Schwäche einer Herzklappe (Mitralklappe)

Eine Mitralklappeninsuffizienz bedeutet eine anstrengende Mehrarbeit für das Herz. Dadurch wird das Organ mit der Zeit geschwächt. Typische Anzeichen dafür sind Herzrhythmusstörungen, Vorhofflimmern, Wassereinlagerungen in der Lunge, Luftnot und einer allgemeiner Leistungsabfall. Bei manchen Patienten ist eine offene Operation nicht möglich. Dann wird die Mitralklappe minimalinvasiv mithilfe eines Katheters geschlossen.

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Blick in ein Herzkatheterlabor. Foto: Immanuel Diakonie Group

Krankheitsbild

Erklärung:

Die Mitralklappe ist eine Herzklappe. Sie liegt zwischen dem linken Vorhof und der linken Herkammer und besteht aus zwei Bindegewebssegeln. Sie öffnet und schließt sich im Rhythmus des Herzschlages und lässt so Blut vom Vorhof in die Herzkammer und verhindert, dass es zurückfließt. Bei einer Mitralklappeninsuffizienz schließen die beiden Segel nicht mehr richtig, das Blut fließt immer wieder in den Vorhof zurück (“Pendelblut”). Dadurch muss die linke Herzkammer, die das Blut durch den Körper bewegt, mehr pumpen. 

Symptome

Eine Mitralklappeninsuffizienz bedeutet anstrengende Mehrarbeit für das Herz. Dadurch wird das Organ mit der Zeit geschwächt. Typische Anzeichen dafür sind Herzrhythmusstörungen, Vorhofflimmern, Wassereinlagerungen in der Lunge, Luftnot und einer allgemeiner Leistungsabfall. 

Ursachen

Die Erkrankung kann verschiedene Ursachen haben. “Oft ist eine Insuffizienz der Herzklappen schlicht eine Verschleißerscheinung im Alter”, sagt Christian Butter, Chefarzt der Abteilung Kardiologie am Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg. Sie könne aber auch durch eine angeborene Bindegewebsschwäche entstehen. In diesem Fall können auch jüngere Menschen betroffen sein. Eine weitere mögliche Ursache dafür, dass die Mitralklappe nicht mehr richtig schließt, ist eine allgemeine Herzinsuffizienz. Dabei wird die linke Herzkammer größer und dadurch auch die Öffnung der Mitralklappe, sodass die beiden Segel sie nicht mehr vollständig abdecken können. 

Zahlen

Es gibt keine genauen Zahlen, wie viele Menschen an einer Mitralklappeninsuffizienz leiden. Die meisten Patienten sind jedoch 60 Jahre und älter. Oft haben sie zudem noch weitere Herzerkrankungen. Deutschland ist bei der neuen Behandlungsmethode mit dem Mitraclip führend in Europa, hier wurden seit 2009 bereits rund 5000 der kleinen Klammern eingesetzt. Ärzte verwenden sie vor allem bei Patienten an, die älter sind als siebzig Jahre und so starke Begleiterkrankungen haben, dass sie nicht herzchirurgisch therapiert werden können. Ein Clip kostet rund 20.000 Euro. Die Kosten übernimmt die Krankenversicherung. 

Behandlung

Diagnose

Die Schwäche der Mitralklappe erkennen Ärzte mithilfe der sogenannten Echokardiografie, dem Ultraschall des Herzens. Diesen können sie ganz normal von außen machen oder, wenn sie genauere Bilder brauchen, als Schluckechokardiografie. Dabei führen sie wie bei einer Magenspiegelung einen etwa fingerdicken Schlauch über Mund und Speiseröhre zum Herzen hin. 

Therapie

Eine Mitralklappeninsuffizienz ist nicht immer behandlungsbedürftig. Erst wenn sie ein mittelschweres bis schweres Stadium erreicht, muss etwas getan werden. Üblicherweise bedeutet das eine herzchirurgische Behandlung, bei der die Ärzte die Mitralklappe rekonstruieren oder durch eine künstliche Herzklappe ganz ersetzen. Bei einigen Betroffenen ist dies aber nicht möglich. “Für Patienten mit schweren Begleiterkrankungen, Herz-Voroperationen oder einer vorangegangenen Bestrahlungstherapie des Brustkorbs ist so ein Eingriff mit einem zu großen Risiko verbunden”, sagt Kardiologe Butter. In diesen Fällen käme die neuentwickelte Behandlung mit dem so genannten Mitraclip in Frage. Der Mitraclip ist eine kleine Klammer aus Nitinol, einer Titan-Nickel-Legierung, die mit einem strumpfartigen Gewebe überzogen ist. “Dieses künstliche Gewebe verwächst hinterher sehr gut mit dem natürlichen des Körpers”, sagt Butter. In einem etwa zweistündigen minimalinvasiven Eingriff bringen die Operateure diesen Clip mit einem Katheter über einen kleinen Schnitt in der Leiste zum Herzen. Sie positionieren den Clip dort, wo die Öffnung der Mitralklappe am größten ist (meist also in der Mitte). Anschließend verbinden sie die beiden Segel der Klappe mit dem Mitraclip wie mit einer Wäscheklammer. “Anstelle einer großen Öffnung, die nicht mehr schließt, entstehen so zwei kleinere, die wieder besser schließen”, sagt Chefarzt Butter. Die Metallklammer verbleibt im Körper. Nach dem Eingriff müssen die Patienten daher regelmäßig zur Nachsorge gehen, bei der die Ärzte unter anderem via Ultraschall die korrekte Lage und Funktion des Clips kontrollieren.

Komplikationen

In manchen Fällen ist ein zweiter Eingriff notwendig, um diese zu korrigieren oder eine zweite Klammer anzubringen. Da diese Behandlungsmethode noch recht jung ist, gibt es bisher noch keine Langzeituntersuchungen zu ihren Ergebnissen. Komplikationen sind dabei zwar selten, können aber auftreten. “Dazu gehören unter anderem Blutergüsse und Blutungen an der etwa fingerdicken Einstichstelle an der Leiste”, sagt Butter vom Immanuel Herzzentrum Brandenburg. Es sei auch möglich, dass bei dem Eingriff die Aorta, also die Hauptschlagader verletzt würde. Auch Blutgerinnsel könnten auftreten, weswegen während der OP auch stets Blutverdünner gegeben würden.



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