Dialyse (bei Nierenversagen)

Die Nieren reinigen das Blut von Harnstoff und anderen Giften. Wenn sie durch ein chronisches Nierenversagen ihre Arbeit einstellen, muss die Dialyse diese Aufgabe übernehmen – bei vielen Patienten lebenslang.


Krankheitsbild


Erklärung

Jeder Mensch besitzt zwei Nieren. Das Zwillingsorgan, das sich im Bereich der Lendenwirbelsäule befindet, ist dafür zuständig, Gifte aus dem Blut zu filtern und den Urin zu produzieren, über den sie aus dem Körper ausgeschieden werden. Außerdem regeln die Nieren den Flüssigkeitshaushalt des Körpers, sie tragen zur Blutbildung bei und ermöglichen den Einbau von Kalzium in die Knochen.

Die Nieren sind eines der sensibelsten Organe des Menschen: Bereits ein Kreislaufschock zum Beispiel nach einem Unfall kann zu akutem Nierenversagen führen. Allerdings können sich die Nieren auch wieder regenerieren, so dass sie nach einigen Tagen wieder normal funktionieren. Bei einem chronischen Nierenversagen erholen sich die Nieren dagegen nicht mehr, sondern stellen Stück für Stück ihre Arbeit ein. Den Betroffenen bleiben dann zwei Möglichkeiten: Eine Nierentransplantation oder die Dialyse. Da Spenderorgane jedoch Mangelware sind und eine Transplantation auch nicht für jeden Patienten infrage kommt, ist es meist die regelmäßige Dialyse, die sie am Leben erhält.


Symptome

Das chronische Nierenversagen ist ein Prozess, der meist langsam verläuft. “Das Problem ist, dass spürbare Symptome erst sehr spät auftreten”, sagt Achim Jörres, Kommissarischer Leiter der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie und Internistische Intensivmedizin der Charité. Erst wenn die Nieren nur noch weniger als ein Drittel ihrer eigentlichen Leistungen erbringen, klagen Betroffene über Konzentrationsmangel, Schlaflosigkeit, allgemeines Schwächgefühl, Appetitlosigkeit oder Übelkeit. Auch kann der Urin rötlich gefärbt sein, wenn sich Blutkörperchen in ihm befinden, oder schäumen, wenn er viel Eiweiß enthält. Im Verlauf der Krankheit scheiden Patienten außerdem immer weniger Urin aus. Dadurch lagert sich die überschüssige Flüssigkeit an anderen Stellen des Körpers ein, zum Beispiel in den Beinen.


Ursachen

Chronisches Nierenversagen beruht auf einer jahrelangen fortschreitenden Nierenerkrankung. Bei den meisten Dialysepatienten geht diese auf einen schlecht eingestellten Diabetes zurück oder auf eine Arteriosklerose, bei der die Nierengefäße durch anhaltenden Bluthochdruck geschädigt werden. Auch chronische Nierenentzündungen, Nierenschädigungen durch Zysten oder Schmerzmittelmissbrauch (vor allem mit solchen, die den Wirkstoff Paracetamol enthalten) können das Nierenversagen hervorrufen.


Zahlen

Experten gehen davon aus, dass in Deutschland rund 66.000 Patienten dialysepflichtig sind, also weniger als zehn bis 15 Prozent Nierenfunktion aufweisen. In Berlin und Brandenburg sind es zusammen rund 5000. Männer sind dabei häufiger betroffen als Frauen und ältere Menschen häufiger als Junge.


