Arteriosklerose (Artherosklerose)

Plaques – eine Melange aus Blutgerinnseln, Bindegeweben, Blutfetten und Kalk – lagern sich über die Jahre hinweg in den Arterien ab und verengen diese. Galt die Arteriosklerose früher als Alterserkrankung werden die Betroffenen heute immer jünger


Krankheitsbild


Erklärung:

Umgangssprachlich wird die Arteriosklerose auch Arterienverkalkung genannt, da sich in den Innenwänden der Arterien neben Blutgerinnsel, Bindegewebe und Blutfetten wie dem Cholesterin auch Kalk anlagert. Diese Melange, die so genannten Plaques, verengt und verhärtet das Gefäß. "Besonders häufig bilden sich diese Ablagerungen an den Gefäßgabelungen im Hals-, Becken- und Leistenbereich", sagt Christoph Albiker, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie am Evangelischen Krankenhaus Hubertus. Die dort entstehenden Verwirbelungen im Blut erleichtern die Ablagerungen der Blutbestandteile. In der Folge kann immer weniger Blut durch die Engstelle strömen, im schlimmsten Fall verstopft sie vollständig und das dahinter liegende vom Blutfluss abgeschnittene Gewebe stirbt ab – Mediziner sprechen dann von einem Infarkt. Mit dem vorbeifließenden Blut können Stücke der aufgebrochener Plaque auch aus der Arterieninnenschicht – der sogenannten Intima – gelöst, in ein anderes Blutgefäß eingeschwemmt werden und dort eine Embolie, also einen plötzlichen Gefäßverschluss, verursachen. In den meisten Fällen gehen auch die schmerzhaften Durchblutungsstörungen in den Beinen – die so genannten Schaufensterkrankheit - auf eine Arteriosklerose zurück.


Ursachen:

Die Arteriosklerose ist eine Folge des natürlichen Alterungsprozesses, wird jedoch auch durch eine Vielzahl von Risikofaktoren verstärkt. Davon lassen sich manche Faktoren nicht beeinflussen – wie etwa das Geschlecht (die meisten Betroffenen sind Männer), erbliche Veranlagung oder auch die Physiognomie, die bei manchen Menschen zu ungünstigen Blutverwirbelungen an den Gefäßverzweigungen führen. Andere Einflüsse wie das Rauchen, hoher Blutdruck, erhöhte Cholesterinwerte oder Diabetes mellitus lassen sich jedoch korrigieren und somit die Gefahr einer Erkrankung verringern. "Jeder Einzelne dieser beeinflussbaren Faktoren erhöht das Risiko an einer Arteriosklerose zu erkranken um das Zwei- bis Dreifache", sagt Albiker.

 

Symptome:

Eine Arteriosklerose verläuft meist sehr lange, ohne körperliche Beschwerden zu verursachen. Gefäßverschlüsse im Becken oder den Beinen führen im fortgeschrittenem Stadium zu Schmerzen beim Gehen und Muskelkrämpfen im Gesäß sowie Ober- und Unterschenkel. Mediziner nennen dieses Krankheitsbild periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK). Im Volksmund wird sie meist salopp als Schaufensterkrankheit bezeichnet, da die Betroffenen oft Gehpausen einlegen müssen. Eine Arteriosklerose der Beckenarterien kann bei Männern zu Impotenz führen.
Durch Plaques verstopfte Blutgefäße können dahinter liegende Organe nicht mehr mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Lebensbedrohliche Organschäden zum Beispiel durch Schlaganfall oder Herzinfarkt.
Die Verkalkung führt darüber hinaus auch zu einer Verhärtung der Gefäßwände, sie sind weniger dehnbar als gesunde. Die Gefäße können dadurch entweder verengen oder sogar verschließen. Es kann sich jedoch auch eine Aussackung – ein so genanntes Aneurysma bilden. Bei dieser Sonderform der Verkalkung steigt das Risiko, dass die Gefäßwand zerreist. Die Folge sind starke innere Blutungen, die häufig zum Tode führen.


