Asthma

Asthma ist eine chronische Erkrankung der Bronchien, die das Atmen erheblich erschwert. Meist werden Kinder und Erwachsene ambulant behandelt. Doch handelt es sich um schwere Anfälle, müssen die Kleinen wie Grossen ins Krankenhaus. Und manchmal verschwindet diese chronische Erkrankung von selbst.


Krankheitsbild

 

Erklärung:

Ohne die Lunge wäre ein Mensch nicht lebensfähig. Acht Liter frische Luft atmen Erwachsene durchschnittlich pro Minute ein. Während die Großen etwa 15 Mal in dieser Zeit Luft holen, bewegen die Kinder etwa 20 Mal ihren Brustkorb. Beim Einatmen strömt sauerstoffreiche Luft über Mund, Luftröhre und Bronchien in das Lungengewebe. Dort gelangt der Sauerstoff über die Lungenbläschen in das Blut und wird gegen Kohlendioxid ausgetauscht. Das Blut transportiert den Sauerstoff zu Muskel- und Nervenzellen, wo er gemeinsam mit Kohlenhydraten zu Energie umgewandelt wird. Neben dem Sauerstoff werden aber auch schädliche Stoffe wie Feinstaub oder Russpartikel eingeatmet. Diese werden auf dem Weg in die Lunge von der Schleimhaut eingefangen und über das Abhusten aus der Lunge heraustransportiert.
Asthma ist eine chronische Erkrankung der Bronchien, die das Atmen erheblich erschwert. Die Schleimhäute in den Atemwegen sind gegenüber Stoffen in der Umgebungsluft – wie etwa Hausstaub oder Gräserpollen – überempfindlich. Aufgrund einer Überreizung verkrampft die Bronchialmuskulatur, was schließlich zu Husten und Atemnot führt. Die Ärzte stufen die Atemwegserkrankung in vier Grade – von leichtem (Grad eins) bis schwerem (Grad vier) Asthma – ein. Bei Grad eins tritt das Asthma tagsüber etwa ein Mal in der Woche oder über zwei Monate auch gar nicht auf. Bei Grad vier tritt Asthma täglich mit erheblichen Beschwerden auf. Ein einziger Asthmaanfall kann wenige Minuten bis hin zu mehreren Stunden andauern. Im schlimmsten Fall handelt es sich um einen so genannten status asthmaticus – ein Notfall, in dem eine intensivmedizinische Behandlung dringend geboten ist.

 

Symptome:

Trockener Husten, pfeifende Atmung und Atemnot sind die auffälligsten Symptome. Hinzu kommen Engegefühl in der Brust und Angstzustände. Nicht selten fällt bei Betroffenen eine Asthma-Erkrankung im Zusammenhang mit einer Bronchitis oder gar einer Lungenentzündung auf.

 

Ursachen:

Asthma unterteilen Mediziner in allergisches und nicht-allergisches Asthma. Oft sind Allergien – etwa gegen Hausstaub oder Katzenhaare – Auslöser der Atemwegserkrankung. Aber auch Infektionserkrankungen wie schwere Bronchitis oder Lungenentzündungen können Asthma verursachen. Darüber hinaus kommen auch psychische Belastungen als Auslöser in frage. Auffällig häufig sind Kinder unter zehn Jahren betroffen. Vor allem Nachwuchs von Eltern mit Allergien sind gefährdet. Experten gehen davon aus, dass 70 Prozent aller Erkrankungen genetisch bedingt sind. Aber auch das Rauchen im Familienhaushalt ist ein Risikofaktor: Kinder von rauchenden Eltern leiden häufiger an Asthma als Kinder von Nichtrauchern. Inwieweit das Stillen in den ersten Lebensmonaten Asthma bronchiale verhindern kann, ist unter Experten umstritten. Bei Kindern mit erhöhtem Asthmarisiko und Asthmatikern empfehlen Kinderärzte, regelmäßig Schutzimpfungen gegen Grippe und Lungenentzündung vorzunehmen.

 

Zahlen:

Asthma ist die häufigste chronische Erkrankung bei Kindern. Bundesweit leiden zehn Prozent aller Kinder daran. Allein in Berlin sitzt in fast jeder Schulklasse ein betroffenes Kind. Dagegen leiden nur fünf Prozent aller Erwachsenen in Deutschland an Asthma. 

 

Behandlung

 

Diagnose:

Zunächst befragen Ärzte die Patienten zu ihrer Krankengeschichte. Zudem werden unterschiedliche Lungenfunktionstests wie etwa der Peak-Flow-Messung und der Spirometrie mit den Betroffenen gemacht. Dabei werden das Lungenvolumen sowie Luftdruck beim Ein- und Ausatmen gemessen. Zudem können Ärzte Blutgasanalysen, also die Messung des Sauerstoffgehaltes im Blut, und Allergie-Tests durchführen. 

 

Therapie:

Mediziner können Asthma nicht vollständig heilen. "Ziel der Behandlung ist es, die Krankheit unter Kontrolle zu bekommen, um ein ganz normales Leben zu führen", sagt Ulrich Wahn, Chefarzt der "Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Immunologie und Pneumologie am Charité Virchow Klinikum. Zu 90 Prozent werden Asthmatiker ambulant behandelt. Die niedergelassenen Lungenspezialisten behandeln betroffene Kinder mit Medikamenten in Form von Sprays, Inhalation und Tabletten. Sie sollen zum einen akute Anfälle lindern und die Atemnot beseitigen. Zum anderen sollen sie präventiv wirken und eine Verkrampfung der Bronchien verhindern, es handelt sich hier um so genannte Blocker. Beides sind kortisonhaltige Präparate.
Das wichtigste aber sind Schulungen, bei denen Kinder und ihre engsten Familienangehörige von Fachärzten und speziell ausgebildeten Therapeuten lernen, mit der Erkrankung im Alltag umzugehen. "Kinder müssen lernen, extreme Krisen allein zu bewältigen", sagt Kinderarzt Wahn. Dabei werden die kleinen Patienten trainiert, akute Anfälle zu überwinden, aber auch wie sie vermieden werden können. Dazu gehört beispielsweise, wie man zu hause richtig inhaliert oder welche Umgebungen vermieden werden sollte, um allergische Reaktionen zu vermeiden. Und: dieser Husten und das Schnappen nach Luft ist eine extreme psychische Belastung für die Kleinen. Darum bedürfen kleine Patienten auch psychotherapeutischer Betreuung.
Ein stationärer Aufenthalt wird in Notfällen, also bei schwerem Asthma (Grad vier) bei Kindern unter sechs Jahren oder sogar einem status asthamticus unbedingt notwendig. Denn ein Asthmaanfall kann in seltenen Fällen tödlich enden. In der Klinik werden Betroffene mit sehr starken Medikamenten versorgt, um die Verkrampfung der Atemwege zu lösen.
Eine Ausnahme im Krankheitsverlauf von Asthma gibt Lungenexperten bisher noch Rätsel auf: Während allergisches Asthma Betroffene ein Leben lang begleitet, kann nichtallergisches Asthma bei Kindern zwischen dem sechsten und zehnten Lebensjahr spontan verschwinden. Eine Erklärung für dieses abrupte Ende der chronischen Erkrankung gibt es bisher nicht.



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