Meniskusriss

Das Knie beim Skifahren ruckartig verdreht und plötzlich schmerzt das Gelenk. Oft handelt es sich um einen Meniskusriss, der chirurgisch behandelt werden muss. Um einer vorzeitigen Abnutzung der Knorpel im Kniegelenk vorzubeugen, raten Mediziner so viel wie möglich vom Gewebe zu erhalten.

Krankheitsbild

Erklärung:

Das Knie ist eines der fünf wichtigsten Gelenke des menschlichen Körpers. Mithilfe des Knies kann sich der Mensch bewegen. Es besteht aus Knochen, Knorpel und verschiedenen Bindegeweben. Das Kniegelenk wird von der Gelenkkapsel umschlossen. Sie besteht aus zwei Schichten Bindegewebe und Schleimhäuten.

Der Meniskus ist ein teilweise durchblutetes Gewebe zwischen Oberschenkel und Unterschenkel, der apfelscheibenförmig zwischen den aufeinander liegenden Gelenkknochen liegt und diese von der Innen- und Außenseite des Beines umschließt. In jedem Kniegelenk befinden sich ein Außen- und ein Innenmeniskus. Beide dienen genauso wie die Knorpelauflagen direkt in der Mitte des Kniegelenkes als Puffer dazu, Reibungskräfte zwischen Ober- und Unterschenkel abzufedern. Sie sind also eine Art Stoßdämpfer im Knie.

Aufgrund von Freizeit- und Sportunfällen – etwa beim Fußballspielen, Skifahren oder Wandern – können Menisken einreißen. Und zwar während einer ruckartigen Verdrehung des Knies. Diese Risse müssen operativ behandelt werden, ansonsten drohen aufgrund veränderter Druckverhältnisse langfristig größere Schäden am Knorpelgewebe. Nutzt sich das Knorpelgewebe ab, kann dies zu Arthrose führen und damit die Beweglichkeit des betreffenden Knies einschränken.

 

Symptome:

Meist spürt der Betroffene plötzlich einen stechenden ziehenden Schmerz im Knie. An ein vollständiges, das Gelenk belastende Auftreten ist dann nicht mehr zu denken.

 

Ursachen:

Unfälle im Alltag, in der Freizeit und im Sport können zu Meniskusverletzungen führen. Verdrehen Menschen zum Beispiel ruckartig eines ihrer Knie beim Fußballspielen, kann dadurch der Meniskus einreißen. Aber auch altersbedingt kann ein Meniskus “ausfasern” – er verliert an Elastizität und wird spröde – und dadurch einreißen.

 

Zahlen:

Bundesweit werden etwa 280.000 Betroffene im Jahr behandelt – allein in Berlin sind es etwa 16.000. Meist sind die Patienten erwachsen. Aber auch Kinder können sich derartige Verletzungen zuziehen.

 

Behandlung

Diagnose:

Meist befragt ein Arzt die Betroffenen zur Krankengeschichte und zum Unfallhergang. Um den Befund abzusichern, wird die Beschaffenheit des Kniegelenks mithilfe von Kernspin-Tomografie , Röntgen oder Ultraschall untersucht. Anhand dieser so genannten bildgebenden Diagnoseverfahren können Ärzte die Länge des Meniskusrisses und Abnutzungserscheinungen im Kniegelenk wie etwa eine Arthrose erkennen.

 

Therapie:

Ist der Meniskus eingerissen, operieren Ärzte das verletzte Knie. Es gibt zwei Standardverfahren: offen chirurgisch oder minimalinvasiv. “Heute wird fast alles minimalinvasiv operiert”, sagt Germain Renouard, ehemaliger Chefarzt der Allgemein- und Unfallchirurgie und Orthopädie am Dominikus Krankenhaus.

Der Vorteil gegenüber einem offen chirurgischen Eingriff sei bei einem minimalinvasiven Verfahren die bessere Sicht mithilfe einer Minikamera innerhalb des Kniegelenkes. Bei einem offen chirurgischen Verfahren verlören die behandelnden Ärzte trotz einer Schnittlänge von fünf Zentimetern von außen den Überblick. Das liege nach Auffassung von Chirurg Renouard vor allem am Aufbau des Kniegelenks. Denn die aufeinander liegenden Oberschenkel- und Unterschenkelknochen werden von einer Gelenkkapsel – zwei Schichten aus Bindegeweben und Schleimhäuten – fest umschlossen. Außerhalb der Kapsel befinden sich der Halteapparat aus Bänder, Sehnen und Muskeln.

