Lungen–/Herz-Lungen–Transplantation

Eine Herz-Lungentransplantation ist eine Herausforderung für den Körper – und den Operateur. Wird das Organ jedoch akzeptiert, kann eine hohe Lebensqualität wiedergewonnen werden

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Krankheitsbild

 

Erklärung:

Eine Herz-Lungen-Transplantation ist ein schwerer und selten durchgeführter chirurgischer Eingriff. Die Ärzte ziehen ihn erst in Betracht, wenn die Patienten lebensbedrohlich erkrankt und keine anderen Behandlungen möglich sind. “Bevor man sich zu einer derart komplizierten Operation entschließt, wartet man meist sehr lange”, sagt Roland Hetzer, ehemaliger Ärztlicher Direktor des Deutschen Herzzentrums in Berlin-Wedding.

 

Ursache:

Hoch aufwendige Lungentransplantationen kommen für Patienten infrage, die an unheilbaren Erkrankungen des Lungengewebes oder an Mukoviszidose leiden. Dies ist eine genetisch bedingte und unheilbare Stoffwechselkrankheit. In den Bronchien sammeln sich schleimige Sekrete, die nicht abtransportiert werden. Den Betroffenen fällt zunehmend das Atmen schwer. Sie drohen im fortgeschrittenen Stadium zu ersticken.

Auch Herzfehler wie etwa das Eisenmenger-Syndrom erfordern eine Transplantation. Bei dieser angeborenen Erkrankung besteht zwischen dem linken und rechten Teil des Herzens eine Kurzschlussverbindung. Normalerweise pumpt der linke Herzteil sauerstoffreiches Blut durch den Körper. Dafür baut er hohen Blutdruck auf. Wenn sich dieser über die abnorme Verbindung zwischen linkem und rechtem Teil des Herzens in die Lunge fortsetzt, kann das dazu führen, dass der Blutdruck in der Lunge den des übrigen Körpers übersteigt. Das Blut fließt daher zurück und nicht durch die Lunge, es wird mit weniger Sauerstoff angereichert. Dadurch werden alle Organe geschwächt und können absterben. Schließlich führt Organversagen zum Tod.

 

Zahlen:

In Berlin werden jährlich rund 30 Herz und Herz-Lungen-Transplantationen durchgeführt. Deutschlandweit herrscht ein Mangel an Spenderorganen, vor allem die Zahl verfügbarer Spenderherzen sinkt. Rund 160 Menschen warten in Berlin auf ein Spenderherz. Derzeit gilt die “erweiterte Zustimmungslösung”, bei der Organe entnommen werden, wenn der Betroffene dies ausdrücklich – zum Beispiel durch einen Organspendeausweis – bejaht hat oder die Angehörigen der Entnahme zustimmen. 2008 führten rund 17 Prozent der Deutschen einen Organspendeausweis mit sich.

 

Behandlung

 

Diagnostik:

Schwere Herzfehler und lebensbedrohliche Lungenerkrankungen können eine kombinierte Transplantation beider Organe nötig machen. Sie werden unter anderem mit Röntgenbildern, Ultraschall und Katheteruntersuchungen festgestellt.

 

Therapie:

Das Höchstalter für diesen Eingriff liegt bei etwa 60 Jahren. Zunächst wird der Brustkorb mit einem Längsschnitt geöffnet. Die Chirurgen entnehmen das Herz, anschließend den linken und später den rechten Lungenflügel. Der Brustkorb wird sprichwörtlich leer geräumt, der Patient durch eine Herz-Lungen-Maschine am Leben erhalten. Die neuen Organe, Herz und Lunge eines Spenders, werden gemeinsam eingesetzt. Zuerst wird die Luftröhre wieder angeschlossen, dann der rechte Vorhof und die Hauptschlagader. Ein Risiko bei Transplantationen ist immer die Abstoßung des neuen Organs durch den Organismus. Bei kombinierten Herz-Lungen-Transplantationen seien die Abstoßungsreaktionen eher “mild und selten”, sagt Experte Hetzer.

Das liegt daran, dass hierbei nicht nur ein, sondern gleich zwei Organe verpflanzt werden. Allerdings kann sich so schlimmstenfalls ein umgekehrtes Problem ergeben: die so genannte Graft-versus-Host-Reaktion, bei der die transplantierten Organe den Empfängerorganismus angreifen.

Ein weiteres Problem sind Funktionsstörungen der Spenderorgane. Die Organe kommen heute oft von älteren Menschen oder solchen, die lange mit intensivmedizinischen Maßnahmen, etwa durch eine künstlichen Beatmung, am Leben erhalten werden konnten. Ihre Organe haben darunter gelitten. Wichtig: Nach einer erfolgreichen Operation müssen Patienten regelmäßig zu Nachuntersuchungen, in der eigenen Wohnung auf besondere Hygiene achten und ihr Leben lang immunsuppressive Medikamente nehmen, damit der Körper das neue Organ akzeptiert. Nach fünf Jahren lebt noch rund die Hälfte aller Operierten. “Viele Operierte erreichen 80 bis 90 Prozent der Leistungsfähigkeit eines Gleichaltrigen”, sagt Hetzer. Selbst Sport treiben ist möglich.



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