Rauschgiftsucht

Drogensucht kann biologische, familiäre und soziale Ursachen haben. Regelmäßigkeit, Zwanghaftigkeit, Entzugserscheinungen und Toleranzentwicklung deuten auf eine Abhängigkeit hin

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Grafik TSP/Bartel

Krankheitsbild

Erklärung:

Drogen sind im Partyleben sehr präsent. Es gibt eine ganze Palette von künstlichen und natürlichen Rauschgiften – Angel Dust, Crystal, Ecstasy, Kokain, LSD, Speed oder Pilze. Sie werden gegessen, geraucht, geschnüffelt oder gespritzt. Dabei haben sie kurzfristig unterschiedliche Wirkungen, sie putschen auf oder beruhigen. Heroin gehört zu den Opiaten, die in der Medizin auch als Betäubungsmittel eingesetzt werden. Heroinkonsum löst beispielsweise ein plötzlich einschießendes Wohlgefühl aus und lindert Schmerzen. Was für Gefühle Cannabisprodukte auslösen, ist abhängig vom Konsumenten. Sie reichen von Entspannung über ein gesteigertes Redebedürfnis und Hungergefühl bis hin zu Halluzinationen – wie etwa “Farben hören” oder “Musik als bunte Bilder sehen”.

Doch der Drogenkonsum kann für Körper und Seele fatale Folgen haben. Denn langfristig kann er psychisch abhängig machen und den Körper schädigen. So können Cannabis und Kokain nachweislich zu Gehirnschäden und Psychosen führen. Langzeitkonsumenten klagen gelegentlich über Konzentrations- und Lernstörungen. Heroin ist – auch im Gegensatz zu Alkohol – keine organschädigende Substanz. Vielmehr sind es die Folgen der Abhängigkeit, an denen Heroinsüchtige zugrunde gehen: Thrombosen, Abszesse durch den Gebrauch schmutziger Nadeln, Aids – und Verwahrlosung. Allerdings beeinflusst Heroin auch den Atemrhythmus, weshalb bei einer Überdosis die Gefahr besteht, zu ersticken. Auch Bewusstlosigkeit, Kreislaufversagen und verlangsamter Herzschlag drohen.

Mit Hilfe von Entzugstherapien in Kliniken versuchen Süchtige aus eigenem Antrieb diesen Teufelskreislauf zu durchbrechen.

Symptome:

Die Drogensucht macht sich auf unterschiedliche Art und Weise bemerkbar. Die Weltgesundheitsorganisation hat vier Kriterien festgelegt, um Sucht allgemein zu definieren: Regelmäßigkeit, Zwanghaftigkeit, Entzugserscheinungen – wie etwa Depressionen und Angstzustände – und Toleranzentwicklung. Bei letzterem Kriterium steigern die Betroffenen kontinuierlich ihren Drogenkonsum, um die gleiche Wirkung zu erhalten. Meist fällt die Drogensucht sehr spät auf – vor allem dann, wenn die Betroffenen kriminell werden müssen, um sich ihre Sucht finanzieren zu können.

Ursachen:

Drogensucht hat biologische, familiäre und soziale Ursachen. Drogen stimulieren das Belohnungszentrum, das im Limbischen System sitzt. Eigentlich dient es der Arterhaltung und Fortpflanzung, da es bei bestimmten Verhaltensweisen – zum Beispiel Essen, Trinken oder Sex – für Glücksgefühle sorgt. Wird das Belohnungszentrum gereizt, schüttet es verschiedene Botenstoffe – Ärzte nennen sie Neurotransmitter – aus, die unterschiedlich auf den Körper wirken. Oftmals finden sich die Betroffenen in der realen Welt nicht zurecht und ziehen sich deshalb in eine mithilfe von Drogen konstruierte Scheinwelt zurück. “Zu 80 Prozent kommen die Abhängigen aus sehr zerrütteten familiären Verhältnissen”, sagt Tilmann Wetterling, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Vivantes Klinikum Hellersdorf. Drogensucht kann aber auch genetisch bedingt sein – zumindest für Heroin sehen die Ärzte einen Zusammenhang.

Zahlen:

Experten gehen davon aus, dass in Deutschland insgesamt etwa 600.000 Personen zwischen 18 und 64 Jahren Cannabis entweder missbrauchen oder davon abhängig sind. Mehr als 160.000 Berliner konsumieren illegale Drogen – in 95 Prozent der Fälle handelt es sich um Cannabis. Bundesweit sterben jährlich etwa 1400 Konsumenten an harten Drogen, Tendenz steigend. In Berlin werden jedes Jahr etwa 9000 Opiatabhängige ambulant und 1200 stationär versorgt.

Behandlung

Diagnostik:

Die persönliche Einsicht, süchtig zu sein, ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Behandlung – denn die beruht hauptsächlich auf dem Prinzip der Freiwilligkeit. Allerdings können fast alle Drogen auch über ein so genanntes Urinscreening nachgewiesen werden.

Therapie:

Die Ärzte behandeln die Abhängigen in mehreren Schritten: Entzug, Therapie und Wiedereingliederung. Denn um nicht rückfällig zu werden, ist ein stabiles soziales Umfeld fundamental.

Die Abhängigen werden auf unterschiedliche Art und Weise in einer Klinik von den Drogen getrennt – kalt oder warm. Bei einem kalten Entzug werden die Patienten radikal von den Suchtmitteln isoliert. Entzugserscheinunungen wie Depressionen, Angstzustände, Kopf- und Gliederschmerzen, Juckreiz, Erbrechen, Durchfall machen die ersten Nächte zur Qual. Die Zeit scheint stillzustehen. Bei einem warmen Entzug werden die Suchtmittel schrittweise abgesetzt oder mit alternativen Mitteln wie beispielsweise mithilfe von Methadon ersetzt. Aber auch da bleiben diese Entzugserscheinungen nicht aus.

Die eigentliche Arbeit, um endgültig von den Drogen wegzukommen, beginnt erst, wenn das Gift den Körper verlassen hat. Viele schaffen das nicht. Erfolgt der Entzug immer stationär, können sich die Betroffenen auch einer ambulanten Rehabilitation unterziehen. In den Einzel- und Gruppentherapien werden die Betroffenen motiviert, ihr Leben zu ändern. Denn bei Suchtkranken ist vor allem der persönliche Kontakt entscheidend dafür, ob sich jemand nach dem Entzug Hilfe holt oder nicht. Bewegungstherapie und kreative Beschäftigung helfen, den Zugang zur eigenen Gefühlswelt zurück zu erlangen. Darüber hinaus empfehlen die Ärzte meist einen geregelten Tagesablauf. Die besten Chancen, “sauber” zu bleiben, haben Drogenabhängige mit einem funktionierenden sozialen Umfeld: ein Job, die Familie, die sie unterstützt. Ohne dieses Netz sind die Aussichten düsterer. Nur jeder Fünfte schafft den Ausstieg.

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