Morbus Crohn

Morbus Crohn ist eine chronisch entzündliche Darmkrankheit, die den gesamten Verdauungstrakt betrifft. Medikamente und eine Operation können den Patienten Linderung verschaffen. Heilen lässt sich die Krankheit jedoch nicht.

Krankheitsbild

Erklärung

Morbus Crohn gehört, wie auch Colitis ulcerosa, zu den chronisch entzündlichen Darmkrankheiten (CED). Da eine Heilung bisher nicht möglich ist, begleiten diese die Betroffenen ein Leben lang. Anders als bei der Colitis, die sich hauptsächlich in der Schleimhaut des Dickdarms abspielt, kann bei Morbus Crohn der gesamte Verdauungstrakt entzündet sein: Vom Mund und der Speiseröhre über den Dünn- und Dickdarm bis hin zum After. Am häufigsten sind jedoch Dünn- und Dickdarm betroffen.

Symptome

Bei Morbus Crohn sind die Wände des Verdauungstraktes entzündet. Die Folgen davon sind häufiger Durchfall, Schmerzen, Gewichtsabnahme, Fisteln und Abszesse im Darm sowie Blut- und Eiweißverlust. Da die Entzündungszellen wandern können, können auch Probleme an anderen Organen wie Leber oder Augen und an den Gelenken auftreten.

Diese Symptome treten in Schüben auf. Das bedeutet, dass ein Betroffener über einen längeren Zeitraum keine Beschwerden hat, diese aber immer wieder auftreten können. “Wie häufig und wie stark die einzelnen Krankheitsschübe sind, ist von Patient zu Patient unterschiedlich”, sagt Thomas Weinke, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie und Infektiologie am Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam. So haben manche jahrelang Ruhe und auch nur leichte Beschwerden während des Schubs, bei anderen meldet sich die Krankheit dagegen alle paar Monate mit voller Wucht zurück.

Ursachen

Die Ursache von Morbus Crohn ist immer noch ungeklärt. Es ist keine Erbkrankheit, allerdings kann man eine erhöhte Wahrscheinlichkeit erben, die Krankheit zu entwickeln. Als direkter Auslöser galt lange Zeit eine Überreaktion des Immunsystems. Inzwischen sprechen einige Forscher von einem “Paradigmenwechsel”, weil man eine Störung der Barriere, mit der der Körper sich vor den Darmbakterien schützt, als mögliche Ursache festgestellt hat. Experten gehen davon aus, dass es wahrscheinlich eine Kombination aus beiden Faktoren ist.

Zahlen

Experten gehen davon aus, dass es in Deutschland rund 150.000 Erkrankte gibt. In Berlin und Brandenburg sind es zusammen rund 12.000. Meist tritt das Leiden im Alter von 15 bis 35 Jahren zum ersten Mal auf. Durchschnittlich dauert es rund zehn Monate, bis die Krankheit nach dem ersten Schub richtig diagnostiziert wird. Dies liegt auch daran, dass die meisten Ärzte nur sehr wenig Erfahrung mit der Krankheit haben: “Hochgerechnet stellt jeder Allgemeinmediziner in Deutschland nur drei Mal während seiner gesamten Berufslaufbahn diese Diagnose”, sagt Gastroenterologe Weinke.

Behandlung

Diagnose

Zunächst befragt der Arzt seinen Patienten nach dessen Beschwerden und danach, wie häufig sie auftreten. Besteht der Verdacht auf Morbus Crohn, führt der Arzt eine Magen- sowie eine Darmspiegelung durch, die auch als Gastroskopie und Koloskopie bezeichnet werden. Dabei kann er feststellen, an welchen Stellen der Verdauungstrakt entzündet ist. Gleichzeitig entnimmt er dabei Gewebeproben, die anschließend von einem Pathologen untersucht werden, um die Diagnose abzusichern.

Therapie

Bei einem schweren akuten Krankheitsschub verordnen die Ärzte meist eine Cortison-Therapie, die die Entzündungen im Verdauungstrakt bekämpft. Um Patienten dauerhaft beschwerdefrei zu halten, können sie auch in einer so genannten Erhaltungstherapie Medikamente mit den Wirkstoffen Azathioprin oder Methotrexat verschreiben. Diese unterdrücken das Immunsystem und hemmen so die Entzündungen. Allerdings müssen sie über einen längeren Zeitraum, das heißt mindestens drei Jahre eingenommen werden. Die häufigsten Nebenwirkungen bei beiden Wirkstoffen sind Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle. Da sie das Immunsystem unterdrücken, besteht zudem ein erhöhtes Infektionsrisiko.

Die derzeit wirkungsvollsten, aber auch nebenwirkungsreichsten Mittel gegen Morbus Crohn sind die so genannten TNF - Blocker. Diese werden per Infusion gegeben oder unter die Haut gespritzt und binden mit den Antikörper-Wirkstoffen Infliximab oder Adalimumab die Boten- und Signalstoffe, die die Entzündung aussendet. Auf diese Weise können sie die Krankheit unterdrücken. Allerdings kann das Krebsrisiko dadurch steigen. TNF-Blocker sind schweres Geschütz, man setzt sie erst ein, wenn nichts anderes mehr hilft.

Neben Medikamenten kann auch eine Operation den Betroffenen helfen. “So gut wie jeder Morbus Crohn-Patient wird mindestens einmal in seinem Leben am Darm operiert”, sagt Gastroenterologie-Chefarzt Weinke. Dies sei häufig notwendig, um einen Darmverschluss zu verhindern. Bei der OP schneiden Chirurgen das entzündete und dadurch verengte Darmsegment heraus und verbinden anschließend die gesunden Teile des Darms wieder miteinander. Diese Operation verschafft dem Patienten zwar Linderung, heilen kann sie die Krankheit jedoch nicht, da sich stets andere Bereiche des Verdauungstraktes neu entzünden können.

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