Trichterbrust

Eine Trichterbrust ist eine angeborene Fehlbildung, die meist während der Wachstumsphase in der Pubertät zur Geltung kommt. Sie kann die körperliche Leistungsfähigkeit einschränken und psychische Probleme hervorrufen. Mit einem operativen Eingriff lässt sich die vererbbare Störung beheben.

Krankheitsbild

Erklärung

Die Trichterbrust ist eine deutliche trichterförmige Eindellung des Brustkorbs. Sie ist eine angeborene Fehlbildung, die meist während der Wachstumsphase in der Pubertät zur Geltung kommt. Die vererbbare Störung kann sich negativ auf die körperliche Leistungsfähigkeit und auch auf die Psyche auswirken. Sie ist nicht unmittelbar lebensbedrohlich, kann jedoch Herz und Lunge beeinträchtigen. 

Symptome

Bei den meisten Trichterbrust-Patienten lassen sich keine körperlichen Einschränkungen nachweisen. "Viele haben aber psychische Beschwerden", sagt Gunda Leschber, Chefärztin der Klinik für Thoraxchirurgie an der Evangelischen Lungenklinik in Berlin. Da eine eingedellte Brust nicht dem gängigen Schönheitsideal entspräche, litten vor allem jugendliche Betroffene häufig unter einem geringen Selbstbewusstsein. Sie igeln sich ein, meiden Situationen und Orte, in denen man sie mit freiem Oberkörper sehen könnte. Auch Selbstmordversuche kommen vor. Körperliche Beschwerden wie Schmerzen im Brustkorb und im Rücken sowie eine eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit und fehlende Ausdauer treten erst auf, wenn die Trichterbrust stärker ausgeprägt ist: Wenn der Abstand zwischen Wirbelsäule und Brustbein weniger als vier Zentimeter beträgt, drückt das abgesunkene Brustbein auf das Herz. "Vor allem die dünnwandige rechte Herzkammer, die die Lunge versorgt, kann sich dadurch kaum mehr füllen", sagt Klaus Schaarschmidt, Chefarzt der Klinik für Kinderchirurgie am Helios Klinikum Berlin-Buch. Die Folge sei ein sehr schneller Herzschlag und damit ein hoher Puls schon bei kleinen Belastungen. "Kurze Sprints über 100 Meter sind für die Kinder und Jugendlichen zwar noch machbar." Ein Ausdauerlauf über 1000 Meter dagegen oft nicht mehr. Bei Patienten mit ausgeprägter Trichterbrust können sich zudem Probleme mit den Herzklappen entwickeln: Dadurch, dass sie plattgedrückt werden, schließen sie nicht mehr richtig und werden undicht. Auch die Lunge kann von der Trichterbrust zusammengepresst werden. Die Betroffenen leiden dann unter Atemnot. Auch Infektionen des Organs, wie beispielsweise Lungenentzündungen, treten vermehrt bei ihnen auf. 

Ursachen

Eine Trichterbrust entsteht durch ein Fehlwachstum der Rippen, des Brustbeins und der verbindenden Knorpel: Da die Knochen zu lang sind, sinkt der vordere Teil des Brustkorbs ein. Warum es allerdings zu diesem Fehlwachstum kommt, sei bisher nicht geklärt, sagt Kinderchirurg Schaarschmidt. Sicher sei jedoch, dass es mit genetischen Faktoren zu tun hätte, da die Krankheit auch vererbt werden könne.

Zahlen Bei jedem 100. Kind sind leichte Veränderungen an der Brustwand zu erkennen. Eine behandlungsbedürftige Trichterbrust tritt bei rund jedem 1000. Kind auf. Jungen sind zehnmal häufiger davon betroffen als Mädchen. Die Ursache hierfür ist bisher unklar, wahrscheinlich spielen jedoch die Hormone eine Rolle. Bei rund 20 Prozent der betroffenen Kinder ist die Trichterbrust schon bei der Geburt vorhanden und sichtbar. Bei den meisten jedoch tritt sie erst während der Wachstumsphase in der Pubertät zutage.

