COPD (Raucherlunge, chronische Bronchitis)

Patienten mit einer Raucherlunge leiden an Atemnot. Und je nach Schwere der Erkrankung ist eine Operation nötig. Grundsätzlich gilt: Mit dem Rauchen aufzuhören, ist die beste Therapie.


Krankheitsbild


Erklärung:

Ohne die Lunge wäre ein Mensch nicht lebensfähig. Acht Liter frische Luft atmen Erwachsene durchschnittlich pro Minute ein. Das bedeutet, in dieser Zeit 15 Mal Luft zu holen, Kinder etwa 20 Mal. Beim Einatmen strömt sauerstoffreiche Luft über Mund, Luftröhre und Bronchien in das Lungengewebe. Dort gelangt der Sauerstoff über die Lungenbläschen in das Blut und wird gegen Kohlendioxid ausgetauscht. Das Blut transportiert den Sauerstoff zu Muskel- und Nervenzellen sowie anderen Organen und Geweben, wo er gemeinsam mit Kohlenhydraten zu Energie umgewandelt wird. Raucher zerstören ihre Lunge mit jedem einzelnen Zigarettenzug unwiederbringlich. Die häufigste Folge des Qualms sind chronische Entzündungen der Atemwege (chronische Bronchitis) und zerstörte Lungenbläschen (Lungenemphysem). Durch die Giftstoffe wird die Ventilfunktion der für den Stoffwechsel so wichtigen Hohlräume zerstört. Dadurch können Betroffene verbrauchte Luft nicht mehr vollständig ausatmen. Langsam baut sich dadurch ein Überdruck in den Austauschzellen auf. Im schlimmsten Fall reißen die aufgeblähten Lungenbläschen ein – ein medizinischer Notfall. Raucher mit COPD haben ein erhöhtes Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Und aufgrund der verminderten Lungenleistung werden andere Organe nicht genügend mit Sauerstoff versorgt. Herz-Kreislaufschwäche und Nierenversagen können die Folge sein.


Symptome:

Anhaltender Husten, Schleimauswurf und Luftnot bei Belastung sind die häufigsten Gründe, warum Betroffene einen Arzt aufsuchen. Obwohl Patienten bereits vorher erkrankt sind, spüren sie lange Zeit keine Beschwerden. Das liege vor allem am Aufbau des Organs, sagt Torsten Bauer, Chefarzt der Lungenklinik am Helios-Klinikum Emil von Behring. "Der Mensch ist von Natur aus ein Fluchttier. Die Lunge kann in kürzester Zeit das Vierzigfache an Leistung erbringen, um etwa vor großen Gefahren plötzlich wegrennen zu können." Menschen merkten daher über Jahre nicht, dass sich ihre Lungenkapazität verringere. Denn im Alltag, ohne viel Bewegung, werde die Lunge maximal um das Zehnfache gefordert. Zwei Drittel der Lunge blieben also oft ungenutzt. Erst in späteren Stadien fehlte Betroffenen bereits bei kleineren Anstrengungen – wie etwa Treppensteigen – die Luft. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zu Kurzatmigkeit und anhaltender Atemnot. Mediziner nennen diesen Zustand auch Stenoseatmung. "Es fühlt sich an, als wenn man durch einen Strohhalm atmen muss", sagt Bauer.

 

Ursachen:

Der Tabakkonsum ist mit großem Abstand die wichtigste Ursache für eine Raucherlunge. 90 Prozent aller Betroffenen haben geraucht. Dabei spielt die Zahl der bisher gerauchten Zigaretten eine wichtige Rolle. Außerdem hängt eine Erkrankung von der individuellen Anfälligkeit des jeweiligen Körpers ab. COPD kann aber auch in Ausnahmefällen durch Passivrauchen und schwere Feinstaubbelastungen am Arbeitsplatz – etwa im Bergbau untertage – hervorgerufen werden. Noch seltener erkranken Menschen an COPD aufgrund einer genetischen Veranlagung.

