Dammriss

Jede zehnte Geburt führt zu einen Dammriss. Denn Kinder können bereits im Bauch sehr groß und schwer werden. Eine Herausforderung für jeden Frauenkörper. Bei Entbindungen entstehen deratige Spannungen im Beckenboden, dass dann die Scheide einreißen kann.


Entbindung

 

Erklärung:

Eine menschliche Schwangerschaft dauert normalerweise neun Monate. Innerhalb von 280 Tagen entwickelt sich aus einer befruchteten Eizelle im Bauch der Mutter ein kompletter Mensch – bis zur Entbindung. Dann misst ein Kind im Schnitt zwischen 48 bis 54 Zentimeter und wiegt 2800 bis 4000 Gramm. Bevor es schließlich auf die Welt kommt, macht es im Bauch eine halbe Drehung. Es muss sich auf die Seite legen, das Becken der Mutter dehnen, dann den Kopf an die Brust nehmen und sich durch den Geburtskanal schlängeln. Harte Arbeit für Kind und Mutter.
Ist ein Kind sehr groß, können Scheide und Damm – also Blutgefäße, Haut und Muskelgewebe zwischen Scheide und After – der Frau einreißen.
Aufgrund dieser Gefahr schnitten Ärzte früher die gespannte Haut zwischen Scheide und After vorsorglich – also ohne medizinische Notwendigkeit – ein. In Deutschland gingen Geburtshelfer meist davon aus, ein Schnitt heile besser als ein Riss. In den vergangenen zehn Jahren haben die Mediziner diese Ansicht jedoch überdacht. Heute tendieren Geburtshelfer und Gynäkologen dazu, eher den Damm einreißen zu lassen. Denn bei einem Dammriss reißt zunächst die Haut vom Scheidengang in Richtung After ein, dort wo das Gewebe am schwächsten ist – ohne unbedingt die tiefer liegenden Muskelgewebe zu zerstören. Dagegen durchtrennen Ärzte bei einem Dammschnitt die unter der Haut liegenden Gewebeschichten vollständig. Ein Dammriss (aber auch ein Dammschnitt) kann unter Umständen zu einer Tage bis Wochen anhaltenden Inkontinenz führen.

 

Zahlen:

Jährlich kommen in Berlin rund 30.000 Kinder zur Welt. Jede zehnte Geburt führt zu einem Dammriss. Meist sind es aber nur kleinere Risse in der Scheidenwand, die auch von allein – also ohne Behandlung – heilen. Nur bei jeder dritten Frau mit einem Dammriss kommt es zu Wunden, die genäht werden müssen.
Die Häufigkeit hat auch mit einer Zunahme an späten Schwangerschaften zu tun – in Berlin ist jede vierte Mutter älter als 35 Jahre. Denn das Alter der Mütter beeinflusst den Stoffwechsel des Ungeborenen, also ihr Gewicht sowie dessen Größe. Schwere Babys brauchen mehr Platz als Normalgewichtige auf ihrem Weg durch den Geburtskanal.
Aber: "Deutlich seltener kommt es bei der zweiten oder dritten Normalgeburt zu Dammrissen, da die Scheidenwand und das umliegende Gewebe der Frau bereits vorgedehnt sind", sagt Michael Abou-Dakn, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am St. Joseph Krankenhaus.

 

Dammriss

 

Diagnose:

Nach der Geburt des Kindes und des Mutterkuchens untersuchen Gynäkologen die Frau auf Blutungen in der Scheidenwand und dem umliegenden Gewebe zwischen Scheide und After. Mediziner unterscheiden in vier Dammriss-Grade. Grad eins: Hier sind nur leichte Risse entstanden, die auch von allein verheilen. Grad vier: Hier sind mehrere Haut- und Gewebeschichten zwischen Scheidengang und After, aber auch der Schließmuskel und sogar ein Stück des Dickdarmes eingerissen.

 

Behandlung:

Nach der ersten Freude über das geschenkte Leben im Kreissaal, sind die Mütter meist sehr erschöpft. Doch bevor sich die Wöchnerinnen von der Geburt ihrer Kinder erholen können, versorgen Ärzte entstandene Verletzungen am Scheidengang. Dammrisse werden meist unter lokaler Betäubung von Gynäkologen direkt nach der Entbindung genäht – unter Medizinern ein Standardeingriff. In Ausnahmen operieren Ärzte schwere Dammrisse (Grad 3 oder 4) bei Wöchnerinnen unter Vollnarkose. Kurz- bis mittelfristig können Geburtsverlauf, aber auch Dammrisse oder Dammschnitte zu Inkontinenz führen – wenige Tage bis Wochen. Weniger als zehn Prozent der Frauen sind davon betroffen. " Hierbei macht es keinen großen Unterschied, ob der Damm geschnitten wird oder einreißt", sagt Gynäkologe Abou-Dakn. Schwere Dammrisse sind Qualitätsindikatoren: Anhand dieser Komplikationen prüfen gesetzlich beauftragte Kontrolleure, wie gut Ärzte und Hebammen auf Geburtstationen entbindende Frauen behandeln.


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