Zahlen:

Berliner Kliniken behandeln jährlich rund 9300 Patienten mit einer Arteriosklerose stationär.

 

Behandlung 

 

Diagnose:

In der Anamnese erfragen die Ärzte die Lebensgewohnheiten des Patienten und prüfen diese auf mögliche Risikofaktoren. Raucht der Betroffene? Bewegt er sich kaum oder ernährt er sich besonders fettreich? Litten Angehörige schon an Gefäßerkrankungen?
Um zu prüfen wie gut der Körper des Patienten zu durchblutet wird, schickt Chefarzt Albiker die Patienten auf das Laufband und misst den Blutdruck an den Knöcheln: Mit dem Laufbandtest wird unter Standardbedingungen – ein Tempo von drei Kilometern in der Stunde und einer Steigung von zwölf Prozent – ermittelt, ob überhaupt und wann Muskelkrämpfe auftreten. Leiden die Patienten unter einer Durchblutungsstörung, dann treten nach einer gewissen Zeit Schmerzen an der von der Gefäßverkalkung betroffenen Körperstelle auf. Die bis dahin zurückgelegte Strecke deutet auf das Stadium der Gefäßerkrankung hin – je kürzer die Entfernung, desto fortgeschrittener die Arteriosklerose. Indizien für die Erkrankung sind nicht nur Schmerzen, sondern auch Unterschiede des Blutdrucks in verschiedenen Körperregionen. Misst der Arzt in den Beinen etwa einen niedrigeren Blutdruck als in den Armen, weist dies auf einen gestörten Blutfluss in den Armen hin. Nachdem auf diese Weise die Gefäßverengung lokal eingegrenzt wurde, prüft der Arzt mit einem speziellen Ultraschallgerät – das Verfahren wird Doppler- oder auch Duplex-Sonografie genannt – die Fließgeschwindigkeit des Blutes. So lässt sich eine Gefäßverengung anhand der veränderten Strömungsgeschwindigkeit aufspüren, aber auch die Beschaffenheit der Gefäßinnenschicht beurteilen. Um Gefäßverengungen sichtbar zu machen, kann der Arzt auf eine Kathetherangiografie zurückgreifen. Bei diesem Verfahren wird ein Katheter über einen hauchdünnen Draht durch die Blutgefäße bis zum vermuteten Engpass geschoben. Dort spritzt der Mediziner über den Katheter ein Kontrastmittel ins Blut, das auf Röntgenaufnahmen nicht nur die Adern sondern auch deren Engstellen sichtbar werden lässt. Für dieses minimalinvasive Verfahren ist keine Vollnarkose nötig.


Therapie:

Eine Arterienverkalkung ist zwar nicht heilbar, kann jedoch im Fortschreiten verlangsamt werden, in dem die Risikofaktoren wie Rauchen, wenig Bewegung und fettreiche Nahrung gemieden werden. Eine akute und schmerzhafte Arterienverengung oder auch ein Verschluss müssen meistens chirurgisch behandelt werden. Diese geschieht zum einen mit Hilfe eines Katheters. Mit diesem dünnen Schlauch, der durch die Gefäße geschoben wird, kann eine Durchblutungsstörung nicht nur diagnostiziert sondern auch behandelt werden. Über den Katheter steuert der Arzt einen winzigen Ballon zur Engstelle. Dort bläst er den Ballon auf und weitet so das Gefäß. Damit das Gefäß sich nicht wieder verschließt, wird meist ein Stent, ein röhrenförmige Metallgitter, als Stütze eingesetzt. Die Engpässe können aber auch mit einem Bypass kompensiert werden: Dazu verpflanzt der Chirurg Teile eine Vene des Patienten, um den Blutfluss um die Gefäßverengung herumzuleiten. Anstelle eines körpereigenen Blutgefäßes kann auch eines aus Kunststoff verwendet werden. Doch "das Verfahren mit einer eigenen Vene als Bypass ist in der Prognose das Beste", sagt Albiker.



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