Frühgeburt (Geburtshilfe)

Nicht jede Schwangerschaft dauert 9 Monate, jedes zwölfte Kind kommt zu früh auf die Welt und braucht dann erstmal besondere Pflege. Darauf sind manche Kliniken besser vorbereitet als andere

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Krankheitsbild


Erklärung:

Eine normale Schwangerschaft dauert neun Monate. Innerhalb von 280 Tagen entwickelt sich im Mutterleib aus einer befruchteten Eizelle ein kompletter Mensch. Ein durchschnittliches Neugeborenes misst bei der Geburt zwischen 48 und 54 Zentimeter und wiegt 2800 bis 4000 Gramm. Kommen Neugeborene vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt, gelten sie als Frühgeborene. So genannte Risiko-Frühchen sind Säuglinge, die mit einem Gewicht von weniger als 1500 Gramm geboren werden.

 

Ursachen:

Für Frühgeburten gibt es viele Ursachen. Eine Infektion in der Vagina, eine Abstoßungsreaktion im Körper der Frau oder eine Unterversorgung des Kindes durch die Plazenta, der Fachbegriff für Mutterkuchen. Drogen – auch Rauchen und Alkohol – können eine Ursache für eine Unterversorgung des Fötus sein. Frühere Schwangerschaftsabbrüche, Bluthochdruck und ungesunde Ernährung beeinträchtigen die Gesundheit des Kindes.

 

Zahlen:

Jährlich werden in Berlin rund 30.000 Kinder geboren. Davon kommen rund 2500 Kinder zu früh und mit Untergewicht auf die Welt. Dank verbesserter Technik und Medikamente haben sich die Überlebenschancen der extrem untergewichtigen Frühchen – weniger als 750 Gramm Lebensgewicht – in den vergangenen zehn Jahren stark verbessert. Die 23. Schwangerschaftswoche ist derzeit die biologische Grenze für die Überlebensfähigkeit eines Kindes. Denn erst dann ist die Lunge so ausgebildet, dass sie die Atmung übernehmen kann. Nach der 28. Woche liegt die Überlebenschance bei nahezu 100 Prozent. Das Kind misst dann rund 35 Zentimeter und wiegt rund 1000 Gramm. "Nach der 32. Woche ist das Sterberisiko quasi ausgestanden", sagt Hannes Hammer, leitender Oberarzt der Klinik für Neonatologie an der Charité in Berlin-Mitte.

 

Behandlung

 

Diagnostik:

Frühgeburten sind medizinische Notfälle und von Ärzten schwer vorherzusagen. Mithilfe der Pränataldiagnostik können Gynäkologen mögliche Risiken für Mütter und Kinder aber inzwischen abwägen. Dazu werden unterschiedliche Untersuchungen durchgeführt: Fruchtwasseranalyse, Ultraschall, Messung der Nackendichte des Ungeborenen, Analyse der Blutwerte der Mutter und die Messung der Blutflüsse des Kindes.


Therapie:

Direkt nach der Geburt werden die Risiko-Frühchen in einen Inkubator gelegt. In diesem Brutkasten werden Bedingungen wie im warmen und feuchten Mutterbauch simuliert und alle Körperfunktionen des Kindes überwacht. Viele Frühchen, deren Lungen nicht ausreichend ausgebildet sind, werden künstlich beatmet. In den Kliniken sollen mögliche Spätschäden verhindert werden. Dafür werden Antibiotika und Ersatzstoffe verabreicht, die das Immunsystem stärken und die körperliche Entwicklung begünstigen. Nicht immer können die Frühchen unter 1500 Gramm vor Schäden bewahrt werden. Jedes zehnte Kind leidet unter Hirnblutungen und Netzhautschädigungen, die bis zu Blindheit führen können. Dennoch überlebten 2007 in Berlin 347 von 360 Kindern mit einem Geburtsgewicht zwischen 750 und 1500 Gramm. Im Durchschnitt blieben Frühgeborenen unter 1500 Gramm 58 Tage im Krankenhaus. Bei der Entlassung wiegen die Kleinen im Schnitt immerhin 2294 Gramm.


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