Spinalkanalstenose

Vor allem in höherem Alter können Rückenschmerzen auf einen verengten Wirbelsäulenkanal zurückgehen. Physio- und Schmerztherapie helfen gegen die Symptome, aber wenn die Patienten nicht mehr aufrecht gehen können, muss der Kanal chirurgisch geöffnet werden.

Krankheitsbild

Erklärung:

Die Wirbelsäule besteht aus den knöchernen Wirbelkörpern und den elastischen Bandscheiben dazwischen, verbunden durch Gelenke und stabilisiert durch Bänder. Die Wirbelkörper werden vom Spinalkanal durchzogen, in dem die Nervenstränge des zentralen Nervensystems (Rückenmark) verlaufen. Eine Verengung (Stenose) dieses Kanals kann auf die Nerven drücken und damit Schmerzen, Taubheitsgefühle, Lähmungserscheinungen und andere Nervenausfälle auslösen. Eine Spinalkanalstenose macht sich zumeist in höherem Alter und bedingt durch normalen Verschleiß bemerkbar. Am häufigsten tritt die Erkrankung im Bereich der Lendenwirbelsäule auf, am zweithäufigsten im Bereich der Halswirbelsäule.

Symptome:

In der Regel treten zunächst unspezifische Rückenschmerzen auf, die teilweise bis in die Beine ziehen. Bei fortgeschrittener Krankheit mehren sich die charakteristischen Symptome. Patienten, deren Lendenwirbelsäule betroffen ist, klagen über Taubheit der Beine oder ein Schwächegefühl in diesen. Sie haben zunehmend Schmerzen beim Gehen, die typischerweise nachlassen, wenn sie den Oberkörper nach vorne beugen. Fahrradfahren ist deshalb wegen der vornübergebeugten Haltung kein Problem. Möglicherweise wirkt sich die Stenose auch auf die Blasenfunktion aus. Inkontinenz dann die Folge sein. Ist die Halswirbelsäule betroffen, fallen Patienten Verrichtungen schwerer, die eine Geschicklichkeit der Hände erfordern.

Ursachen:

Der Wirbelkanal kann durch verschiedene Faktoren verengt werden. So würden Knochen, Gelenke und Bänder im Laufe des Lebens grundsätzlich dicker und wulstiger, sagt Dag Moskopp, Direktor der Klinik für Neurochirurgie des Vivantes-Klinikums im Friedrichshain. Durch den aufrechten Gang des Menschen lastet zudem ein großes Gewicht auf der Wirbelsäule, wodurch die Wirbelkörper immer mehr “zusammengedrückt” werden. Gleichzeitig verlieren die Bandscheiben Wasser, werden dadurch flacher und instabiler und können sich ins Rückenmark wölben. Die Instabilität kann auch dazu führen, dass sich Wirbelkörper gegeneinander verschieben. Das alles sind zunächst ganz normale Alterserscheinungen. Ob diese sich zu einer schmerzhaften Erkrankung entwickeln, lässt sich nicht vorhersagen. Ebenso wenig ist es möglich, einer solchen vorzubeugen.

Zahlen:

Bedingt durch die höhere Lebenserwartung treten Spinalkanalstenosen immer häufiger auf. Bei 20 Prozent aller Menschen über 60 lassen sich verengte Wirbelkanäle nachweisen und geschätzt einer von hundert leidet unter Schmerzen.

Behandlung

Diagnostik:

Durch die charakteristischen Symptome kann eine Spinalkanalstenose auf Grundlage einer gründlichen Anamnese diagnostiziert werden. Mit einer Röntgenaufnahme kann der Arzt die Diagnose bestätigen. Zudem kann er auf dieser erkennen, welche Teile der Wirbelsäule den Kanal verengen. Genauer lassen sich die Lage der Stenose und ihre Ursachen durch eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Computertomographie (CT) bestimmen. Das ist insbesondere vor einer Operation notwendig. Eine Myelographie ermöglicht Funktionsuntersuchungen. Dafür wird ein Kontrastmittel in den Wirbelkanal gespritzt, das diesen ausfüllt und so Engstellen sichtbar macht. Dann werden Röntgenaufnahmen gemacht, während der Patient sich bewegt; mit diesen kann der Arzt die Platzverhältnisse im Wirbelkanal besser beurteilen.

Therapie:

In einem frühen Stadium der Erkrankung lassen sich die Symptome mit einer Physiotherapie behandeln. “Das Ziel der Physiotherapie ist es, den Patienten zu helfen, eine entlastende Körperhaltung zu finden” sagt Chefarzt Moskopp.

Fällt es den Betroffenen durch die Schmerzen schwer, aufrecht zu gehen, kann ein Rollator ein gewisses Maß an Mobilität zurückgeben, da er die schmerzfreie vornübergebeugte Haltung ermöglicht.

Gehen die Schmerzen auf eine instabile Wirbelsäule zurück, stabilisieren Rumpfbandagen oder Stoffkorsetts den Rücken. Dies kann jedoch nur eine vorübergehende Lösung sein, da durch die äußere Stabilisierung die Rückenmuskulatur des Patienten auf Dauer geschwächt wird. 

Hat der Patient trotz dieser Behandlungen Schmerzen und verliert an Mobilität, kommen Schmerzmedikamente zum Einsatz. “Diese bringen jedoch meist nur eine vorübergehende Besserung”, sagt Thomas Brosch, Chefarzt der Neurologie und der Schmerztherapie der Immanuel Klinik Rüdersdorf, “denn die mechanischen Ursachen der Beschwerden werden damit nicht behoben.” Bei fortgeschrittener Krankheit könne nur eine Operation den Patienten von seinen Symptomen befreien. “Wichtig ist dabei aber immer, genau abzuwägen, ob die Operation, die ja auch Risiken hat, die Lebensqualität des Patienten spürbar verbessern kann.”

Das Ziel einer Operation ist es, den Druck auf die Nerven zu vermindern und gleichzeitig die Stabilität der Wirbelsäule zu erhalten oder wiederherzustellen. Der Druck wird vermindert, indem die Anteile der Wirbelsäule, die den Kanal verengen, entfernt werden. Dabei kann es sich um Teile der Wirbelkörper, der Wirbelkörpergelenke, der Bänder oder der Bandscheiben handeln. Werden große Anteile entfernt, so müssen die betroffenen Wirbelsäulenabschnitte durch ein Schrauben-Stangen-System stabilisiert werden.

Durch eine Operation können gerade betroffene und bereits gereizte Nervenwurzeln geschädigt werden; in einem solchen Fall würden sich die Symptome nach der OP verschlimmern. Ein weiteres Risiko besteht darin, dass die Haut verletzt wird, die das Rückenmark umgibt. Wird eine solche Verletzung nicht geschlossen, so kann sich eine Fistel bilden und einen erneuten Eingriff notwendig machen. Die Stabilisierung eines Wirbelsäulenabschnitts kann in den anschließenden Abschnitten zu erhöhter Instabilität führen und damit neue Probleme verursachen. Gerade bei älteren Patienten kann die Wirbelsäule an mehreren Stellen stark verändert sein. Dann besteht die Herausforderung für den Chirurgen darin, die Operation auf die Engstelle zu begrenzen, die hauptsächlich für die Beschwerden verantwortlich ist. Durch größere Eingriffe sei das Risiko zu groß, dass mögliche negative Folgen der Operation überwiegen, sagt Chefarzt Brosch. Extreme Komplikationen, bei denen das zentrale Nervensystem dauerhaft geschädigt wird und es zu Lähmungen kommt, sind laut Dag Moskopp eher die Ausnahme.



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