Lymphödeme

Lagert sich Lymphflüssigkeit im Gewebe ein, kann es zu Schwellungen kommen. Damit Betroffene nicht zum Pflegefall werden, müssen sie regelmäßig – oft sogar im Jahresabstand – zu einer Rehabilitation.

Krankheitsbild

 

Erklärung:

Lymphödeme sind Schwellungen, die entstehen, wenn sich Lymphflüssigkeit im Gewebe einlagert. Lymphe ist ein zähflüssiges Sekret, das sich zwischen den Zellen des Körpers befindet und unter anderem Eiweiße und Abfallprodukte der Zellen abtransportiert. Der Körper produziert täglich rund zwei Liter dieser Flüssigkeit und leitet sie über das Lymphsystem zu den Venen ab. Wenn dieses System aus kleinen und größeren Gefäßen, das sich wie ein Spinnennetz über den ganzen Körper zieht, gestört ist, kann die Lymphe nicht richtig abfließen und lagert sich im Gewebe ab.

 

Symptome:

Prinzipiell können Lymphödeme in allen Körperteilen auftreten: den Armen, den Beinen, im Gesicht, am Bauch oder auch an den Genitalien. Durch die Einlagerung von Flüssigkeit im Gewebe schwellen die betroffenen Regionen an. In Extremfällen können sich die Gliedmaßen dabei um über 200 Prozent vergrößern. Die so in Mitleidenschaft gezogenen Körperteile werden schwer, schmerzen und schränken die Bewegungsfreiheit ein. “Außerdem leiden viele Patienten psychisch an den entstellenden Schwellungen”, sagt Manfred Klare, Chefarzt der Seeklinik Zechlin, einer Fachklinik für Lymphologie und Ödemkrankheiten.

 

Ursache:

Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Lymphödemen. Primäre Lymphödeme gehen auf angeborene Störungen des Lymphsystems zurück. “Sie beginnen meist am Fuß und breiten sich dann langsam nach oben hin aus”, sagt Chefarzt Klare: Da das Lymphsystem zu schwach ist, um die Flüssigkeit nach oben zu transportieren, sammelt sich die Lymphe zunächst in den Zehen und staut sich dann immer weiter auf. Sekundäre Lymphödeme entstehen dagegen aufgrund anderer Erkrankungen wie zum Beispiel Thrombosen oder auch durch die Therapie anderer Krankheiten. Dies kann beispielsweise bei der Behandlung von Brustkrebs passieren: Hier entfernen die Ärzte neben dem Tumor in manchen Fällen auch die Lymphknoten in der Achselhöhle, wodurch der Abfluss der Lymphe unterbrochen wird. Primäre Lymphödeme betreffen – ähnlich wie die so genannten Lipödeme, bei denen sich Wasser vor allem in den Fettzellen der Beine einlagert – vor allem Frauen.

 

Zahlen:

In Deutschland sind jährlich rund 80.000 Menschen von einem Lymphödem betroffen. Der überwiegende Teil der Patienten ist weiblich. Bei einem primären Lymphödem treten die ersten Anzeichen der Krankheit meist bereits in einem jüngeren Lebensalter auf: Häufig sind die Betroffenen noch unter 35 Jahre. Sekundäre Lymphödeme können in jedem Lebensalter auftreten.

 

Behandlung

 

Diagnostik:

Die Veränderungen des Gewebes können per Ultraschall untersucht werden, meist reicht zur Diagnose eines Lymphödems jedoch eine körperliche Untersuchung durch einen Arzt aus. Neben der Schwellung der Gliedmaßen geben hier die so genannten Kastenzehen sowie das Stemmer-Zeichen einen Hinweis auf ein bestehendes Lymphödem. Kastenzehen sind durch die Schwellung verbreiterte, quadratisch anmutende Zehen, die meist mit einer sichtbaren Verdickung der Hand- oder Fußrücken sowie einer starken Falte im Bereich des Sprunggelenkes einhergehen. Ein sicherer Anhaltspunkt für ein primäres Lymphödem ist zudem das Stemmer-Zeichen. Dafür versucht der Arzt, eine Hautfalte über der zweiten und dritten Zehe anzuheben. Gelingt dies nicht oder nur sehr schwer, bedeutet das, dass ein primäres Lymphödem vorliegt. Mediziner unterscheiden vier verschiedenen Stadien von Lymphödemen. Im Rahmen der Diagnose bestimmt der Arzt, in welchem Stadium sich ein Lymphödem befindet: Ödeme der Stadien 1 und 2 sind reversibel. Das heißt, die Schwellung bildet sich zurück, wenn der Patient beispielsweise das betroffene Bein hochlagert. In Stadium 3, dem chronisch irreversiblen Lymphödem sowie in Stadium 4, der lymphostatischen Elephantiasis, ist dies nicht mehr möglich: Die Verdickung der Gliedmaßen bleibt bestehen und lässt sich nur durch eine medizinische Behandlung verringern.

 

Therapie:

Lymphödeme sind chronische Erkrankungen, die stetig fortschreiten. Ohne eine Behandlung können die Betroffenen erwerbsunfähig und sogar dauerhaft pflegebedürftig werden. Neben einer ambulanten Therapie bei niedergelassenen Ärzten gehört dazu auch eine regelmäßige lymphologische Rehabilitation. Diese dauert durchschnittlich 27 Tage statt der sonst bei einer Reha üblichen drei Wochen, da diese nur selten ausreichen, um Lymphödeme zu entstauen. Zudem ist der normale, gesetzlich vorgeschriebene Vierjahresabstand zwischen zwei rehabilitativen Maßnahmen für Lymphödem-Patienten häufig zu groß. “Viele müssen einmal jährlich eine stationäre Intensivtherapie machen, um die Ödeme effizient zu behandeln”, sagt Chefarzt Klare. Dies würden die Kostenträger jedoch meist auch bewilligen. Hauptbestandteil einer lymphologischen Intensivbehandlung ist in der Regel die so genannte komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE). Sie besteht aus manuellen Lymphdrainagen, Kompressionsbandagierungen und Entstauungsgymnastiken. “Eine manuelle Lymphdrainage ist eine spezielle Massageform, mit der die angestaute Lymphe aus dem Körper befördert wird”, sagt Reha-Arzt Klare. Mit speziellen Bewegungen aktivieren die Therapeuten dabei die Lymphgefäße. Diese transportieren dann die Flüssigkeit über das Lymphsystem zum so genannten Milchbrustgang. Hier, im Bereich oberhalb des linken Schlüsselbeins, mündet das Lymphsystem in das Venensystem. Über die Venen gelangt die Lymphe dann letztlich zu den Nieren, über die sie schließlich ausgeschieden wird. “Deshalb müssen unsere Patienten nach einer intensiven Lymphdrainage auch dringend auf die Toilette”, sagt Klare. Nach der Massage legen die Therapeuten den Patienten lymphologische Kompressionsbandagen an, die diese den ganzen Tag übertragen müssen. “So kann die Flüssigkeit nicht wieder zurück in die betroffene Körperregion fließen.” Die Gymnastik als dritter Bestandteil der KPE besteht aus physiotherapeutischen Übungen, die sowohl auf die Arme als auch auf die Beine ausgerichtet sind. Sie dient dazu, die Muskulatur in den Gliedmaßen zu stärken, da Muskelkontraktionen auch zum Transport der Lymphflüssigkeit beitragen.



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