Gebärmutterentfernung (Bei gutartigen und bösartigen Tumoren)

Meist muss die Gebärmutter bei einer Krebserkrankung entfernt werden. Der Eingriff stellt, aufgrund der zentrallen Rolle für die Weiblichkeit des Geschlechtsorgans, oftmals eine enorme emotionale Belastung dar

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Krankheitsbild


Erklärung:

Die Gebärmutter ist das zentrale weibliche Geschlechtsorgan. In ihr reift eine befruchtete Eizelle zu einem kompletten Menschen heran. Meist muss bei einer fortgeschrittenen Krebserkrankung der weiblichen Geschlechtsorgane im Unterleib die Gebärmutter entfernt werden. Aber auch bei gutartigen Tumoren, so genannte Myome, und anderen Beschwerden wie Endometriose kann eine Gebärmutterentfernung die einzige Heilungschance sein. Ist eine geburts- oder altersbedingte Absenkung der Gebärmutter durch eine alternative Behandlung nicht aufzuhalten, muss sie operativ entfernt werden. Eine Entfernung der Gebärmutter führt zur Unfruchtbarkeit, die Regelblutung bleibt aus. Werden zusätzlich die Eierstöcke entfernt, können die Wechseljahre frühzeitig einsetzen.


Symptome:

Im Frühstadium verursacht Gebärmutterkrebs keine Beschwerden. Im fortgeschrittenen Zustand macht sich der Tumor möglicherweise durch plötzliche, aber schwache Blutungen aus der Scheide bemerkbar. Vor der Menopause ähneln sie den Zwischenblutungen. Besonders nach der Menopause sollten diese Blutungen aber ernst genommen werden. Manchmal treten außerdem eitrige Schmierblutungen und wehenartige Schmerzen im Bauchraum auf. Der Nachweis eines Eierstockkrebs ist schwer, denn es sind anfänglich keine oder nur sehr untypische Symptome vorhanden: Verdauungsstörungen, Kreuzschmerzen, Zunahme des Bauchumfanges, Übelkeit und Völlegefühl. Ist auch das Bauchfell von Eierstockkrebsmetastasen befallen, produziert der Körper in vielen Fällen übermäßig viel Bauchwasser. Myome können allgemeine Unterleibsschmerzen verursachen. Es können Regelzyklusstörungen, schmerzhafte Regelblutungen und irreguläre Blutungen auftreten. Die auffälligsten Beschwerden bei Endometriose sind krampfartige Schmerzen bei Regelblutungen, beim Geschlechtsverkehr, permanente Schmerzen im Unterbauch, Blutungsstörungen, Unfruchtbarkeit und Schmerzen beim Wasserlassen oder Stuhlgang.


Ursachen:

Krebs entsteht aus entarteten Körperzellen. Die genaue Ursache des Gebärmutter- und Eierstockkrebses sind noch nicht geklärt. Eine wesentliche Rolle bei der Entstehung des Karzinoms – wie Krebsgeschwüre von Ärzten auch genannt werden - spielt das Geschlechtshormon Östrogen. Die Behandlung der Wechseljahresbeschwerden mit Hormonen kann die Herausbildung des Gebärmutterkrebses begünstigen. Auch eine ärztliche Anti-Hormon-Behandlung wegen eines Brustkrebsleidens kann Gebärmutterkrebs hervorrufen. Eierstockkrebs ist zum Teil genetisch bedingt. Ein erhöhtes Risiko besteht für Frauen, deren Mütter oder Großmütter an Eierstockkrebs erkrankten.
Auch wie Myome entstehen, ist noch weitgehend ungeklärt. Weil sie unter dem Einfluss von Östrogenen wachsen, entstehen sie meist bei Frauen im gebärfähigen Alter. Das heißt, dass bei jungen Mädchen, die noch keine Regelblutung hatten, eher keine Myome entstehen. Die genaue Ursache für Endometriose ist ebenfalls unklar. Möglicherweise führen Fehlfunktionen im Bereich des Immunsystems zusammen mit der Hormonbildung zur Erkrankung. Über das Blut oder die Eileiter, vermuten Ärzte, können sich Schleimhautzellen während der Regelblutung verschleppen.

