Künstliches Ellenbogengelenk (bei Arthrose)

Eine Arthrose im Ellenbogengelenk kann verschiedene Ursachen haben. Sind die Beschwerden zu stark, kann das Gelenk künstlich ersetzt werden.

Krankheitsbild

Erklärung

Bei einer Arthrose des Ellenbogengelenkes ist der Knorpel stark abgenutzt oder degeneriert. Schmerzen und Bewegungseinschränkungen können den Alltag dann stark beeinträchtigen. Doch Mediziner schaffen Abhilfe, indem sie das natürliche Gelenk durch eine Prothese ersetzen. Das künstliche Implantat muss sich jedoch einer komplizierten Anatomie anpassen. Eigentlich sind es drei Gelenke in einem, die drei Knochen miteinander verbinden: den Oberarmknochen mit der Speiche und Elle des Unterarms. Letztere sind unabhängig voneinander an den Oberarmknochen gekoppelt und ermöglichen es so, nicht nur den Arm zu beugen und zu strecken, sondern gleichzeitig auch den Unterarm zu drehen: Die Gelenkgrube der Speiche sitzt auf einer kugelförmigen Ausstülpung des Oberarmknochens. Die Elle tritt über zwei Gelenke mit ihrem Gegenüber in Kontakt. Damit die Knochen nicht aneinander reiben, sind sie mit einer elastischen, glatten Knorpelschicht überzogen und durch eine dickflüssige Gelenkschmiere getrennt.

 

Symptome

Erkrankt das Ellenbogengelenk, schmerzt es meist und lässt sich nicht mehr ausreichend beugen. Im Alltag zeigt sich das besonders dadurch, dass die Hand nur noch schwer zum Gesicht geführt werden kann, beispielsweise um zu essen. Manchmal fällt es den Betroffenen auch schwer, den Unterarm entlang seiner eigenen Achse zu drehen. Ist der Knorpel schon stark beschädigt, quält das Gelenk den Patienten auch, wenn es nicht bewegt wird.

 

Ursachen

Martin Lautenbach, ehemaliger Chefarzt der Abteilung Obere Extremität, Hand- und Mikrochirurgie am Immanuel-Krankenhaus, nennt drei Ursachen für eine Arthrose: Rheuma, bei dem das Immunsystem eigenes Körpergewebe wie zum Beispiel die Knorpelschichten in den Gelenken angreift, ist die häufigste Ursache. Doch auch Unfälle, bei denen das Gelenk verletzt wurde, können als Spätfolge im Alter zu einer Arthrose führen. Nicht immer ist die Ursache fassbar: Dann spricht man von idiopathischen Arthrosen.

 

Therapie

Diagnose

Als erstes muss der Arzt die individuelle Krankheitsgeschichte des Patienten kennen: “Die Beschwerden des Kranken entscheiden darüber, ob und wann eine Operation notwendig ist”, sagt Lautenbach. Um die Diagnose abzusichern und den chirurgischen Eingriff vorzubereiten, nutzt der Operateur meist Röntgen, bei unklaren Befunden die Computertomografie (CT) , seltener die Magnetresonanztomografie (MRT) . Auf den Röntgenbildern erkennt der Arzt verformte oder verletzte Knochen, CT- und MRT-Aufnahmen geben zusätzlich Aufschluss über das gelenkumgebenden Gewebe.

 

Behandlung

Zwar kann die Arthrose des Ellenbogengelenkes nicht geheilt werden. Jedoch kann zumindest die Gelenkreizung und mit ihr der Schmerz gelindert werden. Mediziner verordnen dazu entzündungshemmende Salben, Tabletten oder Spritzen, die der Arzt direkt ins Gelenk injiziert. Auch eine geringere Belastung des Gelenkes und der Aufbau der Stützmuskulatur durch Krankengymnastik machen die Beschwerden erträglicher. Ist jedoch der Alltag stark beeinträchtigt, wird das natürliche Gelenk oft durch ein künstliches Pendant ersetzt. So komplex die Anatomie des Ellenbogengelenkes ist, so extrem aufwendig und kompliziert sei der chirurgische Eingriff, sagt Lautenbach.

Die Wahl der geeigneten Prothese ist von vielen Faktoren, insbesondere jedoch von der Art der Verletzung sowie vom Zustand der Knochen und Bänder abhängig. In der Regel wird nur das Gelenk zwischen Oberarmknochen und Elle ausgetauscht. Lautenbach verwendet dafür eine sogenannte teilgekoppelte Prothese. Wie eine Türangel besteht sie aus zwei Elementen, die in der Mitte durch ein Scharnier verbunden sind. Die beiden Elemente bestehen aus Titanschäften – der eine wird in den Oberarmknochen zementiert, der andere in die Elle. Durch das scharnierartige Gelenk lässt sich die Prothese wie das ursprüngliche Gelenk beugen und verfügt zudem über ausreichend Stabilität für den Alltag. Früher wurden die Träger von Ellenbogenprothesen noch gewarnt, nicht zu schwer zu heben, damit sich das Implantat nicht auslockere. Solche Warnungen seien überholt, sagt Lautenbach: “Menschen mit einem künstlichen Ellenbogengelenk braucht man nichts zu verbieten.”



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