Schmerztherapie, chronischer Schmerz

Schmerzen sind primäre Erlebnisse des Menschen. Sie dienen der Warnung. Doch bei vielen Menschen verselbstständigt sich diese eigentlich sinnvolle Empfindung

Krankheitsbild

Erklärung:

Schmerzen sind primäre Erlebnisse des Menschen. Kein höher entwickeltes Wesen kommt ohne Schmerz aus, denn sie dienen der Warnung, etwa dass etwas im Körper nicht stimmt, dass eine Verletzung droht oder schon eingetreten ist. Doch bei vielen Menschen verselbstständigt sich diese eigentlich sinnvolle Empfindung. Dann wird daraus das eigenständige Krankheitsbild der Schmerzkrankheit. Die Behandlung chronischer Schmerzen muss deshalb komplex und interdisziplinär behandelt werden.

Symptome:

Lang anhaltende Schmerzen machen sich meist schleichend bemerkbar – etwa als brennender, pochender oder dumpf ziehender Schmerz. Sie können aber auch nach Unfällen beispielsweise akut einsetzen. Oft nehmen Betroffene ihre Schmerzen im Körper – etwa die Kopf- oder Rückenschmerzen – nicht direkt als originär eigenes Leiden wahr. Es gibt keinen konkreten Zeitpunkt, ab wann ein Betroffener als chronisch krank gilt, denn Menschen gehen mit wahrgenommenen Schmerzen individuell unterschiedlich um.

Ursachen:

Schmerzen haben immer Ursachen – meist organische. Vor allem Migräne und Kopfschmerzen können chronisch werden und belasten als ständige Begleiter den Alltag. Rund jeder zweite Deutsche erlebt wiederkehrende Kopfschmerzen. Aber nicht nur im Kopf können sich Schmerzen regelrecht “einnisten”. Auch Gelenke und Wirbelsäule können lang anhaltende Schmerzen verursachen. Im Laufe eines Lebens werden sie stark belastet, möglicherweise auch überbeansprucht und verschleißen. Dann kann es sein, dass sich ein Schmerz quasi “verfestigt”. Er strahlt von seiner eigentlichen Quelle – etwa dem verletzten Gelenk – permanent in andere Körperregionen ab. Chronische Schmerzen können auch eine Spätfolge von hohem Blutzucker (Diabetes mellitus) sein. Denn der schädigt Nervenbahnen in Armen und Beinen, so dass das Empfinden nachhaltig gestört wird. Manchmal werden Schmerzen aber auch im Gedächtnis von Betroffenen abgespeichert, obwohl die ursächliche Erkrankung längst verheilt ist. So spüren manche Patienten ihre amputierten Gliedmaßen – ein so genannter Phantomschmerz. Die Nervenbahnen haben sich zuvor oft auf den anhaltenden Schmerz eingestellt, sich sozusagen daran “gewöhnt”. So existiert der betroffene Körperteil als Schmerzverursacher im Gehirn weiter.

Zahlen:

Befragungen der Deutschen Schmerzgesellschaft ergaben: Mindestens eine Million Bundesbürger brauchen eine qualifizierte, spezielle Schmerztherapie. Rund 16 Prozent der Patienten sind noch ziemlich jung, zwischen 19 und 35 Jahre. 46 Prozent der Betroffenen sind zwischen 36 und 55 Jahre alt. Tendenziell erkranken Frauen etwas häufiger als Männer.

Behandlung

Diagnostik:

Diagnostik und Therapie chronischer Schmerzen sind langwierige Prozesse. Zunächst befragen Schmerzexperten die Betroffenen nach ihrer Leidensgeschichte, um herauszufinden welche Erkrankung diese lang anhaltenden Schmerzen verursacht. Darüber hinaus sollten Patienten ihre Schmerzen auf so genannten Schmerzskalen – die sie zusammen mit ihren Ärzten ausfüllen – nach Charakter, Intensität und Ursprung beschreiben. Zudem bieten Mediziner den Betroffenen bei bestimmten Erkrankungen wie etwa Migräne an, ein so genanntes Schmerztagebuch zu schreiben. Darin notieren Patienten über einen längeren Zeitraum die Ausprägung und Intensität ihrer Schmerzen.

Therapie:

Patienten mit chronischen Schmerzen werden meist fachübergreifend von mehreren Ärzten betreut. Eine Behandlung ist individuell eng an die Diagnose gebunden. “Der Patient muss lernen, mit Schmerzen umzugehen”, sagt Thomas Müller, Chefarzt der Klinik für Neurologie des St. Joseph-Krankenhauses in Berlin-Weißensee. Daher empfehlen Ärzte zur Therapie einen mehrwöchigen Krankenhausaufenthalt in einer auf chronische Schmerzen spezialisierten Klinik. Dort behandeln Fachärzte die eigentlichen Ursachen und therapieren die Schmerzen. Neben Medikamenten setzen behandelnde Fachärzte auch Psycho- und Bewegungstherapie ein. Oft müssen Ärzte zunächst ihre Patienten von übermäßigem, mitunter langjährigen Medikamentengebrauch befreien. Experten sprechen von einem erheblichen Abhängigkeitspotential bei Medikamenten, die auf so genannten Analgetika und Opiaten basieren – gerade bei unsachgemäßer Anwendung.

Werden Patienten vor Beginn ihrer eigentlichen Therapie entgiftet, können sie unter erheblichen Entzugserscheinungen leiden. Risiken während der Therapie bergen vor allem die Medikamente. Unter Umständen können sie die Nieren der Betroffenen schädigen. Vor allem bei jüngeren Patienten können auch alltägliche Dinge helfen, Schmerzen zu bekämpfen – etwa schwere Arbeit und Stress zu vermeiden. “Es bestehen durchaus Heilungschancen”, sagt Schmerzexperte Thomas Müller. Nicht können Ärzte die diagnostizierten Erkrankungen heilen. Ziel der Therapie ist es dann, die Schmerzen möglichst so zu lindern, dass Betroffene ihre Lebensqualität zurückgewinnen.

 


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