Schlafapnoe

Jeder schläft mal schlecht. Häufen sich jedoch die Nächte, in denen man kein Schlaf findet, kehren Alpträume regelmäßig wieder oder wird man trotz regelmäßigen Schlafes am Tag von der Müdigkeit überwältigt, kann eine Schlafstörung die Ursache sein.

Krankheitsbild

Erklärung

“Ist die nächtliche Ruhe seit drei Monaten gestört, sollte man einen Arzt aufzusuchen”, rät Katrin Pilz, Oberärztin des Pneumologischen und Schlafmedizinischen Zentrums der DRK Kliniken Berlin Mitte. Schlafstörungen können sich sehr unterschiedlich auswirken, Mediziner zählen 88 verschiedene Erkrankungen des Schlafes. Die häufigste davon ist die obstruktive Schlafapnoe. Dabei erschlafft während des Schlafes die Muskulatur in den oberen Atemwegen der Betroffenen. Die Folge sind Atemstillstände und Alarmreaktionen des Körpers, die einen massiven Stress darstellen und zu einem gestörten, nicht erholsamen Schlaf führen.

Ursachen

Im wachen Zustand fällt es den Betroffenen nicht auf, dass sie krank sind. Denn dann wird die Atmung nicht nur durch das autonome Nervensystem gesteuert, sondern auch durch bewusste Kontrolle. Während des Schlafes entfällt jedoch die Möglichkeit der bewussten Einflussnahme. Bei der obstruktiven Schlafapnoe erschlafft die Muskulatur der oberen Atemwege – bis sie kollabieren und den Luftfluss unterbrechen. Folglich sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut, der Kohlendioxidgehalt steigt. Der Schlafende droht zu ersticken. Das Nervensystem reagiert auf die Gefahr und alarmiert den Organismus, wodurch der Schlaf kurz unterbrochen wird. Auch wenn der Mensch dadurch nicht vollständig erwacht, steigen Muskelspannung, Puls und Blutdruck wie beim Aufwachen an. Während vereinzelte Atemstillstände auch bei Gesunden vorkommen, stören gehäufte Apnoen den Schlaf massiv. Der Betroffene erreicht immer seltener die Tiefschlafphasen – die Schlafqualität sinkt. Zwar leiden häufig Übergewichtige an einer obstruktiven Schlafapnoe, doch auch die individuelle Anatomie der Atemwege wie vergrößerte Mandeln oder ein großes Zäpfchen begünstigen die Atemnot. Schneller erschlaffen die Atemwege auch durch den Konsum von Alkohol, Schlaftabletten und Beruhigungsmitteln.

Symptome

Charakteristisch für die Schlafapnoe sind ein unregelmäßiges und lautes Schnarchen und periodisch wiederkehrende Atemstillstände. Wird der Schlaf gestört, in dem die Schlafdauer verkürzt oder die Intensität des Schlafes vermindert wird, kann sich der Körper nicht in dem nötigen Maße erholen. Die Folge können Tagesschläfrigkeit und ein übermäßiges Schlafbedürfnis (Hypersomnie), verminderte Leistungsfähigkeit und ein allgemein beeinträchtigtes Wohlbefinden am Tag sein. Zu dem zeigen unter Schlafapnoe leidende Patienten ein erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden.

Zahlen

Studien zufolge leiden zwei Prozent der Frauen und vier Prozent der Männer unter einer obstruktiven Schlafapnoe. Bundesweit wurde im Jahr 2002 bei 118 703 Männern und 30 738 Frauen eine solche Störung diagnostiziert. In Berlin wurden 2008 mehr als 3300 Fälle registriert.

Behandlung

Diagnostik

Um eine Schlafapnoe zu diagnostizieren, muss der Patient ein bis zwei Tage in das Schlaflabor. Dort ermitteln Schlafmediziner wie Oberärztin Pilz mittels einer Vielzahl technischer Mess- und Aufzeichnungsverfahren ein umfangreiches Bild des Schlafes. Die im medizinischen Fachjargon kardiorespiratorischen Polysomnographie genannte Untersuchung misst neben Hirnströmen, Herzschlag und Sauerstoffsättigung des Blutes auch die Muskelaktivität an Kinn und Beinen, die Augenbewegungen, die Atmungsbewegungen von Brustkorb und Bauch. Ob ein Proband schnarcht, wird ebenso dokumentiert wie der Luftfluss an der Nase. Eine Kamera zeichnet die Bewegungen des Schlafenden auf.

Um die Schwere einer Schlafapnoe messen und beurteilen zu können, verwenden Mediziner den so genannten Apnoe-Hypopnoe Index (AHI). Er gibt die Atemstillstände von mehr als zehn Sekunden Dauer pro Stunde an. Bei einem Index von mehr als fünf – also mehr als fünf Atemstillständen pro Stunde – kann der Betroffene bereits unter den Folgen einer obstruktiven Schlafapnoe leiden. Um über die richtige Therapie zu entscheiden, ist der AHI allein jedoch nicht ausreichend. Neben der Schlaffragmentierung – also der Zerstörung des Schlafes durch wiederkehrendes Erwachen – werden auch die Sauerstoffsättigungsabfälle im Blut, die Auswirkungen auf die Herztätigkeit und zusätzlich bestehendene Erkrankungen des Herz-Lungen-Kreislaufes berücksichtigt. Letztlich bestimmt auch die Beschwerdesymptomatik und ihre Auswirkungen auf den Alltag der Betroffenen – beispielsweise durch die Tagesschläfrigkeit – die Wahl der geeigneten Therapie.

Therapie

Wird eine schwere obstruktive Schlafapnoe bei einem Patienten diagnostiziert, setzen die Schlafmediziner zur Behandlung meist auf ein Beatmungsgerät zur sogenannten nasalen kontinuierlichen Überdruckbeatmung (nCPAP) oder kurz auch Ventilationstherapie. Über eine Maske pumpt diese Maschine nachts Luft in die Nase des Betroffenen. Dadurch wird der Kollaps der Atemmuskulatur vollständig gestoppt und der Patient kann wieder ungestört schlafen. Das erklärt auch, warum 80 Prozent der Betroffenen diese gut tolerieren. “Wenn sie mal zwei, drei Nächte durchgemacht haben, wissen sie wie hoch der Leidensdruck derjenigen ist, die unter einer Tagesschläfrigkeit leiden”, sagt die Schlafmedizinerin Pilz. Denjenigen 20 Prozent der Betroffenen, die eine Beatmungstherapie ablehnen oder nur einen geringen Schweregrad aufweisen, können Chirurgen durch Operationen an Kiefer, Mund oder Gesicht helfen. Ziel dieser Eingriffe ist es, anatomische Fehlstellungen im Kiefer- und Rachenbereich zu korrigieren. Auch an den Weichteilen im Nasen-Rachen-Bereich operieren Mediziner, um den Luftfluss zu verbessern. Jedoch weisen diese Eingriffe lediglich einen Therapieerfolg von 20 Prozent auf und bergen Risiken wie Schluck- und Sprachstörungen. Leichte Schlafapnoen können auch durch Prothesen und Schienen therapiert werden, die Zunge oder Kiefer vorverlagern und somit den Atemfluss aufrechterhalten. Rund die Hälfte der leichten Atemstörungen können durch diese Hilfsmittel erfolgreich behandelt werden. Doch auch sie sind nicht frei von Nebenwirkungen. Kieferfehlhaltungen, Zahnauslockerungen und Druckstellen können die Folge dieser Behandlung sein.

 


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