Hodenkrebs

Die Neuerkrankungsrate bei Hodenkrebs steigt europaweit an. Betroffen sind vor allem junge Männer zwischen 20 und 40 Jahren. Nach der Diagnose ist eine Operation meist unumgänglich. Das bedeutet jedoch nicht das Ende der Erektions- und Zeugungsfähigkeit.

Krankheitsbild

 

Erklärung

Hoden sind die männlichen Keimdrüsen, in denen die Samenzellen gebildet werden. Am aktivsten sind die Erbgutträger am Anfang des dritten Lebensjahrzehntes. Voll ausgereift produzieren die Hoden pro Sekunde etwa 2500 Spermien. Nach dem 33. Lebensjahr nimmt die Spermienproduktion wieder ab. Außerdem erzeugen die Hoden das Testosteron. Dieses Hormon steuert wiederum die Spermienproduktion, den spezifisch männlichen Stoffwechsel in der Pubertät – also Bartwuchs, Muskelverteilung und Stimmlage – und das geschlechtsspezifische Sozialverhalten.

 

Symptome

Zunächst spüren die Männer selbst, dass etwas an ihren Hoden nicht stimmt, wenn sie diese abtasten: Normalerweise sind Hoden an ihrer Oberfläche glatt, geben bei leichtem Druck schnell nach und rutschen aus den Fingern. Ertastet man an ihnen jedoch harte Knoten oder stellt eine unübliche Schwellung am Weichteil fest, die auch nach Tagen nicht abklingt, sollten die Betroffenen einen Urologen aufsuchen. Zudem kann sich der Hodensack ungewohnt schwer anfühlen. Selten mischt sich ein ziehender Schmerz darunter. Wichtig: Ärzte empfehlen allen Männern zwischen dem 15. und 40. Lebensjahr mindestens einmal jährlich ihre Hoden abzutasten.

 

Ursachen

Warum ein Krebsgeschwür im Menschen heranwächst, ist noch nicht vollständig geklärt. Mediziner haben jedoch Risikofaktoren entdeckt, die im Zusammenhang mit Tumorerkrankungen stehen. So auch beim Hodenkrebs, dessen Tumore entweder direkt im Keimzellengewebe oder außerhalb im Hodensack wachsen. Zunächst einmal kann die Erkrankung genetisch veranlagt sein. Daher haben Männer, deren Väter oder Brüder an Hodenkrebs litten, ein zum Teil stark erhöhtes Risiko, selbst auch an Hodenkrebs zu erkranken. Auch ein Hodenhochstand im Kindesalter können einen späteren Hodenkrebs begünstigen. Dabei sind die Hoden nicht wie bei gesunden Kindern, im Laufe der Embryonalentwicklung aus der Bauchhöhle in den Hodensack gewandert. Experten vermuten, dass ein Zusammenhang zwischen der Temperatur der Hoden und der Tumorbildung besteht. Denn mit zunehmender Temperatur stellen die Keimdrüsen ihre Produktion ein. Das wäre bei Hodenhochständen der Fall. Ein erhöhtes Risiko, an Hodenkrebs zu erkranken, besteht zudem, wenn die Mutter während der Schwangerschaft an starken Hormonschwankungen litt. Denn in der frühen Entwicklungsphase des Ungeborenen kann dies dazu führen, dass Keimzellen falsch programmiert werden und zu Tumorzellen entarten.

 

Zahlen

Im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen – etwa Dickdarmkrebs (über 37.000 Neuerkrankungen) oder Lungenkrebs (knapp 33.000 Neuerkrankungen) – sind Hodentumore relativ selten: Bundesweit erkranken jährlich etwa 4800 Männer an solch einem bösartigen Karzinom. Betroffen sind meist junge Männer zwischen 20 und 40 Jahren. Mit einem Gesamtanteil von einem Drittel ist es die häufigste Krebserkrankung bei Männern in dieser Altersgruppe. Nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft tritt bei 95 Prozent der Patienten ein Tumor nur bei einem Hoden auf.

Die Neuerkrankungsrate steigt europaweit an – vor allem aber in Skandinavien. Warum dies so ist, wissen die noch Experten nicht, ebenso wenig warum Hodenkrebs in Europa häufiger auftritt als in Afrika. Ernährungsgewohnheiten und genetische Faktoren konnten bislang nicht bestätigt werden.

 

Behandlung

 

Diagnose

Bei einem Verdacht auf Hodenkrebs befragen Urologen die Patienten zunächst nach ihrer Krankengeschichte. Anschließend tasten sie beide Hoden ab. Erhärtet sich der Anfangsverdacht, folgen weitere Untersuchungen wie Ultraschall, Magnetresonanztomografie (MRT) und Blutuntersuchungen.

Um einen Befund abzusichern, müssen Ärzte in einem operativen Eingriff Hodengewebe entnehmen. Dabei handelt es sich um einen so genannten Schnellschnitt, schnell deshalb, weil ein Pathologen das entnommene Gewebe sofort unter dem Mikroskop untersucht, noch während die Operation am Hoden läuft.

 

Therapie

Allgemein gilt: Je früher ein Hodenkrebs erkannt wird, desto besser können die Ärzte ihn therapieren. Die Heilungschancen stehen gut: Insgesamt können über 90 Prozent aller Erkrankungen geheilt werden.

Wurde bei einem Patienten Hodenkrebs diagnostiziert, muss der erkrankte Hoden meist operativ entfernt werden. Mediziner nennen diesen Eingriff auch Ablatio testis oder Orchietektomie. Dazu machen die Operateure einen Schnitt in der Leistengegend und entnehmen über diesen Weg dann den Hoden.

Besitzt ein Betroffener jedoch nur noch einen Hoden, führen Mediziner unter Umständen hodenerhaltende Eingriffe durch. Dann entfernen Ärzte nur das vom Tumor betroffene Areal und versuchen, den Rest der Keimdrüse zu erhalten. Allerdings müssen die Hoden dann zur Sicherheit bestrahlt werden. Dies kann die Zeugungsfähigkeit unwiederbringlich zerstören.

Viele Betroffene fürchten psychische Probleme, dass sie durch die Komplettentfernung quasi am Zentrum ihrer Männlichkeit beschnitten werden. Doch die Experten erwarten dadurch keine langfristigen emotionalen Belastungen. “Junge Männer können damit umgehen”, sagt Kurt Miller, Chefarzt der Urologie an der Berliner Charité. Denn der verbleibende Hoden produziere in der Regel eine ausreichende Menge an Testosteron. Dadurch sei ein normales Sexualleben möglich. In dem seltenen Fall, dass die Ärzte beide Hoden entfernen müssen, erhalten die Betroffenen Hormonpräparate. Diese erhalten den Hormonspiegel künstlich aufrecht. Für den oder die verlorenen Hoden gibt es zudem einen künstlichen Ersatz, der meist aus Silikon besteht. Allerdings können diese kleinen ostereirunden Kissen nicht immer direkt nach der Entfernung des Hoden eingesetzt werden, sodass dafür eine zweite OP notwendig wird.

Wichtig: Selbst wenn Betroffene bis kurz vor dem Eingriff noch nicht über Kinder nachgedacht haben, sollten sie eine mögliche Familienplanung nicht ausschließen. Denn wie bereits erwähnt, kann der Eingriff auch zur Unfruchtbarkeit führen. Dann empfehlen Mediziner, Spermien einzufrieren und auf einer Samenbank einzulagern. Dann werden die Keimzellen etwa zehn Jahre lang bei Minus 80 Grad aufbewahrt.



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