Palliativmedizin, Sterbebegleitung

Die Palliativmedizin will nicht in erster Linie heilen, denn die so behandelten schwerkranken Menschen sind in ihrer letzten Lebensphase angekommen. Jetzt geht es um Lebensqualität und Symptomlinderung.

Behandlungsbild

Erklärung:

"Pallium" ist das lateinische Wort für "Mantel". Den will ein Palliativmediziner schützend um seinen Patienten legen. Meist geht es heute um Krebskranke. Die Palliativstation eines Krankenhauses ist nicht, wie viele meinen, ein "Ort zum Sterben". Es stimmt zwar: Hier werden Menschen behandelt und betreut, deren Krankheit weit fortgeschritten und nicht heilbar ist. "Doch die Krankheit muss nicht in absehbarer Zeit zum Tode führen", erklärt Ernst Späth-Schwalbe, "Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Vivantes Klinikum Spandau, zu der auch die Abteilung Palliativmedizin gehört.

Therapieablauf:

Palliativstationen sind fast immer, so wie in Spandau, mit einer Klinik für Onkologie und Hämatologie verbunden und aus ihr heraus entstanden. Der Mantel, der hier angeboten wird, besteht bei Bedarf auch aus den bekannten "harten" Methoden der Tumorbekämpfung. "Wenn wir glauben, dass eine Chemo- oder Strahlentherapie die Beschwerden am besten lindert, dann geben wir sie", sagt Späth-Schwalbe. Nicht um zu heilen, aber um zu helfen. Auch wenn die Ärzte den Kampf gegen den Krebs aufgegeben haben, bleiben ihnen andere Kämpfe, die heute sehr erfolgreich geführt werden können: Gegen die Schmerzen, gegen die Übelkeit, gegen die Atemnot, gegen die Angst. "Unser Ansatz ist es, die Symptome zu behandeln", sagt Späth-Schwalbe. Die Patienten, die sich dort aufhalten, haben nicht nur Krebs, sondern manchmal auch eine schwere chronische Lungenerkrankung oder eine neurologische Krankheit. Obwohl sie schwer und unheilbar krank sind, obwohl ihr Leben sich dem Ende zuneigt, kommen die Patienten, um wieder zu gehen: Wenn ein Konzept für die Behandlung der Schmerzen und der Atemnot gefunden ist, das ambulant fortgeführt werden kann, können sie nach Hause oder in ein Hospiz. Bei besonderen Problemen gibt es aber auch den Weg zurück, unter den Mantel des Krankenhauses. Möglich ist das Leben zu Hause durch die "spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV)(Externer Link zum SAPV-Netzwerk Berlin)":http://www.sapv-netzwerk-berlin.de/ , die gut ausgebildete Ärzte und Pflegekräfte sicherstellen. 5000 Ärzte haben in Deutschland bisher die Zusatzweiterbildung zum Palliativmediziner gemacht. Weil jeder Arzt über Grundkenntnisse verfügen sollte, steht das Fach ab 2013 verpflichtend für alle Medizinstudenten auf dem Programm. Im Schnitt bleiben die Patienten zehn bis zwölf Tage auf den Palliativstationen. Die meisten können dann nach Hause oder werden in ein Hospiz vermittelt.

Zahlen:

Seechs Palliativstationen sind inzwischen in Berliner Krankenhäusern eingerichtet, neben Spandau und der Charité verfügen auch das Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe, die Helios-Kliniken Emil von Behring und Buch und das Malteser-Krankenhaus über eine solche Station. Auch das Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam und die Immanuel Klinik in Rüdersdorf verfügen über derartige Abteilungen. "Palliativmedizin darf nicht erst in der letzten Lebensendphase einsetzen, sondern muss bei unheilbaren, schwer kranken Patienten schon vorher integriert werden", fordert Friedemann Nauck, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) . Bisher stünden in Deutschland für eine Million Einwohner 22 Betten auf Palliativstationen zur Verfügung, gebraucht würden aber 30, rechnet die Fachgesellschaft vor.



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