 

Zahlen:

Gebärmutterentfernungen vor den Wechseljahren sind eher selten. Krebs der weiblichen Geschlechtsorgane wird in drei große Gruppen unterteilt: Die größte unter ihnen ist ein Karzinom in der Gebärmutter, an dem jährlich rund 11.700 Frauen in Deutschland erkranken. Die zweigrößte ist Eierstockkrebs, der pro Jahr bei rund 9600 Frauen diagnostiziert wird. Das mittlere Erkrankungsalter liegt zwischen 60 und 70 Jahren. Nach den Wechseljahren nimmt der Anteil an bösartigen Tumoren bei Neubildungen an den Eierstöcken zu. Und schließlich Gebärmutterhalskrebs: Etwa 6200 Frauen erhalten Jahr für Jahr die Diagnose Gebärmutterhalskrebs. Das mittlere Erkrankungsalter beträgt etwa 52 Jahre.
Rund ein Drittel aller Frauen über 30 Jahre haben Myome in Deutschland. Endometriose ist bei rund zehn Prozent aller Frauen feststellbar und eine der häufigsten Ursachen für Unfruchtbarkeit. Mehr als zwei Millionen Frauen hierzulande erleben ihre monatlichen Regelblutungen als Qual. Deutschlandweit erkranken jährlich rund 40.000 Frauen an Endometriose.


Behandlung


Diagnostik:

Gynäkologen diagnostizieren Endometriose, Myome, Gebärmutter- und Eierstockkrebs und mithilfe von Ultraschall, Bauchspiegelung, Kernspinn- und Computertomografien. Aber nur über eine operative Entnahme einer Gewebeprobe können Ärzte eine sichere Diagnose erstellen.


Therapie:

"Die operative Entfernung der Gebärmutter muss an letzter Stelle stehen – wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind", sagt Dieter Johannsmeyer, Gynäkologie-Chefarzt der Park-Klinik in Weißensee. So sollten Frauen deren Gebärmutter sich abgesenkt hat zunächst Beckenbodengymnastik machen, um die Muskeln zu stärken. Können die betroffenen Frauen eine Absenkung ihrer Gebärmutter damit nicht aufhalten, können Chirurgen die Gebärmutter mithilfe von Stützringen in der Scheide oder Kunststoffbändern an der Wirbelsäule befestigen. Allerdings kann sie nicht immer gerettet werden.
Derzeit gibt es drei Verfahren, wie die Gebärmutter entfernt werden kann. Ein so genannter minimalinvasiver Eingriff – also eine Operation mit nur millimetergroßen Instrumenten – erfolgt über kleine Schnitte am Bauch. Die Gebärmutter kann aber auch über die Vagina entfernt werden. Die Entscheidung darüber wie die Gebärmutter entfernt wird, hängt maßgeblich von der Erkrankung ab. Bei fortgeschrittenem Gebärmutterkrebs entscheiden sich die Ärzte meist für einen Bauschnitt. Je nach Ausbreitung des Krebsgeschwürs im Unterleib müssen umliegendes Gewebe, Eierstöcke und Lymphknoten im Becken mit entfernt werden. 

Bei Gebärmutterentfernungen wegen eines Myome wählen die Ärzte bei fast 70 Prozent der Patientinnen den Weg über die Vagina, weil die Wunde dann schneller verheilt. Dabei zieht der Operateur die Gebärmutter, die zwölf Zentimeter über dem Scheideneingang sitzt, Stück für Stück aus dem Körper heraus, trennt dabei nach und nach das umgebende Haltegewebe schonend ab. Die Schnittwunden werden sofort mit einer Zange, die durch starke Stromstöße erhitzt wird, "verkocht" und so verschlossen. Es fließt dabei praktisch kein Blut. Nach 15 bis 60 Minuten ist so ein Eingriff überstanden. Eine minimalinvasive Operation mit langstieligen Instrumenten, die durch kleine Schnitte am Bauch eingeführt werden, dauert dagegen bis zu drei Stunden. Jede zehnte Frau, deren Gebärmutter entfernt werden muss, wird so operiert. Die Methode gilt als schonender.
Während des chirurgischen Eingriffs können Komplikationen auftreten, vor allem wenn andere Organe – Blase, Harnleiter oder Darm – verletzt werden. Wichtig: Der Verlust der Gebärmutter ist eine enorme psychische Belastung. Denn dieses Geschlechtsorgan spielt – ebenso wie die Brust – eine zentrale Rolle für die Weiblichkeit. Unter anderen können Gespräche mit dem eigenen Gynäkologen und mit einem Psychologen den betroffenen Frauen helfen.


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