Bauchspeicheldrüsen - Transplantation (bei Diabetes Typ 1)

Diabetes heißt: ein Leben lang von körperfremden Insulin abhängig zu sein. Die defekte Bauchspeicheldrüse schädigt aber auch andere lebenswichtige Organe und kann daher eine Transplantation notwendig machen.

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Grafik: Fabian Bartel

 

Krankheitsbild

 

Erklärung:

Für die Transplantation einer Bauchspeicheldrüse – Mediziner nennen sie Pankreas – kommen vor allem Typ-1-Diabetiker in Betracht, die seit ihrer Kindheit an der Zuckerkrankheit leiden. Bei einer Transplantation werden Bauchspeicheldrüse und eine neue Niere meist gemeinsam verpflanzt, da auch die Niere durch den langjährigen Diabetes Typ 1 oft schon stark angegriffen ist. Beide Organe gleichzeitig zu transplantieren, ist dann günstiger: Die Ein-Jahres-Überlebenschance der Patienten liege bei etwa 95 Prozent, sagt Andreas Pascher, Transplantationsexperte und leitender Oberarzt am Virchow Klinikum der Charité. Wird nur das Pankreas verpflanzt, überleben zwar auch 95 Prozent der Patienten, allerdings funktioniert das transplantierte Organ nicht so lange wie bei der kombinierten Transplantation. Die alleinige Transplantation einer Bauchspeicheldrüse ist hierzulande eher die Ausnahme. Die Wartezeit auf ein so genanntes Kombi-Transplantat liegt wegen der wenigen Spenderorgane bei etwa einem Jahr.


Ursache:

Transplantationen einer Bauchspeicheldrüse sind vor allem bei Typ-1-Diabetikern nötig, da deren Bauchspeicheldrüse wegen der Autoimmunerkrankung kein Insulin mehr produziert und so den Organismus – zunächst vor allem die Nieren – schädigt. Die Betroffenen überleben nur dank regelmäßiger Dialyse – an mindestens drei Tagen in der Woche.

 

Zahlen:

Pro Jahr werden in Deutschland zusammen weniger als 150 Pankreastransplantationen und kombinierte Nieren- und Pankreas-Transplantationen durchgeführt.

 

Behandlung

 

Therapie:

Zuerst wird dem Patienten die neue Bauchspeicheldrüse auf der rechten Bauchseite eingepflanzt und an die entsprechenden Blutgefäße im Becken des Patienten angeschlossen, dann folgt die Niere auf der entgegengesetzten Seite. Dies alles erfolgt durch einen 25 cm langen Schnitt, der oberhalb des Bauchnabels beginnt und bis zum Schambein führt. Die alten Organe bleiben im Körper. Die neue Bauchspeicheldrüse wird dem Spender mit einem Teil des Zwölffingerdarms entnommen – auch der wird an den Darm des Empfängers genäht, damit die Verdauungssäfte abfließen können. Die neue Drüse übernimmt die Insulinproduktion.
Der Eingriff ist nicht ganz einfach, weil das Pankreas nicht nur Hormone wie Insulin bildet und sie ans Blut abgibt, sondern auch Verdauungssäfte produziert. Diese sind sehr aggressiv und können für Komplikationen sorgen. Bei der Operation wird der Verdauungssaft meist in den Darm abgeleitet. "Die Bauchspeicheldrüse neigt dazu, sich zu entzünden", erklärt Pascher. Schlimmstenfalls beginnt das Pankreas nach der OP, sich selbst zu verdauen. Jede Abstoßungsreaktion des Empfängerorganismus führt zu einer weiteren Entzündung des Organs. Im Zweifelsfall muss dem Patienten ein neues Organ transplantiert werden. Transplantierte müssen Medikamente nehmen, so genannte Immunsuppressiva, um ihre Abwehrkräfte zu unterdrücken.
In den ersten sechs Monaten nach der Operation ist die Gefahr, dass der Körper das Spenderorgan abstößt, besonders groß. Die Patienten müssen sich an die ständige Einnahme von Medikamenten gewöhnen. Der Insulinspiegel im Blut wird von den Patienten mehrmals täglich kontrolliert, hinzukommen regelmäßige ambulante Nachsorgeuntersuchungen. Dabei überprüfen die Ärzte auch, wie gut das Transplantat im Körper funktioniert. Eine zusätzliche Bauchspeicheldrüse kann die Diabetes-Erkrankung heilen und verhindern, dass die Schädigung anderer Organe - Augen, Nerven und Gefäße - voranschreitet. Im günstigsten Fall kann das neue Organ auch schon durch die Erkrankung verursachte bestehende neurologische Schädigungen verbessern, wie etwa Gefühllosigkeit in den Beinen.

 

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