Herzklappenfehler (Herzklappenoperation)

Verengte oder undichte Herzklappen stellen eine akute Gefahr für den menschlichen Körper da. Doch die chirurgische Rekonstruktion oder das Einsetzen neuer Klappen kann helfen

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Krankheitsbild

 

Erklärung:

Das menschliche Herz hat vier Klappen. Sie befinden sich am Ausgang des linken und rechten Vorhofs sowie der linken und rechten Herzkammer. Die Klappen sorgen wie ein Ventil dafür, dass das Blut beim Pumpen des Herzmuskels nur in eine Richtung fließt. Sind die Herzklappen verengt oder undicht, droht akute Gefahr. Im ersten Fall kann nicht genug Blut durch die Klappen strömen. Im zweiten Fall ist die Ventilfunktion gestört und zuviel Blut strömt zurück in die Herzkammer, obwohl die Klappen geschlossen sind.

 

Symptome:

Bei Herzklappenfehlern können Atemnot, Engegefühle, Schwindel und Herzrhythmusstörungen bis hin zu lebensgefährlichen Wasseransammlungen in der Lunge auftreten. Dann droht Herzversagen.

 

Ursachen:

Probleme mit den Herzklappen werden etwa durch Kalkablagerungen an den Klappen, durch Entzündungen der Klappe oder des Herzmuskels, aber auch in Folge von Herzinfarkten hervorgerufen. Gelegentlich sind Herzklappenfehler angeboren.

 

Zahlen:

Jährlich werden etwa 12.000 reine Herzklappenoperationen in Deutschland durchgeführt, davon rund 530 mithilfe eines Katheters.

 

Behandlung

 

Diagnostik:

Mediziner können schon anhand der Herztöne einen möglichen Herzklappenfehler ausmachen. Um seine Diagnose abzusichern, macht ein Arzt ein Belastungs-Elektrokardiogramm (EKG) . Dann zeichnet sich ab, ob das Herz angemessen auf Beanspruchung reagiert. Außerdem kann der Pumpmuskel mithilfe von Ultraschall und Herzkatheter untersucht werden. Leichte Herzklappenfehler müssen zwar beobachtet, aber zunächst nicht behandelt werden.

 

Therapie:

Ein schwerer Herzklappenfehler muss operiert werden. Die Operation der Herzklappe findet üblicherweise bei geöffnetem Brustkorb und stillgelegtem Herzen statt, während eine Herz-Lungen-Maschine den Kreislauf künstlich aufrechterhält. “Mit der Herz-Lungen-Maschine könnte man das Organ bis zu drei Stunden problemlos abschalten”, sagt Wolfgang Konertz, Direktor der Klinik für Herzchirurgie der Charité in Mitte.

Ein solcher Eingriff ist in den meisten spezialisierten Kliniken Routine. Alternativ können seit 2007 Herzklappen ohne offene Operation in das schlagende Herz implantiert werden. Ein Anschluss an die Herz-Lungen-Maschine entfällt. Die defekte Herzklappe muss nicht entfernt werden, sondern wird lediglich zur Seite geschoben. Anstelle der alten Klappe wird nun das künstliche Pendant eingesetzt. Diese Technik wird meist bei besonders gefährdeten Patienten angewendet, bei denen eine offene Operation zu riskant wäre.

Möglich sind eine Rekonstruktion der körpereigenen Klappe oder die Implantation einer neuen Klappe. Dieser Ersatz war bisher entweder künstlich oder tierischen Ursprungs. Inzwischen können tierische Klappen – etwa vom Schwein – gereinigt und mit körpereigenen Zellen des Empfängers besiedelt werden. Dadurch lässt sich die Komplikationsrate verringern – Abstoßungsreaktionen des Körpers nach dem Einsatz der neuen Herzklappe sind seltener. Der für die minimalinvasive Operation nötige Klappentyp ist sehr flexibel, ebenso wie die dazugehörige Halterung. Beides wird mit Hilfe eines Katheters, eines dünne flexiblen Kunststoffdrahtes, durch die Adern bis zum Herzen herangeführt und dort entfaltet.

Operationen am Herzen können schwere Durchblutungsstörungen des Gehirns auslösen, die bis zum Schlaganfall reichen. Die Ursache dafür sind Blutgerinnsel, die als mögliche Folge des Eingriffs vom Herzen in das Gehirn eingeschwemmt werden, und dort Blutgefäße verstopfen. Dadurch wird das dahinter liegende Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Es stirbt ab oder wird zumindest geschädigt. Die Ausfallerscheinungen sind entweder lokal begrenzt oder betreffen mehrere Hirnregionen. Letzteres führt zum Beispiel zu Beeinträchtigungen des Gedächtnisses oder der intellektuellen Fähigkeiten. Die lokal begrenzten Schädigungen dagegen sind wesentlich massiver, führen unter Umständen zu Koma und können lebensbedrohlich sein.

 

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