 

Zahlen:

Jeder zweite Raucher stirbt an den Folgen seines Tabakkonsums, sei es aufgrund von Herzinfarkt, COPD oder Lungenkrebs. Bundesweit leiden über fünf Millionen Deutsche an COPD. Meist sind die Betroffenen älter als 45 Jahre alt und haben bis dahin zwei bis drei Jahrzehnte geraucht. Jährlich behandeln Pneumologen allein an Berliner Kliniken mehr als 7500 COPD-Patienten. Experten der Weltgesundheitsorganisation stufen COPD als eine der weltweit tödlichsten Erkrankungen ein. Derzeit steht sie nach Herzinfarkt, Schlaganfall und Lungenentzündung an vierter Stelle im offiziellen Ranking. Bis 2030 soll die Lungenkrankheit sogar auf den dritten Platz aufrücken.

 

Behandlung


Diagnostik:

Zunächst sprechen Ärzte mit dem Betroffenen über seine Krankengeschichte, erfragen Details zu den Beschwerden und untersuchen die Lunge mit dem Stethoskop. Im Anschluss machen die Mediziner meist einen Lungenfunktionstest – eine so genannte Spirometrie. Dabei untersuchen Pneumologen die Volumenverhältnisse zwischen dem Ein- und Ausatmen. Innerhalb einer Sekunde muss ein gesunder Mensch in der Lage sein, 70 Prozent der eingeatmeten Luft wieder auszustoßen. Die Lungenfunktion verschlechtert sich durch eine COPD. Mediziner unterscheiden vier Stadien der Krankheit: von Grad eins – Atemnot bei körperlicher Anstrengung – bis hin zu Grad vier – unzureichende Sauerstoffzufuhr.


Therapie:

"Es gibt keine Möglichkeit, eine Raucherlunge zu heilen", sagt der Direktor der Lungenklinik am Heckeshorn Torsten Bauer. Die Chancen wieder gut durchatmen zu können, hängen ganz vom Stadium der COPD und der persönlichen Einstellung zum Leben ab. Zunächst eine wichtige Erkenntnis, die für viele Raucher aber schwer zu verstehen ist: Es gibt ein Leben nach der Zigarette! "Mit dem Rauchen aufhören! Das ist die eigentliche Therapie", sagt Thomas Hering, Landesvorsitzender der Berliner Pneumologen. Meist verschreiben Ärzte Medikamente, um die Atmung zu verbessern. Die Betroffenen erhalten Sprays, die sie bei Atemnot individuell einsetzen können. Dadurch erreichen 50 Prozent aller Patienten eine deutliche Besserung ihrer Lungenfunktion, sagt Klinikdirektor Bauer. Noch effizienter als Medikamente sei jedoch der regelmäßige Lungensport, meint Lungenarzt-Landeschef Hering. "Je besser die Muskeln trainiert sind, desto weniger Sauerstoff brauchen sie für die gleiche Leistung." Dadurch müssten die Patienten zum Beispiel beim Treppensteigen nicht mehr so schwer atmen. Kommt es allerdings zu einer anhaltenden Entzündung der Atemwege, bei der diese ähnlich einem schweren Asthmaanfall verschleimen und verkrampfen, müssen Betroffene unter Umständen stationär behandelt werden. Dann geben Ärzte zunächst Kortison, um die verengten Bronchien schnell zu weiten. Zusätzlich werden Antibiotika verabreicht, um die chronische Entzündung zu lindern. Erst in fortgeschrittenen Stadien (Grad vier) – also bei mangelnder Sauerstoffversorgung der Organe – erwägen Mediziner einen chirurgischen Eingriff. Etwa wenn die Lungenbläschen – also die Hohlräume, die dem Gasaustausch dienen – sehr stark geschädigt sind. Dann entfernen Chirurgen Teile des betroffenen Lungenflügels. Ohne diesen chirurgischen Eingriff könnten die aufgeblähten Bläschen platzen und so eine lebensgefährliche innere Blutung hervorrufen. Mediziner sprechen dann von Pneumothorax. In sehr seltenen Fällen kommt für Betroffene auch eine Lungentransplantation in Frage. Neuere Verfahren, in denen künstliche kleine Ventile als Atmungshilfen in die Lungenflügel eingepflanzt werden, stehen bei Experten in der Kritik. "Künstliche Ventile sind eine Orchideentherapie: Theoretisch eine schöne Idee, jedoch überwiegend ohne die erhoffte Wirkung", sagt der Berliner Verbandsvorsitzende Hering.



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