Magen-Darm-Infektionen bei Kindern (Brechdurchfall)

Kinder verfügen über geringere Abwehrkräfte als Erwachsene. Daher ist es gerade bei ihnen wichtig den Wasser- und Elektrolytverlust auszugleichen. Seit 2006 gibt es eine Impfung gegen den Rotavirus

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Krankheitsbild

Erklärung:

Magen und Darm sind die zentralen Verdauungsorgane. Durch die Magensäfte wird die Nahrung aufgeweicht und mithilfe von körpereigenen Stoffen, so genannten Enzymen, in die lebensnotwendigen Nährstoffe – Kohlenhydrate, Mineralien und Vitamine – zerlegt. Über den Darm gelangen sie in den Blutkreislauf. Auch das in der Nahrung enthaltene Wasser gelangt so in die Blutbahn, bevor die Verdauungsreste ausgeschieden werden. Eine Magen-Darm-Infektion kann die Nahrungsaufnahme und Verdauung erheblich beeinträchtigen. Aufgrund von Durchfall und Erbrechen kommt es zu großem Wasserverlust – Erkrankte drohen von innen auszutrocknen. Da Säuglinge und Kindern über eine geringere Widerstandskraft verfügen als Erwachsene, tritt die Erkrankung bei ihnen häufiger auf und kann zudem schwerer oder in seltenen Fällen sogar lebensbedrohlich verlaufen.

Symptome:

Betroffene leiden häufig an Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfällen. Die Durchfälle können wässrig, blutig oder schleimig sein und von anhaltenden Blähungen begleitet werden. Auch Fieber kann auftreten. Je jünger ein Kind ist, desto schneller trocknet sein Körper durch Wasser- und Elektrolytverlust aus. Anzeichen für diese Austrocknung sind unter anderem spärlicher, dunkel gefärbter Urin und trockene Schleimhäuten sowie Müdigkeit, Trägheit und Apathie. "Durch den Flüssigkeitsverlust verliert auch die Haut an Spannkraft, so dass sie nach einem leichten Kneifen in Falten stehen bleibt", sagt Volker Stephan, Chefarzt der Kinder- und Jugendklinik Lindenhof in Lichtenberg. "Spätestens in diesem Fall ist unverzüglich ein Arzt aufzusuchen."

Ursachen:

Magen-Darm-Infektionen werden meist durch Viren wie das Rotavirus oder das Notovirus seltener durch Bakterien oder Parasiten, hervorgerufen. In Europa verursachen Bakterien wie Salmonellen und Campylobacter besonders schwere Krankheitsverläufe. In Ländern mit niedrigeren Hygienestandards ist das Spektrum möglicher Erreger weitaus größer und damit auch die Anzahl schwerer Magen-Darm-Erkrankungen wie Cholera und Typhus.


Die den Magen-Darm-Trakt schädigenden Keime gelangen meist mit verunreinigter Nahrung in den Körper und werden normalerweise im Magen vom sauren Magensaft abgetötet. Bei einer sehr großen Keimanzahl allerdings überleben einige und gelangen in den Darm. Dort besiedeln sie die Darmschleimhaut und verursachen eine vermehrte Abgabe von Wasser und Schleim in den Darm. Da sie gleichzeitig die Wasseraufnahme der Schleimhaut hemmen, kommt es zu Durchfall. Zusätzlich greifen manche Erreger die Zellen der Darmwand an und zerstören sie, was zu Blutungen und Geschwüren führen kann.

Zahlen:

In Deutschland treten jährlich insgesamt rund 430.000 Rotavirus-Erkrankungen auf. Bei rund 10 Prozent der erkrankten Kinder verläuft die Krankheit so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden muss. Etwa 90 Prozent aller Kinder in Deutschland leiden bis zum dritten Lebensjahr mindestens einmal unter einer Rotavirus-Infektion. Nach zwei überstandenen Infektionen ist das Immunsystem meist so trainiert, dass das Virus danach keine schweren Erkrankungen mehr verursacht.

Behandlung

Diagnostik:

Der Flüssigkeitsverlust durch Erbrechen und Durchfälle wirkt sich bei Säuglingen und Kindern besonders negativ auf den Körper aus. Daher bedürfen sie bei Verdacht auf eine Magen-Darm-Infektion früh ärztlicher Hilfe - vor allem wenn Durchfall, Erbrechen und Fieber gemeinsam auftreten, sollte man unverzüglich einen Arzt mit ihnen aufsuchen. Die Diagnose einer Magen-Darm-Infektion geschieht hauptsächlich anhand der Krankengeschichte und einer körperlichen Untersuchung. Weitere Untersuchungen, wie die des Bluts, des Stuhls oder des Urins, sind nur in schweren Fällen notwendig, etwa wenn die Durchfälle sehr lange anhalten oder von hohem Fieber begleitet werden.

Therapie:

"Während einer Magen-Darm-Infektion ist es vor allem bei Säuglingen und Kindern besonders wichtig, den Wasser- und Elektrolytverlust des Körpers auszugleichen, um einer Dehydratation entgegen zu wirken", sagt Kinderarzt Stephan. Bettruhe ist empfehlenswert, eine medikamentöse Therapie dagegen meist nicht notwendig. Diese lindert häufig lediglich die Symptome, beseitigt aber nicht die Ursache der Erkrankung, betont Stephan. Daher sollte ein Kind, wenn es nur noch leicht oder gar nicht mehr erbricht, viel trinken. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt dazu folgende Rezeptur: Vier gestrichene Teelöffel Zucker, einen dreiviertel Teelöffel Salz, ein Teelöffel Bikarbonat und ein Becher Orangensaft auf einen Liter Wasser. Wird das erkrankte Kind mit der Flasche ernährt, sollte es unverdünnte Säuglingsmilch erhalten; Säuglinge, die gestillt werden, sollten auch während des Magen-Darm-Infekts weiter gestillt werden.

Hält das Erbrechen allerdings an, so dass das Kind keine Flüssigkeit aufnehmen oder behalten kann, ist "unverzüglich ärztliche Hilfe notwendig." Hierzu ist gegebenenfalls der Aufenthalt in einer Klinik notwendig. Medikamente sollte das erkrankte Kind nur nach Absprache mit einem Arzt erhalten, da sich diese in einigen Fällen negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken können: Antibiotika zum Beispiel töten nicht nur die Krankheitserreger ab, sondern auch die schützende Darmflora, wodurch sich die Infektion noch verstärken kann. Daher werden sie nur in Ausnahmefällen verschrieben, etwa bei Säuglingen in den ersten drei Monaten oder bei Frühgeborenen. Auch Durchfallmedikamente, die den Stuhl festigen, verlängern häufig die Erkrankung, da sie die Ausscheidung der Krankheitserreger aus dem Körper verzögern.

Wichtig: Um einer Ansteckung vorzubeugen, helfen schon einfache hygienische Maßnahmen wie Hände waschen nach einem Toilettengang und vor jedem Essen. Um einen schweren Krankheitsverlauf vorzubeugen gibt es seit 2006 eine Impfung gegen den Rotavirus. Die Schluckimpfung umfasst je nach Impfstoff zwei oder drei Einzeldosen. Sie kann ab der vollendeten sechsten Lebenswoche gegeben werden, die letzte Dosis muss das Kind vor dem Ende der 24. beziehungsweise 26. Lebenswoche erhalten.



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