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Ulrich Leske, 64 (Psychiatrische Behandlung)

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Ulrich Leske, 64


Befund: Schwere Depression

Therapie: Psychiatrische Behandlung

Krankenhaus: Krankenhaus Hedwigshöhe


Vorgeschichte:

Zuerst ging es mit dem Körper bergab. Monatelang hatte Ulrich Leske Schmerzen, nahm starke Medikamente gegen eine Arthritis. “Das war der Beginn des körperlichen Zerfalls”, sagt er. Dann kam der seelische. Die Trennung von seiner Frau, mit der er zwei Kinder hat, stürzte ihn in eine schwere Depression. Er konnte sich nicht mehr auf seine Arbeit konzentrieren. “Dabei muss man als Lehrer innerlich ruhig bleiben.” Aber statt innerer Ruhe fühlte er nur noch Leere. Kurz vor den Weihnachtsferien 2006 kam der Zusammenbruch. “Von einem Tag auf den anderen fühlte ich mich seelisch tot”, sagt der 64-Jährige. In der Depression war er von allem und jedem abgeschnitten, handlungsunfähig und wie gelähmt. In diesem Zustand kam er ins Krankenhaus Hedwigshöhe.


Therapie:

Zehn Monate verbrachte Leske in der Psychiatrie. Die erste Zeit war ihm alles zuviel. In den Gesprächsrunden wollte er sich nicht mitteilen, weil er Schwierigkeiten hatte, sich zu artikulieren. Beim Gedächtnistraining kam er anfangs noch mit, aber auch da ließ die geistige Leistungsfähigkeit nach. Und mit der Beschäftigungstherapie konnte er nicht viel anfangen, denn mit zitternden Händen bekam er in der Tonwerkstatt nichts zustande. Selbst Besuch empfand er als Stress. Nach einem halben Jahr kam dann der Umschwung – für Leske noch heute ein Wunder. Er fasste Vertrauen zu den Psychologen, wurde gesprächiger, tankte Selbstbewusstsein. Am Wochenende verließ er öfter die Klinik, um zu Hause zu übernachten. “Belastungsurlaub” nennen die Ärzte diese Probe: Alltag auf Zeit. Zum Schluss habe er sogar eine Vase getöpfert, sagt Leske und lacht.


Das Leben danach:

Für den Neuanfang suchte sich Leske eine eigene Wohnung. Er wollte raus aus dem gemeinsamen Haus am Stadtrand und zurück in sein Lieblingsviertel Kreuzberg. “Das hat mich ins Leben zurückgeholt”, sagt er. Autofahren, einkaufen gehen, kochen – es waren die kleinen Dinge des Lebens, die plötzlich wieder gelangen. Um sich körperlich fit zu halten, geht er jetzt joggen und macht Tai Chi. Das Tückische an der Depression sei, dass er sie so lange nicht akzeptiert habe, sagt er. Aber jetzt hat sich Leske entschlossen, zu seiner Krankheit zu stehen.


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Laura Wieland/ Foto: Kitty-Kleist Heinrich

Artikel zuletzt aktualisiert am: 19.01.2012

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