Behandlung

Diagnose

Ein erster und deutlicher Hinweis auf eine Trichterbrust ist das äußere Erscheinungsbild. Allerdings gibt es verschiedene Schweregrade des Fehlwachstums, die mit dem sogenannten Hallerindex erfasst werden. Dieser wird mithilfe einer Computertomografie ermittelt und entspricht dem Quotienten zwischen dem inneren Querdurchmesser des Brustkorbs und dem geringsten Abstand zwischen dem Brustbein und der Wirbelsäule. Der Normalwert liegt, abhängig vom Alter und vom Geschlecht des Patienten, zwischen 2 und 3, ab einem Wert von 3,2 besteht eine hochgradige Trichterbrust. Behandlungsbedürftige Beschwerden könnten aber auch schon bei einem geringeren Wert auftreten, so dass der Hallerindex nicht alleine ausschlaggebend sei, sagt Helios-Chefarzt Schaarschmidt. 

Therapie

Tatsächlich beheben lässt sich eine Trichterbrust nur durch eine Operation. Zu diesem Eingriff rät Kinderchirurg Schaarschmidt allerdings frühestens ab dem 12. Lebensjahr. "Bei einer früheren OP besteht die Gefahr, dass die Trichterbrust in der Wachstumsphase der Pubertät wiederkehrt." Krankengymnastik oder auch die Behandlung mit einer Saugglocke, die die Brust nach außen zieht, könnten helfen, die Beschwerden jüngerer Patienten zu lindern. Eine Operation kann sowohl konventionell als auch minimalinvasiv durchgeführt werden. Bei der konventionellen Methode öffnen Ärzte die Brust mit einem großen Schnitten, um Teile der deformierten Rippen zu entfernen, das Brustbein anzuheben und mit Bügeln zu fixieren. In rund der Hälfte aller Fälle wenden Mediziner heutzutage jedoch die minimalinvasive Alternative an. Bei dieser nach ihrem Entwickler benannten Nuss-Methode werden nur zwei kleine Schnitte rechts und links des Brustkorbs gesetzt. Durch einen der beiden Schnitte führen die Ärzte einen oder zwei Metallbügel ein. Unterhalb der Rippen werden diese Bügel so gedreht, dass sie die Rippen nach oben drücken. Anschließend werden sie mit Fäden, die sich mit der Zeit vollständig auflösen, an den Rippen festgenäht. Die Metallbügel verbleiben einige Jahre – bis zum Ende der Wachstumsphase – im Körper. In dieser Zeit korrigiert das natürliche Wachstum den Brustkorb quasi von selbst. "Das Prinzip funktioniert wie bei einer Zahnspange", sagt Chefarzt Schaarschmidt. Allerdings sind bei der Operation und auch danach Komplikationen möglich: "Die Bügel werden zwar unter Sicht in den Körper eingeführt", sagt Thoraxchirurgin Leschber, trotzdem könne es passieren, dass sie dabei Gefäße oder innere Organe wie zum Beispiel das Herz verletzen. Zudem ist es möglich, dass die Bügel später im Körper verrutschen und dadurch innere Verletzungen hervorrufen. "Operierte Trichterbrust-Patienten sollten deshalb beim Sport vorsichtig sein", sagt Leschber. Vor allem Kampfsportarten und Sportarten mit hohem Sturzrisiko sollten sie meiden. Wenn die Trichterbrust körperliche Beschwerden ausgelöst hat, so verschwinden diese nach der OP meist relativ schnell. Dennoch ist nach dem Eingriff ein spezielles Reha-Training notwendig, bei dem die Patienten insbesondere die Lunge, aber auch ihre körperliche Belastbarkeit insgesamt wieder trainieren.



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