Behandlung


Diagnose

Da die Symptome beim chronischen Nierenversagen erst in einem späten Stadium auftreten, rät Nierenarzt Jörres von der Charité vor allem Risikopatienten, das heißt Diabetikern und Menschen mit Bluthochdruck, chronischen Nierenentzündungen oder Zystennieren, sich von ihrem Hausarzt untersuchen zu lassen. “Eine erste Urinuntersuchung kann mit einem einfachen Teststreifen durchgeführt werden.” An diesem können Mediziner erkennen, ob sich im Urin eines Patienten zu viele Blutkörperchen oder eine zu hohe Eiweißkonzentration befindet. Dies seien erste Hinweise auf eine Nierenschädigung. Weitere Untersuchungen, zum Beispiel die genaue Analyse des gesammelten Urins eines Tages oder auch Blutuntersuchungen, sollte dann am besten ein Spezialist, ein so genannter Nephrologe, durchführen.


Therapie

Je früher ein chronisches Nierenversagen erkannt und behandelt wird, desto besser. “Die Erkrankung kann oftmals nicht gestoppt oder umkehrt werden”, sagt Jörres. Ihren Verlauf jedoch könnten Ärzte und Patienten gemeinsam positiv beeinflussen. So schreitet das Nierenversagen beispielsweise bei Diabetikern langsamer voran, wenn ihr Blutzucker mit Hilfe von Insulin richtig eingestellt ist und auch ihr Blutdruck durch Medikamente gesenkt wird. Allgemein gilt: Um die Niere nicht noch mehr zu belasten, sollten Betroffene mit dem Rauchen aufhören und eine Diät halten, in der sie unter anderem Phosphat meiden. Besonders viel dieses Stoffes findet sich zum Beispiel in Milchprodukten aber auch in Nüssen.

Ist das Nierenversagen schon sehr weit fortgeschritten und eine Spenderniere nicht in Sicht, ist eine regelmäßige Dialyse notwendig. Am weitesten verbreitet ist die so genannte Hämodialyse, die in einem ambulanten Nierenzentrum stattfindet. Weniger häufig bieten Dialyseärzte auch die Peritoneal- oder Bauchfelldialyse an, die die Patienten mit einiger Übung auch alleine zuhause durchführen können. Bei der Hämodialyse wird das Blut in der Regel dreimal die Woche vier bis fünf Stunden lang von Schadstoffen gereinigt und überschüssige Flüssigkeit, die nicht mehr über die Nieren ausgeschieden werden kann, aus dem Körper entfernt. Dazu schaffen Chirurgen meist eine Verbindung zwischen Arterie und Vene im Unterarm des Patienten. Durch diesen Shunt, der auch als Dialysefistel bezeichnet wird, stellen sie sicher, dass für die Dialyse genügend Blut zur Verfügung steht. In den Unterarm führen die Ärzte dann zur Blutwäsche zwei Kanülen ein: Aus der einen fließt das Blut in die künstliche Niere, die Mediziner auch als Dialysator bezeichnen, und durch die andere gereinigt wieder in den Körper zurück.

Die künstliche Niere besteht aus einem Gefäß, durch das kleine Röhrchen aus einer Kunststoffmembran verlaufen. “Man kann sich diese Röhrchen wie ein Bündel Strohhalme vorstellen, durch die das Blut des Patienten fließt”, sagt Nierenarzt Jörres. Um die Röhrchen herum strömt in entgegengesetzter Richtung zu dem Blut eine Flüssigkeit, die Dialyselösung. Da die Membran der Röhrchen durchlässig ist und die Konzentration der Giftstoffe im Blut höher ist als die in der Lösung, findet ein Austausch zwischen den beiden Flüssigkeiten statt: Stoffe wie beispielsweise der Harnstoff wandern aus dem Blut heraus in die Dialyselösung, das Blut wird dadurch gereinigt. Eine Dialyse kann allerdings nur einen kleinen Teil der Arbeit der Niere übernehmen, indem sie das Blut entgiftet. Andere wichtige Nierenfunktionen, zum Beispiel bei der Blutbildung oder der Kalziumanlagerung in den Knochen müssen durch Medikamente ersetzt werden. Wird kein passendes Spenderorgan gefunden oder ist eine Transplantation nicht möglich oder nicht gewollt, müssen die Patienten diese Medikamente genauso lange nehmen, wie sie zur Dialyse müssen – lebenslang.



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