Kunstherzen, Herzunterstützungssysteme

Wenn bei einer permanenten Herzschwäche sämtliche andere Behandlungsmethoden wie Operationen, das Einsetzen eines Schrittmachers oder eine medikamentöse Therapie ausgeschöpft sind, können Ärzte ein sogenanntes Kunstherz einsetzen. Das natürliche Herz bleibt im Körper.

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Operation zum Einpflanzen eines Herzunterstützungssystems. Der Brustkorb des Patienten ist geöffnet. Foto: Immanuel Diakonie Group

Krankheitsbild

Erklärung

Das Herz pumpt das Blut durch den Körper. Durch Leiden wie eine Herzmuskelentzündung oder auch eine Erkrankung der Herzkranzgefäße und Herzinfarkte kann das lebenswichtige Organ jedoch so sehr geschwächt sein, dass es Unterstützung braucht. Wenn sämtliche andere Maßnahmen wie Operationen, das Einsetzen eines Schrittmachers oder eine medikamentöse Therapie ausgeschöpft sind und der Tod aufgrund von Herzversagen droht, kann die Pumpleistung des Herzens durch künstliche Unterstützungssysteme verbessert oder sogar ersetzt werden. Diese Kunstherzen weisen jedoch nicht unerhebliche Risiken auf. Ein vollständiger anatomischer Ersatz des Herzens durch eine Pumpe (klassisches Kunstherz) hat sich nicht durchgesetzt. Heute werden alle verfügbaren Systeme am im Körper belassenen Herzen angedockt.

Symptome

Typische Anzeichen von Herzschwäche sind Herzrhythmusstörungen und Vorhofflimmern. Ebenso sind Wassereinlagerungen in der Lunge, Luftnot und ein allgemeiner Leistungsabfall Anzeichen dafür, dass das Organ nur noch eingeschränkt arbeitet.

Ursachen

Das Herz kann durch verschiedene Erkrankungen vorübergehend geschwächt werden. Häufig ist dies bei schweren Herzmuskelentzündungen der Fall. Vor allem bei älteren Patienten kann das Organ aber auch andauernd mit verminderter Leistung arbeiten. “Manchmal sind die Ursachen dafür unklar”, sagt Johannes Albes, Chefarzt der Abteilung für Herzchirurgie Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg. Oft trete die permanente Herzinsuffizienz aber in Folge eines langjährigen Herzklappenfehlers, einer koronaren Herzkrankheit oder von Herzinfarkten auf.

Zahlen

Es gibt keine gesicherten Zahlen darüber, wie viele Patienten mit einem Kunstherz leben. Experten schätzen jedoch, dass es in der Region Berlin-Brandenburg etwa 300 sind. Etwa 1000 Menschen würden zudem von den künstlichen Pumpen profitieren können. Derzeit können Menschen mit schwerer permanenter Herzschwäche etwa drei bis fünf Jahre mit einem Kunstherz leben. Ein Kunstherz kostet rund 80.000 Euro, die Kosten dafür übernehmen die Krankenkassen. Allerdings gibt es Beschränkungen, wie viele solcher Maschinen die Ärzte im Jahr implantieren dürfen. In diesem Jahr waren es im Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg zehn Stück.

 

Behandlung

Diagnose

Eine Herzschwäche stellen Ärzte mit der sogenannten Echokardiografie, einem Ultraschall des Herzens, fest. Weitere Diagnosemethoden sind das Elektrokardiogramm (EKG), das die Herztätigkeit anzeigt.

Therapie

Wenn bei einer permanenten Herzschwäche sämtliche andere Behandlungsmethoden wie Operationen, das Einsetzen eines Schrittmachers oder eine medikamentöse Therapie ausgeschöpft sind, können Ärzte ein sogenanntes Kunstherz einsetzen. “In den meisten Fällen handelt es sich dabei eigentlich um eine Huckepackpumpe für linke Herzkammer”, sagt Herzchirurg Albes. Denn zum einen sei es meist die linke Herzkammer, die geschwächt sei, da diese das Blut durch den gesamten Körper pumpen müsse, während die rechte nur für die Lunge verantwortlich sei. Zum anderen ersetze das Kunstherz die Herzkammer nicht vollständig, sondern werde nur auf sie draufgesetzt, um sie zu unterstützen.

Diese “Huckepackpumpe”, die eigentlich linksventrikuläre Unterstützungspumpen (LVAD) heißt, hat etwa die Größe einer zwei Euro Münze und besteht aus Edelstahl und Kunststoff. In dem kleinen runden Gefäß befindet sich eine Turbine, die sich in hoher Geschwindigkeit dreht und damit das Blut bewegt. Die Operation, bei der die Ärzte die Pumpe einsetzen, findet offen statt und dauert etwa zwei bis vier Stunden. Dabei stanzen die Chirurgen zunächst ein Stück in der Größe des Kunstherzens aus dem Muskel der linken Herzkammer heraus. In diese Mulde kommt die künstliche Pumpe. Eine Art kleines Röhrchen verbindet sie mit der Herzkammer, ein Plastikschlauch mit der Herzschlagader. Auf diese Weise kann das Blut durch sie hindurch zirkulieren. Seine Energie erhält das Kunstherz über ein bleistiftdickes Kunststoffkabel, das aus dem Körper heraus führt und mit Akkus verbunden ist, die die Betroffenen meist an einem Gürtel tragen. “Diese Akkus halten bis zu einem Tag”, sagt Immanuel-Chefarzt Albes.

Komplikationen

Das Kabel selbst bestehe an der Austrittsstelle aus einem Material, das mit dem Körper verwächst. Dennoch sei hier eine der Schwachstellen des Systems. “Langfristig können an dem Kabel Keime in den Körper gelangen und Infektionen auslösen.” Dies ist jedoch nicht das einzige Risiko, dass bei der Unterstützung des Herzens durch künstliche Pumpen besteht. So können während der Implantation Blutungen auftreten oder sich Gerinnsel bilden. Letztere können auch später noch entstehen und beispielsweise einen Schlaganfall auslösen. Daher müssen Patienten mit Kunstherz ein Leben lang Medikamente nehmen, die die Blutgerinnung reduzieren. Darüber hinaus ist eine lebenslängliche ärztliche Betreuung notwendig. “Das Herz der Patienten muss regelmäßig mit Ultraschall und EKG überprüft werden”, sagt Albes. Denn das Organ müsse weiter schlagen, um das Blut zu den künstlichen Pumpen zu führen.



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