Hornhauttransplantation

Wenn die Hornhaut so getrübt ist, dass auch Kontaktlinsen das Sehvermögen nicht mehr deutlich verbessern, können Transplantate helfen. In Berlin gibt es dank der Hornhautbank genügend Spenderhornhäute zur Versorgung aller Patienten.

Krankheitsbild

 

Erklärung

Die Hornhaut ist die äußerste Schicht des Auges. Das durchsichtige, gewölbte Scheibchen ermöglicht eine klare Sicht. Hinter der Hornhaut befindet sich das Kammerwasser, dahinter die Pupille und die Linse.

 

Symptome

Wenn die Hornhaut stark verkrümmt oder durch Narben getrübt ist, verschlechtert sich das Sehvermögen deutlich. Brillen und Kontaktlinsen helfen dann oft nicht mehr weiter.

 

Ursachen

Hornhautverkrümmungen oder Narben auf der Hornhaut können verschiedene Ursachen haben. Eine Verkrümmung ist oft genetisch bedingt, Kontaktlinsen helfen dann anfangs noch gegen das schlechte Sehvermögen. Doch wenn die Verkrümmung im Laufe des Lebens zunimmt, wird eine Transplantation nötig.

Narben auf der Hornhaut entstehen zum Beispiel durch eine Infektion mit Viren, Bakterien oder Pilzen. Eine Narbe bedeutet immer eine Trübung der Hornhaut, die das Sehen meist deutlich verschlechtert. Als Selbstheilungsreaktion des Körpers wachsen Blutgefäße bis in die Mitte der Hornhaut und trüben diese zusätzlich ein. Außerdem können diese Gefäße bei einer späteren Hornhaut-Transplantation zu Abstoßungsreaktionen führen. Auch als Komplikation nach chirurgischen Eingriffen am Auge – wie einer Operation des Grauen Stars – kann sich die Hornhaut trüben, wenn bereits vor dem Eingriff Zellen geschädigt waren.

 

Zahlen

Jedes Jahr werden deutschlandweit circa 5000 Hornhäute transplantiert. Allein an der Augenklinik der Charité Berlin waren es im Jahr 2010 insgesamt rund 250 Hornhauttransplantationen.

 

Behandlung

 

Diagnose

Die trübe Hornhaut eines Patienten muss ersetzt werden, wenn sie kein zufrieden stellendes Sehvermögen mehr zulässt. Dann beginnt die Suche nach einem Spender. In die Empfänger hornhaut sollten keine Blutgefäße eingewachsen sein, da sich in diesem Fall das Abstoßungsrisiko deutlich erhöht. Befinden sich keine Blutgefäße in der Empfängerhornhaut, ist das eine “sehr günstige Ausgangssituation”, sagt Peter Rieck, ehemaliger stellvertretender Direktor der Augenklinik der Charité. Die Abstoßungsrate liegt dann nur noch bei etwa zehn Prozent. So kann jede Hornhaut, egal welche Blutgruppe der Spender hatte, an jedes Auge transplantiert werden. Im Gegensatz zu anderen Organtransplantationen muss der Empfänger einer Spenderhornhaut in der Regel nicht ein Leben lang Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems gegen das fremde Gewebe einnehmen. Sind jedoch in der Spenderhornhaut Blutgefäßen eingewachsen, dann werden etwa die Hälfte der Transplantate vom Körper abgestoßen. Dann muss der Patient starke Medikamente nehmen, um das eigene Immunsystem an dieser Abwehrreaktion zu hindern. Vor der Transplantation muss außerdem geklärt werden, wie viele Schichten der Hornhaut bereits getrübt sind, damit das entsprechende Operationsverfahren ausgewählt werden kann.