Bei einem minimalinvasiven Verfahren legen Chirurgen mindestens zwei halbe Zentimeter große Schnitte links und rechts unterhalb der Kniescheibe. Über diese Schnitte werden fünf Millimeter dicke Metallröhren – Ärzte nennen sie Trokare – eingeführt. Mithilfe dieser Zugänge können die Operateure eine Mini-Kamera und das Operationsbesteck, das auf langen Stielen sitzt, einführen. Je nach Lage des Meniskusrisses im Knie sind unter Umständen auch drei Schnitte notwendig, sagt Chirurg Renouard. Um zum Meniskus vorzudringen, schneiden sich Ärzte durch verschiedene Haut- und Gewebeschichten sowie durch die Gelenkkapsel. Die Bänder, Muskeln und Sehnen werden dabei jedoch von den Chirurgen umgangen, um sie nicht zu beschädigen.

Früher wurden oft ganze Menisken bei dem offen chirurgischen Verfahren entfernt. Die Mediziner sind davon mittlerweile abgekommen. Renouard: “Es ist sinnvoll, den Meniskus so gut es geht zu erhalten.” Denn dieses Gewebe schütze vor zusätzlicher Abnutzung der Knorpel im Kniegelenk. Je nach Alter der Patienten, Lage und Länge des Risses sowie der Beschaffenheit des Knies entscheiden Mediziner, ob der Meniskus genäht werden kann oder ein Teil entfernt werden muss. Je jünger die Patienten sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass Chirurgen nähen. “Derzeit wird in Berlin nur bei jedem zehnten Patient ein Meniskus genäht. Das sieht in einem Krankenhaus in der Nähe von Wintersportgebieten ganz anders aus”, sagt Chirurg Renouard. Denn da würden viele junge Menschen sich häufiger als andernorts verletzen. Dadurch nähten Chirurgen dort häufiger als in der Hauptstadt, in der die Patienten durchschnittlich älter sind.

Nach der Behandlung des Meniskus müssen die Gelenkkapsel und die einzelnen Gewebeschichten aufgrund der minimalen Schnitte nicht verschlossen werden. Nur die Hautoberfläche wird bei Erwachsen zugenäht und bei Kindern gepflastert. Insgesamt dauert eine OP etwa eine Stunde.

Komplikationen wie Nachblutungen oder eine Wundinfektion seien sehr selten, sagt der ehemalige Chefarzt Renouard. Diese träten bei etwa einer von 10 000 Arthroskopien (Gelenkspiegelungen) auf. Kommt es zu einer Infektion, muss das betroffene Gelenk sofort erneut gespiegelt und mit mehreren Litern Flüssigkeit gespült werden. Bei einem fortgeschrittenen Erregerbefall wird arthroskopisch die innere Schleimhaut des Gelenkes entfernt, arthroskopisch heißt, ohne das Gelenk zu eröffnen. Die meisten infizierten Kniegelenke können so gut behandelt werden, sagt Renouard. Bei einer Infektion ist schnelles Handeln gefordert, um Spätschäden zu vermeiden. Zum Beispiel Knorpelschäden, die in eine Arthrose münden mit den dazugehörigen Schmerzen.

Generell wird das Gelenk mit einer elektrolytfreien Flüssigkeit gespült, da mitunter strombetriebene Instrumente eingesetzt werden, etwa zur Blutstillung oder zur Entfernung von Meniskusteilen. Somit wird vermieden, dass es zur Weiterleitung von Strom kommt und der Patient einen Schlag erleidet.

Der einer Behandlung schließt sich eine Rehabilitation an. Mithilfe von Krankengymnastik wird dann die Muskulatur gestärkt, um das Knie ohne Krücken wieder einsetzen zu können. Patienten, deren Menisken genäht wurden, dürfen ihr betroffenes Knie jedoch mindestens vier Wochen lang nicht voll belasten. Sportfreunde müssten sogar acht bis zehn Wochen pausieren. Wurde hingegen ein Teil des Meniskus entfernt, könne das Knie meist nach vier Tagen wieder voll belastet werden, sagt Chirurg Germain Renouard. Dieser scheinbare Vorteil wird jedoch mit einem hohen Risiko erkauft: einer vorzeitigen Abnutzung der Knorpelschicht, die dann zur Arthrose führt.

Der Arzt rät seinen Patienten unabhängig vom Operationsverfahren, regelmäßig zu Nachuntersuchungen zu gehen, um den Heilungsverlauf zu kontrollieren. Eine erfolgreiche Meniskusoperation erkenne man an dem für den Patienten wichtigsten Indikator: ein schmerzfreies Knie.



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