Burnout

Burnout wird im medizinischen Fachvokabular als “Erschöpfungsdepression” bezeichnet. Oft sind engagierte Berufstätige betroffen, die das eigene Selbstwertgefühl zu sehr mit der Arbeit verknüpfen.

 

Krankheitsbild


Erklärung:

Der Begriff Burnout entstammt dem Englischen und ist eine populäre Bezeichnung für Erschöpfungszustände. Der Akku der Betroffenen ist leer, sie sind "ausgebrannt". In medizinischen Abhandlungen findet sich diese Bezeichnung hingegen nur selten. Im Fachjargon ist meist die Rede von einer "stressassoziierten Erschöpfung" – eine einheitliche Definition dafür gibt es bisher jedoch nicht.

 

Ursachen:

Fragt man nach den Gründen, warum sich Menschen ausgebrannt und erschöpft fühlen, so unterscheiden Experten in externe – also außerhalb des Individuums liegende - und interne Ursachen. "Wobei der prominenteste externe Faktor sicher der Arbeitsplatz ist", sagt Mazda Adli, Oberarzt der "Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité Mitte. Dabei sind zwei Gruppen von Menschen besonders anfällig für die Erkrankung. Die Einen – Mediziner nennen sie die Idealisten – überidentifizieren sich mit ihrem Job und scheitern an zu geringen Einflussmöglichkeiten gegenüber hohen Anforderungen, die an sie gestellt werden. Die Anderen, die Perfektionisten, geraten in eine "berufliche Gratifikationskrise", wie es der Psychotherapeut nennt. Sie schuften und keiner dankt es Ihnen. Ihnen fehlt schlicht die Anerkennung für die geleistete Arbeit. Doch auch gesamtgesellschaftliche Faktoren beeinflussen Burnout-Erkrankungen. In Zeiten realer oder auch nur geglaubter Destabilität weist die Statistik psychosomatischer Erkrankungen regelmäßig Zuwächse auf. Die jüngste Finanzkrise sei dafür nur das letzte Beispiel: "Im Klima allgemeiner Unsicherheit stieg die Zahl der diagnostizierten Depressionen im Jahr 2009 auf ihren vorläufigen Höchststand", sagt Adli. Hinzu kämen Transformationen im Erwerbsleben. "Wir befinden uns in einer Umbruchphase hin zu einer globalisierten Dienstleistungsgesellschaft, in der es immer mehr gilt, die Persönlichkeit einzubringen, um erfolgreich zu sein", konstatiert Adli. Neben diesen äußeren Einflüssen identifizieren Psychologen auch innere, persönliche Faktoren. Adli unterteilt sie in die "Perfektionisten" und die "Idealisten". Erstere kranken an ihren eigenen zu hohen Ansprüchen, an denen sie scheitern müssen. Die Idealisten hingegen identifizieren sich stark mit ihrem Arbeitsplatz – bleibt der Erfolg aus, leidet auch ihr Selbstbild. Im Streben nach Anerkennung opfern sie Idealisten wie Perfektionisten für ihren Arbeitsplatz auf. "Oft sind die Burnout-Patienten die besten Mitarbeiter", sagt Adli.


Symptome:

Die Symptome eines Burnouts sind vielfältig und individuell unterschiedlich ausgeprägt. Die Erschöpfungszustände wirken sich körperlich, sozial, kognitiv und emotional aus. Burnout-Patienten leiden oft unter Schlafstörungen, Antriebslosigkeit, Unruhe und sind oft anfälliger für Infekte. Im sozialen Leben fühlen sich Betroffene "ausgesaugt", sind desinteressiert und ziehen sich zunehmend aus Beziehungen und Freundschaften zurück. Am Arbeitsplatz haben sie "innerlich gekündigt". Auch die kognitive Leistungsfähigkeit nimmt meist ab. Ausgebrannte grübeln oft und sind vergesslich und unkonzentriert. Gefühle innerer Leere, von Ohnmacht und Hilflosigkeit kennzeichnen die emotionale Erschöpfung – bis hin zur Depression. Burnoutpatienten können jedoch auch launisch, reizbar und aggressiv sein.

