Zehenfehlstellung: Hallux Valgus

In enge, spitze und hochhakige Schuhe gepresst kann der Fuß Schaden nehmen: Hallux valgus ist die häufigste Fehlstellung des Fußes

Krankheitsbild

Erklärung:

In enge, spitze und hochhackige Schuhe gepresst, kann der Fuß Schaden nehmen: Die häufigste Zehenfehlstellung beim Menschen ist der so genannte Hallux valgus - "die auswärtsgerichtete große Zehe". Bei dieser Fehlstellung weicht das Grundgelenk der Großzehe nach außen ab. Dadurch verändert sich die Zugrichtung der Sehnen: Die lange Strecksehne des großen Zehs und die Anspreizersehne ziehen den ersten Mittelfußknochen in Richtung des langen Zehs. Dabei kann sich der große Zeh nach innen drehen, so dass der Zehnagel zum gegenüberliegenden Fuß zeigt. Der große Zeh kann soweit in Richtung der Kleinzehen gezogen werden, dass er den langen Zeh bedrängt und sich entweder über oder unter ihn schiebt.

Symptome:

Durch das nach aussen gerichtete Grundgelenk entsteht der für den Hallux valgus charakteristische Ballen an der Fußinnenseite, kurz unterhalb des Zehenansatzes. Dieser Ballen ist also kein Knochensporn, sondern der Gelenkkopf des Mittelfußknochens. Durch die exponierte Lage reibt dieser häufig am Schuh und verursacht Druckstellen, reizt die Haut oder führt zu Schwellungen und Entzündungen. Der Knorpel des Großzehengrundgelenkes kann durch die Fehlstellung stark beschädigt werden - eine Arthrose droht. Auch Gelenke der Kleinzehen und die Mttelfußknochen können durch den verschobenen Großen Zeh stark belastet werden. Die Folge sind meist schmerzhafte Druckschwielen unter den Grundgelenken der Zehen.

Ursachen:

Der Hallux valgus ist meist genetisch bedingt, häufig tritt er in Verbindung mit einem Spreizfuß auf. Verstärkt wird er jedoch durch hochhackige, spitze und enge Schuhe. Mediziner gehen davon aus, dass zwei Drittel der Krankheit vererbt werden und ein Drittel dem Tragen schlechten Schuhwerks geschuldet ist. Neun von zehn Betroffenen sind Frauen. Auch Knochenbrüche, die in einer Fehlstellung verheilen, können einen Hallux valgus verursachen. 

Zahlen:

Hallux valgus ist die häufigste Zehendeformität. Die Berliner Krankenhäuser diagnostizierten im Jahr 2008 fast 2700 mal diese Krankheit.

Behandlung

Diagnose:

Da der Hallux valgus, mit seinen charakteristischen Merkmalen, bereits äusserlich gut erkennbar ist, genügt es Medizinern meist, sich den betroffenen Fuß anzuschauen, um eine Diagnose zu stellen. Vorbereitend für eine Operation lassen Chirurgen den Fuß im Stehen röntgen: Die Bilder zeigen ihnen die Fehlstellung sehr genau und lassen auch eine Arthrose im Großzehengrundgelenk oder Knochensporne erkennen.

Therapie:

Die Behandlung des Hallux valgus richtet sich danach, wie schwer die Fehlstellung ist. Leichte Deformitäten können konservativ, das heißt ohne eine Operation behandelt werden. Ziel der Therapie ist es, den Fuß zu entlasten, insbesondere den Großzehenballen: Hochhackige, spitze und enge Schuhe sollten gemieden werden. Statt dessen sollte häufiger barfuß gelaufen werden und weites, bequemes Schuhwerk mit weichem Obermaterial getragen werden. Auch Schaumpolster und Einlagen können den Druck vom Fuß nehmen. Gegen Schwellungen und Entzündungen helfen feuchte Umschläge und Salbenverbände. Doch oft bedürfen selbst leichte Fehlstellungen der chirugischen Korrektur. Dazu stehen rund 150 verschiedene Verfahren zur Verfügung. Meist wird der erste Mittelfußknochen durchtrennt, dabei kommen jedoch unterschiedliche Schnittführungen zum Einsatz.
Nachdem der Chirurg den Knochen durchsägt hat und Konchenmaterial entfernt hat, schiebt er den vom Zeh kommenden Mittelfußknochen in Richtung des zweiten Mittelfußknochen, also dorthin, wo er ursprünglich lag oder hätte liegen sollen. Anschließend werden die zusammengeführten Knochenteile fixiert. Auch dabei kann sich der Operateur diverser Techniken bedienen: Er kann die Knochenteile ineinander verstauchen, mit Titanschrauben befestigen, mit Draht umwickeln oder eine besonders stabile Titanplatte anbringen. Nach dem Eingriff muss der Patient den Fuß noch vier bis sechs Wochen schonen, damit die Knochen verheilen können. Ein Spezialschuh erlaubt ihm jedoch, den Fuß zu belasten.
In einigen Fällen muss das Gelenk versteift werden: Eine Arthrose geschädigte Gelenke oder ein übermäßig bewegliches Gelenk zwischen dem ersten Mittelfußknochen und der Fußwurzel, das die Fehlstellung begünstigt, können die Gründe sein. Um das Gelenk zu versteifen, fixieren Chirurgen die beiden Knochen mit Titanschrauben.
Neben allgemeinen Risiken wie Thrombosen, Embolien, Blutungen, Wundheilstörungen oder Infektionen können die verwendeten Schrauben, Drähte oder Platten bei Bewegungen stören. Selten lockern sich die Fixierungen aus. Auch der Nerv des Großzehs kann verletzt werden. Zu dem kann der Hallux valgus erneut auftreten, Mediziner sprechen dann von einem Rezidiv.



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