Krampfadern (Varizen)

Besenreiser sind ein rein ästhetisches Problem. Andere Krampfadern können sich aber zu einer ernstzunehmenden Krankheit entwickeln

Krankheitsbild

 

Erklärung:

Krampfadern sind erweiterte, hautnahe Venen. Grundsätzlich können sich alle Venen zu Krampfadern entwickeln, am häufigsten trifft es jedoch die oberflächlichen Venen der Beine und ihre Verbindungen nach innen.

 

Ursachen:

Venen sind in erster Linie dazu da, das Blut zum Herzen zu befördern. Bei jeder Bewegung drücken Muskeln und Venenwände das Blut entgegen der Schwerkraft Richtung Herz. Ventilähnliche Klappen in den Venen verhindern, dass das Blut zurückfließt. Wenn Klappen oder Venenmuskulatur nicht mehr richtig arbeiten, staut sich das Blut in den Beinen. Die Venen werden überlastet und dehnen sich aus. Krampfadern entstehen.

In den meisten Fällen sind Bindegewebsschwächen, die erblich oder hormonell bedingt sein können die Ursache. Außerdem begünstigen Bewegungsmangel, Übergewicht und hohes Alter die Krampfaderbildung. Auch mehrmalige Schwangerschaften können zu einer Venenschwäche mit Krampfaderbildung führen. Nur bei etwa fünf Prozent der Betroffenen sind die Venenausbuchtungen Folgeerscheinung einer Erkrankung in den tiefen Beinvenen (zum Beispiel einer Thrombose, bei der ein Blutgerinnsel plötzlich ein Gefäß verschließt). Solch krankheitsbedingte Varizen bezeichnet man als sekundäre Varizen, im Vergleich zu den primären Varizen, die durch Bindegewebsschwäche verursacht werden und immer ein intaktes inneres Venensystem implizieren.

 

Symptome:

Die feineren Krampfadern, Besenreiser genannt, sind vor allem ein ästhetisches Problem, weniger eine echte, behandlungspflichtige Erkrankung. Sie schimmern bläulich und wirken knotig. Krampfadern im engeren Sinn treten zumindest im Stehen aus der Haut hervor, sehen aber nicht nur unschön aus, sondern können Grund sein für sich schwer anfühlende Beine, Spannungen und Juckreiz oder Wadenkrämpfe. In schlimmeren Fällen können aus den stark ausgeprägten Varizen tiefe Geschwüre und so genannte “offene Beine” entstehen: Wird das Gewebe nicht mehr richtig durchblutet, können kleinste Wunden nicht mehr richtig abheilen, sondern weiten sich aus. Im Allgemeinen verstärken sich die Beschwerden bei warmen Temperaturen und bei längerem Stehen.

 

Zahlen

“Krampfadern sind eine echte Volkskrankheit”, sagt Peter Dollinger, Chefarzt der Gefäßchirurgie in den DRK Kliniken Mitte. Experten zufolge treten bei circa 20 Prozent der Erwachsenen irgendwann Veränderungen in den Beinvenen auf. Meist machen diese sich erstmalig zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr bemerkbar. Frauen leiden – aufgrund ihres Hormonhaushalts und infolge von Schwangerschaften – dreimal so häufig unter Krampfadern wie Männer.

 

Behandlung

 

Diagnose:

Krampfadern sind als solche ob ihres auffälligen Aussehens leicht erkennbar. Nur mit einer speziellen Ultraschalluntersuchung kann der Arzt aber feststellen, welcher Defekt dem Blutstau zugrunde liegt. Der Ultraschall gibt zum Beispiel Aufschluss darüber, in welche Richtung das Blut in der Vene fließt.

 

Therapie:

Ziel der Krampfadertherapie ist es, den Blutfluss in den Venen sicherzustellen. “Krampfadern sind ein Tribut auf den aufrechten Gang”, sagt Experte Dollinger. Regelmäßiges Hochlagern der Beine und vielseitige Bewegung sind deshalb wichtig für die Blutzirkulation. Auch kalte Beingüsse beugen vor. Behandelt werden können Krampfadern entweder durch regelmäßiges Tragen von Kompressionsstrümpfen oder durch einen operativen Eingriff. Kosmetische Erfolge verspricht allerdings nur die Entfernung oder Verödung, also Stilllegung der Krampfader. Dabei wird diese zum Beispiel mithilfe eines Lasers, Wasserdampf oder von Radiowellen verschlossen. Der Eingriff erfolgt in der Regel unter örtlicher Betäubung. Im weiteren Verlauf vernarbt die nun überflüssige Vene – sie bildet sich zurück.

Eine Alternative ist die konventionelle, also offene Operation. Dabei wird die krankhaft veränderte Vene entfernt (Venenstripping), die gesunden Venenabschnitte bleiben im Körper. Die Entfernung der Krampfader hat keinen negativen Einfluss auf die Blutzirkulation, da die Aufgabe anschließend durch andere, gesunde Venen übernommen wird.

Welche der Methoden – Verödung oder Operation – die bessere ist, sei noch nicht entschieden, sagt Dollinger. “Eine eindeutige Überlegenheit der modernen Verfahren gegenüber der konventionellen Standardoperation ist bisher nicht wissenschaftlich belegt.”

Fakt sei aber, dass man sekundäre, also durch andere Krankheiten entstandene Varizen niemals operativ behandeln dürfe. “Würde man diese entfernen oder verschließen, hätte das betreffende Bein unter Umständen gar keinen venösen Abfluss mehr”, erklärt Dollinger. “Das wäre eine Katastrophe für den Patienten, da dies möglicherweise eine Amputation zur Folge hätte.”



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