Hodenhochstand

Wenn die Hoden nicht in den Hodensack herabwandern, sondern in der Bauchregion oder in der Leistengegend bleiben, sprechen Ärzte von einem Hodenhochstand. Jungen, die von dieser angeborenen Fehlbildung betroffen sind, können ohne Behandlung zeugungsunfähig werden. Auch das Risiko, an Hodenkrebs zu erkranken, ist bei ihnen erhöht.

Krankheitsbild

 

Erklärung

Hoden sind die männlichen Keimdrüsen, in denen die Samenzellen gebildet werden. Diese entwickeln sich während der Schwangerschaft in der Bauchhöhle eines männlichen Embryos und wandern ab dem siebten Schwangerschaftsmonat hinunter in den Hodensack. Tun sie dies nicht, sondern bleiben in der Bauchregion oder in der Leistengegend, sprechen Ärzte von einem Hodenhochstand. Eine ärztliche Behandlung dieser angeborenen Lageabweichung der Hoden ist notwendig, um zu verhindern, dass die betroffenen Jungen später zeugungsunfähig sind. “Die Temperatur im Körper ist etwas höher als die im Hodensack”, sagt Joachim Wit, Kinderchirurg am Achenbach Krankenhaus in Königs Wusterhausen mit jahrzehntelanger Erfahrung in der operativen Behandlung von Hodenhochständen. “Diese permanente Erwärmung schädigt die samenbildenden Zellen des Hodens nachhaltig.”

 

Symptome

Bei den betroffenen Jungen ist der Hodensack leer, da die Keimdrüsen sich noch im Körper befinden. Dies hat keine unmittelbaren Auswirkungen wie beispielsweise Schmerzen. Aber natürlich kann die Zeugungsunfähigkeit das Leben dieser Jungen langfristig beeinträchtigen. Zudem haben Jungen mit einem Hochhochstand ein höheres Risiko, später einen Leistenbruch zu erleiden oder an Hodenkrebs zu erkranken. Experten vermuten, dass auch hierbei die höhere Körpertemperatur eine Rolle spielt.

 

Ursachen

Wieso die Hoden in manchen Fällen nicht den normalen Weg in den Hodensack finden, sei noch nicht abschließend geklärt, sagt der Kinderchirurg Wit. Wahrscheinlich sind jedoch Störungen im Hormonhaushalt des betroffenen Kindes die Ursache. So bewirkt beispielsweise das Hormon HCG (humanes Choriongonadotropin), dass sich der Hoden im Bauchraum senkt und in Richtung Hodensack verlagert. Liegt während der Schwangerschaft ein Mangel an diesem Hormon vor, kann sich daraus ein Hodenhochstand entwickeln.

 

Zahlen

Ein Hodenhochstand tritt bei einem bis zwei Prozent aller reifen männlichen Neugeborenen auf. Bei Frühgeborenen sind zunächst sogar bis zu 30 Prozent betroffen. Damit ist der Hodenhochstand die häufigste angeborene Fehlbildung des Harn- und Geschlechtsapparates bei männlichen Säuglingen. Und nur bei sieben von 100 Fällen nimmt der Hoden in den ersten sechs Monaten nach der Geburt noch seine normale Lage ein. Ein spontanes Herabwandern nach dem ersten Lebensjahr ist sehr unwahrscheinlich. Der Großteil der Jungen, die unter einem Hodenhochstand leiden, wird deshalb auch ärztlich behandelt.

 

Behandlung

 

Diagnose

Meist diagnostiziert ein Kinderarzt den Hodenhochstand während der Vorsorgeuntersuchungen für Säuglinge. Durch Ertasten stellt er fest, ob sich die Hoden im Hodensack befinden. Ist der Sack leer, versucht der Kinderarzt durch weiteres Tasten herauszufinden, wo sich die Hoden befinden. Gelingt dies nicht, kann die Position der Hoden auch mithilfe bildgebender Verfahren wie Ultraschall und Magnetresonanztomografie (MRT) oder auch mithilfe einer Bauchspiegelung bestimmt werden.

 

Therapie

Wenn ein Hodenhochstand kurz nach der Geburt diagnostiziert wird, warten die Ärzte meist noch ein halbes Jahr ab, ob sich die Hoden von alleine absenken. Geschieht dies nicht, versuchen sie die Keimdrüsen durch die Gabe von Hormonen wie HCG zum Herabwandern zu bewegen. Wenn auch das nicht hilft, ist eine Operation notwendig. “Der Eingriff sollte so früh wie möglich stattfinden, um irreparable Schäden an den samenbildenden Zellen zu verhindern”, sagt Kinderchirurg Wit. Es käme jedoch noch immer häufig vor, dass die betroffenen Kinder zu spät einem Kinderchirurgen vorgestellt würden. Am besten sei es, wenn die Ärzte einen Hodenhochstand nach einer erfolglosen Hormonkur in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahrs operierten. “Spätestens im zweiten Lebensjahr sollte die Behandlung abgeschlossen sein.”

Bei der Operation setzen die Ärzte einen kleinen Schnitt in einer Hautfalte in der Leistengegend. Durch diesen öffnen sie den Leistenkanal und suchen die Hoden. Haben sie sie gefunden, lösen sie den Samenkanal mit den Hoden aus dem Leistenkanal heraus. Anschließend bilden sie mit dem Finger einen Kanal zu dem Hodensack, durch den sie Samenstrang und Hoden verlegen. “Der Eingriff dauert rund eine Stunde”, sagt Wit. Daher könne er bei Kindern ab einem Jahr auch ambulant durchgeführt werden. Kinder, die jünger als ein Jahr sind, müssten jedoch zwei bis drei Tage zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben.

Die Risiken des Eingriffs sind gering, die Erfolgsaussichten dagegen hoch: “Der allergrößte Teil der Jungen, deren Hodenhochstand früh behandelt wird, sind später zeugungsfähig”, sagt Wit. Das erhöhte Hodenkrebsrisiko bleibt jedoch auch nach der operativen Korrektur bestehen. Daher sollten die Betroffenen ihre Hoden ab dem Jugendalter regelmäßig untersuchen und jede Veränderung mit ihrem Arzt abklären.



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