ist ihr jeweiliger Inhalt", sagt Tom Bschor, Chefarzt der Psychiatrie der Schlosspark-Klinik in Berlin. So seien Zwangsgedanken meist aggressiver, blasphemischer oder auch sexueller Natur. Zwangskranke würden beispielsweise mehrmals am Tag von der Vorstellung heimgesucht, dass sie ihr Kind töten. Dadurch trauen sie sich dann nicht mehr, die Küche zu betreten, weil sie dort Messer aufbewahren. Anderen drängt sich immer wieder der Gedanke auf, die Heilige Maria habe Geschlechtsverkehr mit dem Teufel oder sie befürchten, sie könnten das Nachbarskind sexuell missbrauchen. Die Betroffenen empfinden diese Gedanken als so quälend, dass sie sich kaum auf andere Dinge konzentrieren können und sich selbst sozial isolieren. Bei den Zwangshandlungen sind Waschzwang, Zählzwang und Kontrollzwang besonders häufig. Bei einem Waschzwang haben die Betroffenen zum Beispiel das Gefühl, dass ihre Hände mit Keimen verschmutzt sind, sodass sie sie mit einer Bürste waschen, bis sie bluten. Patienten mit Zählzwang dagegen verspüren den Drang, bestimmte Dinge wie Pflastersteine immer wieder zu zählen, während Menschen mit einem Kontrollzwang das Haus nicht verlassen können, ohne mehrfach zu kontrollieren, ob die Tür abgeschlossen und der Herd ausgeschaltet ist.

Ursachen:

Die Ursachen einer Zwangsstörung sind noch nicht abschließend geklärt. "Sicher ist, dass es eine genetische Veranlagung für diese Krankheit gibt", sagt der Psychiater Bschor. Dafür, warum die Störung dann tatsächlich auftrete, gebe es jedoch verschiedene Theorien. Die Psychoanalyse zum Beispiel geht davon aus, dass spätere Zwänge in der so genannten analen Phase zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr eines Kindes begründet liegen. "In dieser Zeit finden erste Autonomiebestrebungen eines Kindes sowie seine Sauberkeitserziehung statt", sagt Chefarzt Bschor. Gewährten die Eltern ihrem Kind in dieser Phase gar keine oder zu viel Freiheit, sind sie in der Sauberkeitserziehung zu nachlässig oder viel zu streng, könne sich daraus später eine Zwangsstörung entwickeln.

Zahlen:

Experten schätzen, dass rund 0,7 Prozent der Deutschen in den vergangenen zwölf Monaten unter einer Zwangsstörung litten. Die Krankheit kann in jedem Lebensalter auftreten, bei Männern und Frauen gleichermaßen. In vielen Fällen bleibt die Störung unbehandelt: Obwohl die Zwangsstörung ihr Leben stark einschränkt, scheuen die Betroffenen davor zurück, sich Hilfe zu suchen, da sie sich für ihre zwanghaften Gedanken und Handlungen schämen.

Behandlung:

Diagnose Ärzte diagnostizieren eine Zwangsstörung in einer psychiatrischen Untersuchung. Im Gespräch mit den Patienten versuchen sie herauszufinden, was die Zwänge beinhalten, wie häufig und wie lange sie schon auftreten. Um eine Zwangsstörung von anderen Erkrankungen wie beispielsweise "Wahnvorstellungen(Link zum Krankheitsbild Schizophrenie)":http://www.gesundheitsberater-berlin.de/kliniken_diagnosen-therapien/schizophrenie/ zu unterscheiden, ist es zudem wichtig, dass die Betroffenen die Gedanken und Handlungsimpulse als ihre eigenen erkennen und sich darüber bewusst sind, dass diese eigentlich unsinnig sind.

Therapie:

Zwangsstörungen werden meist psychotherapeutisch behandelt. In einer Verhaltenstherapie analysieren die Betroffenen gemeinsam mit einem Psychiater ihr Verhalten und formulieren ihre Befürchtungen, was passieren könnte, wenn sie ihren Zwängen nicht nachgeben. Danach erlernen die Patienten, mit ihren Ängsten umzugehen und ihr zwanghaftes Verhalten stufenweise zu reduzieren. "Das ist bei Zwangshandlungen natürlich einfacher als bei Zwangsgedanken", sagt Psychiatrie-Chefarzt Bschor. "Handlungen lassen sich besser unterdrücken und kontrollieren als Gedanken." Es gebe jedoch auch verschiedene Strategien, die Häufigkeit der unangenehmen Gedanken zu reduzieren. So können die Betroffenen es trainieren, gezielt an andere Dinge wie beispielsweise ein großes Stoppschild zu denken, sobald die zwanghaften Vorstellungen auftreten. Eine Verhaltenstherapie umfasst meist 20 Sitzungen findet normalerweise ambulant statt. Wenn ein Patient jedoch so stark in seinen Zwängen gefangen ist, dass er beispielsweise das Haus gar nicht mehr verlassen kann, wenn er zusätzlich noch suizidgefährdet ist oder "suchtkrank(Link zum Krankheitsbild Alkoholismus)":http://www.gesundheitsberater-berlin.de/kliniken_diagnosen-therapien/alkoholismus/, ist eine stationäre Behandlung notwendig. Auch Medikamente können helfen, eine Zwangsstörung zu heilen. Vor allem Antidepressiva, die die Wirkung des Botenstoffs Serotonin – des so genannten Glückshormons – verstärken, tragen dazu bei, dass sich die Betroffenen besser fühlen und weniger Angst haben vor dem, was passieren könnte, wenn sie ihrem Zwang nicht nachgeben. "Am besten ist es, wenn die psychotherapeutische und die medikamentöse Behandlung kombiniert werden", sagt Bschor. Allerdings könne eine Zwangsstörung auch nur mit Antidepressiva behandelt werden, zum Beispiel wenn es am Wohnort des Patienten keinen Psychotherapeuten oder Psychiater gibt, der sich mit dieser Krankheit auskennt. Bei den meisten Patienten, die sich wegen einer Zwangsstörung in Behandlung begeben, stellt sich eine Besserung ein, langfristig von ihren Zwangsstörungen geheilt werden rund 50 bis 75 Prozent von ihnen. Allerdings ist es möglich, dass die Zwänge in belastenden Lebenssituationen wieder auftreten.



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