Knochenbrüche

Jeder zweite Junge bis zum 16. Lebensjahr bricht sich einen Knochen. Auch ältere Menschen die unter Osteoporose leiden können bei einem Sturz schnell eine Fraktur erleiden. Einfache Brüche therapieren Mediziner mit Gips oder Schiene. Bei komplizierten Brüchen müssen sie oft viel Metall in den Knochen schrauben

Krankheitsbild

 

Erklärung

Vom kleinen Zeh bis hin zum Schädel stützen rund 200 Knochen den menschlichen Körper, geben ihm seine Form und Haltung. Werden diese Stützstreben jedoch beim Sport oder einem Unfall zu stark belastet, können sie brechen. Statistisch erleidet jeder zweite Junge bis zum 16. Lebensjahr eine Fraktur. Bricht der Knochen dabei in nur zwei Teile mit glatten Bruchflächen, sprechen Ärzte von einem einfachen Bruch. Zerbirst er in mehrere Teile, wird dies Splitter- oder Trümmerfraktur genannt. Bei offenen Brüchen verschiebt sich der Knochen so stark, dass er durch das umgebende Gewebe und die Haut eine offene Wunde reißt und oft aus ihr hervor tritt.

 

Symptome

Die Symptome einer Fraktur sind meist eindeutig: Oft ist ein vernehmbares Knacken zu hören – das Wort Knochen ist vermutlich eine lautmalerische Ableitung von diesem Geräusch. Die betroffene Stelle schmerzt sofort und anhaltend. Der betroffene Körperteil kann nicht mehr belastet werden, ist beispielsweise das Sprunggelenk gebrochen, kann der Verunglückte mit diesem Fuß nicht mehr ohne Schmerzen auftreten. Brüche in den Extremitäten zeigen sich oft durch Fehlstellungen wie geknickten Unterarmen oder verrenkten Beinen.

Das umliegende Gewebe schwillt an. Ursache ist das aus dem Knochen austretende Blut. Später sammelt sich auch Gewebswasser (die Lymphflüssigkeit) zu einem Ödem an. Drückt etwas auf diese Schwellung, “platzen die Zellen wie reife Kirschen nach einem Regen”, sagt Wolfgang Zenker, Chefarzt der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie am Vivantes Klinikum im Friedrichshain. Das geschwollene Gewebe wird dadurch weiter geschädigt, was den Heilungsprozess verlängert.

 

Ursachen

Die häufigsten Ursachen sind Verdrehungen der Gelenke oder direkte Gewalteinwirkungen, etwa durch einen Sturz, oder direkte Traumatisierungen, wie sie beispielsweise bei bestimmten, heftiger ausgetragenen Mannschaftssportarten geschehen können. Je nach Alter und körperlicher Gesundheit widerstehen die Knochen unterschiedlich stark äußerer Gewalt. Bei Kindern sind die Knochen noch recht elastisch. Unfälle führen bei ihnen zu einem so genannten Grünholzbruch – hierbei verbiegt sich Knochenhaut und nur das Innere bricht. Bei älteren Menschen hingegen entkalkt der Knochen, wird spröde und splittert leichter. Ärzte bezeichnen diesen natürlichen Entkalkungsprozess als Osteoporose .

 

Zahlen

Allein in Berlin wurden im Jahr 2010 über 39.000 Knochenbrüche in den Kliniken der Hauptstadt versorgt.

 

Behandlung

 

Diagnose

Bei Verdacht auf eine Fraktur röntgen Mediziner den betroffenen Körperteil. Denn Knochen sind auf Röntgenbildern gut erkennbar. Auch der Computertomograph kommt häufig zum Einsatz, seltener hingegen der Magnetresonanztomograph.

 

Therapie

Einfache Brüche müssen nicht operiert werden. Denn die Selbstheilungskräfte des Knochens sind stark und für die Heilung reicht es, die betroffenen Extremitäten ruhigzustellen, etwa mit einem Gipsverband oder einer Schiene. Das gilt vor allem für Brüche, bei denen der Knochen nicht gesplittert oder verschoben ist. Statt des klassischen Gipses nutzen Mediziner dafür auch Kunststoffverbände. Diese wiegen weniger und schonen dadurch den Patienten. Offene Frakturen hingegen, bei denen auch das Muskel- und Bindegewebe verletzt wurde, oder in viele Teile zertrümmerte Knochen müssen operiert werden. Auch instabile Brüche, bei denen die Knochen erneut zu verrutschen drohen, sollten operativ fixiert werden. Chirurgen verbinden dazu die geborstenen Stücke mit Platten, Schrauben, Marknägeln oder Drähten. Operationspflichtige Frakturen, bei denen die Haut nicht beschädigt wurde, können oft auch minimalinvasiv, also über nur wenige kleine Öffnungen in der Haut behandelt werden. Der Vorteil bei diesem Verfahren sind kleinere Narben. Aber auch bei einfachen Brüchen entscheiden sich Ärzte und Patienten öfter zu einer Operation, da die durch Metall fixierten Knochen stärker belastet werden können – und vor allem früher. Eine längere Gipsbehandlung mit häufigen Röntgenkontrollen und entsprechender Strahlenbelastung kann so vermieden werden. Auch das Thromboserisiko ist bei einem chirurgischen Eingriff gegenüber einem mit Gips oder Schiene ruhig gestellten Bruch geringer, weil die Gelenke bewegt werden können. Bei jeder Kontraktion pumpen die Muskeln Blut durch die Venen – dadurch sinkt das Risiko eines Blutgerinnsels. Ist man irgendwann zu alt für solche Operationen? Eigentlich nicht, sagt Zenker. “Erst vor kurzem haben wir eine 103-Jährige operiert.”

 

Heilungsprozess

Ebenso wie die Haut ist das menschliche Skelett sehr gut in der Lage, sich selbst zu heilen. Einmal von dem Unfallmediziner oder Chirurgen in die natürliche Position zurückgebracht, “beginnt sich um die Bruchstelle wie eine Rohrschelle ein so genannter Kallus zu bilden”, sagt Chefarzt Zenker. Dieses zunächst knorpelartige und mit der Zeit verknöchernde Gewebe stabilisiert den Knochen solange von außen, bis er sich im Inneren vollständig “remodelliert” hat. Das dauere seine Zeit, bis zu anderthalb Jahre. Einen nicht operationspflichtigen Bruch stellt man in der Regel 6 bis 8 Wochen im Gips ruhig. Nachdem der Bruch ausgeheilt ist, bildet sich auch die Verdickung des Kallus zurück. “Der Knochen ökonomisiert sich”, sagt Zenker im Fachjargon. Oder auf Deutsch: Der Körper setzt immer nur soviel Substanz ein, wie für den Zweck des jeweiligen Organes notwendig ist.



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