Strahlenkrankheit

Hohe Dosen radioaktiver Strahlung können unterschiedliche gesundheitliche Probleme zur Folge haben.

Je mehr man von einem Gift zu sich nimmt, umso größeren Schaden richtet es an. Diese Regel gilt auch für radioaktive Strahlung: je höher die Dosis, umso eindeutiger und schwerwiegender die Folgen. Eine Dosis von 1 bis 2 Sievert (Sv) löst eine leichte Strahlenkrankheit aus, 2 bis 3 Sv führen bereits zu einer schweren Strahlenkrankheit und 6 Sv sind meist tödlich. Hochdosierte Strahlung zerstört die Blutbildung, das Immunsystem und schädigt viele andere Organe. Dabei kommt es auch darauf an, über welchen Zeitraum der menschliche Körper der Strahlung ausgesetzt ist. Wird innerhalb kurzer Zeit eine Dosis aufgenommen, die viele Zellen schädigt, kann der Organismus das weniger gut kompensieren, als wenn die gleiche Dosis über einen längeren Zeitraum hinweg absorbiert werde, erklärte das Bundesamt für Strahlenschutz. Hohe Strahlendosen führen zur akuten Strahlenkrankheit, die bei Menschen in der Regel innerhalb weniger Tage zum Tod führt. Was eine niedrigere Strahlendosis bewirkt, ist umstritten. Denn Erkrankungen treten oft erst nach Jahren auf, es ist schwierig, einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Krankheit und Bestrahlung herzustellen.

Erste Symptome einer Strahlenkrankheit sind Experten zufolge zum Beispiel Appetitlosigkeit, ein allgemeines Gefühl, krank zu sein oder Erbrechen. Blutungen, Haarausfall, Durchfall und viele weitere Symptome können später hinzukommen. Niedrige Strahlendosen betreffen den ganzen Organismus, das Immunsystem ebenso wie Herz oder Hirn. Aber im Zentrum der Risikobetrachtung steht Krebs als potenziell tödliche und häufige Krankheit. Das zerstörerische Wuchern von Krebszellen ist das Ergebnis tiefgreifender genetischer Veränderungen, von Mutationen im Erbgut, die natürliche Wachstumsbremsen der Zellen entfernen und dazu führen, dass diese sich explosionsartig vermehren. Krebs beruht auf Schäden in der Erbsubstanz DNS und ist eine Art GAU in der Zelle.

Aus den Entwicklungen nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki 1945 sowie dem Reaktorunglück von Tschernobyl 1986 kann man schließen, dass Schilddrüsenkrebs eine Folge radioaktiven Niederschlags ist - betroffen waren insbesondere Kinder und Jugendliche. Auch Leukämie könnte eine Folgekrankheit von erhöhter Strahlenbelastung sein, ebenso andere Krebserkrankungen. Radioaktive Strahlung kann auch das Erbgut schädigen und zu Missbildungen bei Kindern führen, wie auch aus Erfahrungen nach den Atombombenabwürfen im Zweiten Weltkrieg geschlossen wird. Die Weltgesundheitsorganisation hat in einem 2006 veröffentlichen Bericht zu Tschernobyl zudem auf die psychischen Folgen des Reaktorunglücks für die Betroffenen hingewiesen. In Berliner Krankenhäusern wird diese Form der Erkrankung offenbar sehr selten behandelt. Zumindest für das Berichtsjahr 2008, weisen nur zwei Kliniken aus, Patienten mit der Diagnose Strahlenkrankheit behandelt zu haben - und das auch nur in wenigen Fällen.



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