 

Therapie

Es gibt mehrere Operationsverfahren zur Verpflanzung von menschlichen Hornhäuten. Wissenschaftler forschen derzeit auch nach Möglichkeiten, Hornhäute aus Kunststoff herzustellen. Doch vorerst werden die Häute noch von Verstorbenen mit einem Organspendeausweis oder der Einwilligung der Angehörigen entnommen. Die Operation selbst verläuft relativ simpel: Das zentrale Stück der Hornhaut mit einem Durchmesser von sieben bis acht Millimetern wird ausgeschnitten und ein gesundes Stück derselben Größe eingesetzt. Mit Fäden, die dünner sind als ein menschliches Haar, wird die Hornhaut vernäht. Der Patient bekommt dabei eine örtliche Betäubung, die das Auge ruhig und schmerzfrei halten soll. Die Fäden bleiben circa ein Jahr im Auge, man spürt sie zwar nicht, das Sehvermögen verbessert sich aber häufig erst, nachdem die Fäden gezogen sind.

Ein aufwendigeres Operationsverfahren wurde erst vor einigen Jahren entwickelt: Es wird nur die innere Schicht transplantiert,wenn nur diese erkrankt ist. Das dünne innere Häutchen wird mit Luft an die bestehende Hornhaut gedrückt und so fixiert. Die Luft verschwindet nach wenigen Tagen aus dem Auge. Dann verbessert sich das Sehvermögen wieder – und damit wesentlich schneller, als bei dem älteren Verfahren. Ein Hornhauttransplantat hat eine durchschnittliche Haltbarkeit von zehn bis 20 Jahren, eine Wiederholung der Operation ist aber möglich.

 

Hornhautbank

Von verstorbenen Organspendern entnommene Hornhäute werden in Hornhautbanken gelagert. Das ist allerdings nicht die einzige Funktion der Banken. Sie kümmern sich auch darum, neue Spender zu gewinnen, denn über den Organspendeausweis kommen “verschwindend wenig Hornhäute”, sagt der Spezialist Peter Rieck. In Berlin kooperiert die Hornhautbank eng mit den Abteilungen der Charité und kann so leichter Kontakt zu den Angehörigen von im Krankenhaus Verstorbenen aufnehmen, um sie um die Organspende zu bitten. Aber auch aus anderen Kliniken Berlins bezieht die Bank ihre Spenden. Dabei fallen aus Gründen des Infektionsschutzes die Patienten mit ansteckenden Krankheiten wie Aids oder Hepatitis weg. Peter Rieck sagt: “Wir treten in einer Phase der Trauer an die Angehörigen heran, das ist nicht so einfach. Aber erstaunlicherweise liegt die Zustimmungsrate zu einer Entnahme der Hornhaut beim Verstorbenen bei ungefähr 50 Prozent.” Das ist wesentlich höher, als die Bereitschaft zur Spende anderer Organe, wie Leber oder Herzen. Die Hornhautbank hat ein spezielles Entnahme-Team, das zum verstorbenen Spender in die Pathologie kommt und dort unter sterilen Bedingungen das kleine Scheibchen aus dem Auge schneidet. Danach wird mit einer Kunststoffschale das Auge des Verstorbenen ästhetisch einwandfrei wieder hergestellt. Etwa 72 bis 96 Stunden nach dem Tod kann die Hornhaut noch entnommen werden.

Danach untersucht die Bank das Material. Die Häutchen müssen transparent sein, die richtige Form haben und es müssen sich ausreichend Zellen auf der Innenseite befinden. Die Hälfte der Hornhäute erweisen sich nach Untersuchungen als nicht geeignet, sagt Rieck. Manche werden dann gar nicht erst entnommen, andere kommen in Notfällen zum Einsatz. Die Häute werden in einer Nährlösung im Brutschrank aufbewahrt, dort halten sie sich bis zu vier Wochen lang. Man kann sie in diesem Zustand sogar mit einem Kurierdienst ins Ausland verschicken, sollte irgendwo Hornhaut-Mangel bestehen. In Berlin hat sich die Versorgung mit Transplantaten dank der Hornhautbank verbessert, im restlichen Bundesgebiet liegt die Zahl der Transplantate aber immer noch deutlich unter dem Bedarf, sagt Rieck. In Berlin muss man derzeit drei bis sechs Monate auf eine Verpflanzung warten.



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