 

Zahlen:

Burnouterkrankungen werden bisher nicht eigens statistisch erfasst, sondern lediglich unter dem Krankheitsbild Depressionen subsummiert. Und der eigens dafür vorgesehene Diagnose-Schlüssel "Z72 - Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung" wird in Berliner Kliniken offenbar sehr selten für Patienten codiert, so dass nur sehr geringe Fallzahlen genannt werden. Einen Hinweis für die Entwicklung psychischer Erkrankungen geben jedoch die Fehlzeiten am Arbeitsplatz. Diese nahmen aufgrund psychischer Krankheiten seit 1995 um 80 Prozent zu. Schätzungen zufolge verneunfachten sich zwischen 2004 und 2010 die Krankschreibungen aufgrund von Burnouterkrankungen.

 

Behandlung


Diagnostik:

Die Anamnese – das Gespräch mit dem Patienten – bleibt das wichtigste Instrument, um den Burnout in all seinen Dimensionen zu diagnostizieren. Daneben deuten jedoch auch körperliche Symptome wie Müdigkeit, Infektionsanfälligkeit bis hin zu akuten Erkrankungen wie dem Tinnitus oder einem Diabetes auf die psychische Krankheit hin.

 

Therapie:

Ein Burnout lässt sich nicht per Patentrezept behandeln – so vielfältig die Ursachen der Erkrankung sind, die ihn hervorrufen, so unterschiedlich sind die Methoden, ihn zu therapieren. Weniger intensive Burnouts können meist ambulant behandelt werden. Schwere, an eine Depression grenzende Burnouts hingegen werden oft begleitend zur Psychotherapie auch medikamentös mit Antidepressiva behandelt – dann wird ein stationärer Aufenthalt in einer Klinik unumgänglich. Ziel der Psychotherapie ist es, die inneren Faktoren des Burnouts zu überwinden. Perfektionisten lernen dabei loszulassen. Idealisten üben hingegen, ihr Selbstwertgefühl nicht allein über ihren Arbeitsplatz zu definieren. Ziel ist der Psychotherapie ist letztlich auch, die Abhängigkeit von der äußeren Anerkennung zu reduzieren.


Prophylaxe:

Um einen Burnout vorzubeugen, gilt es, die inneren und – soweit diese beeinflussbar sind – die äußeren Ursachen zu erkennen und zu vermeiden. Jeder sollte sich fragen: Was will ich im Leben erreichen? Klare Ziele vor Augen zu haben, hilft spätere Enttäuschungen zu vermeiden. Dabei sollte man sich auch nicht scheuen, bereits eingeschlagene Wege zu verlassen. Wichtig für die Wahl eines geeigneten Berufs ist auch die Frage, wodurch sich dieser auszeichnen soll: Sind Ihnen soziale Anerkennung und Aufstiegsmöglichkeiten von Bedeutung? Oder legen Sie mehr Wert auf eine selbstbestimmte Arbeitsgestaltung? Um nicht auszubrennen, gilt es auch, Stress vorzubeugen und rechtzeitig zu erkennen. Dabei helfen Stressmanagement und Entspannungstechniken wie Yoga oder Autogenes Training. Auch eine gesunde Ernährung und regelmäßiger Sport tragen zu einem ausgeglicheren Leben bei. Entscheidend ist jedoch auch, den inneren Perfektionisten oder Idealisten zu erkennen, und sich seinem Diktat zu entziehen. Das eigene Selbstwertgefühl vom Arbeitsplatz zu entkoppeln, schützt nicht nur davor auszubrennen – es vermindert auch die Gefahr, sich selbst auszubeuten oder ausgebeutet zu werden.



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