Rita Beckmann, 26 (Brusterhaltende OP mit Chemotherapie)
Rita Beckmann, 26
Diagnose: Brustkrebs
Behandlung: Chemotherapie im Herbst 2008 mit anschließender brusterhaltender Operation
Klinik: Krankenhaus Waldfriede
Vorgeschichte:
Das ist nur ein verhärteter Muskel. Eine vergrößerte Drüse. Beunruhigt war Rike Beckmann jedenfalls nicht, als sie die Veränderung in ihrer linken Brust wahrnahm – erst als ihr Frauenarzt sie nach einem ersten Ultraschall an ein Brustzentrum überwies: “Da habe ich angefangen, mich innerlich auf das Schlimmste vorzubereiten”, sagt die junge Frau aus Friedrichshain. “Warum ausgerechnet ich?” hat sie sich niemals gefragt. Dann schon eher: “Warum ausgerechnet jetzt?” Dass sie mit ihren 26 Jahren mit Brustkrebs konfrontiert werden könnte, hatte sie nicht erwartet. “Zum Glück bin ich nicht der Typ, der in Selbstmitleid zerfließt”, sagt Rike Beckmann. Eigentlich hat sie vorbildlich gelebt: Sport getrieben, sich ausgewogen ernährt, viel Zeit in der Natur verbracht. “Aber schon ein Tumor von ein Zentimeter Länge enthält mehr als eine Million Krebszellen”, erklärt sie. Dagegen könne der Körper nicht alleine ankämpfen.
Therapieentscheidung:
Zur Behandlung wandte sich Rike Beckmann an das Brustzentrum des Krankenhauses Waldfriede. Chefärztin Barbara Brückner empfahl ihr, sich zunächst einer Chemotherapie zu unterziehen. Denn der Tumor war schnell gewachsen: In weniger als vier Monaten hatte er eine Größe von 3,7 Zentimetern erreicht. Alle drei Wochen erhält sie die Chemotherapie über eine Infusion in die Vene: vier Liter Flüssigkeit in vier Stunden. Bereits nach der zweiten Behandlung war die Geschwulst um mehr als die Hälfte geschrumpft. Wenn die Chemotherapie nach sechs Sitzungen abgeschlossen ist, kann Rike Beckmann brusterhaltend operiert werden. Die Behandlung verträgt sie gut, leidet nicht unter Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen. Und der unvermeidbare Haarausfall ist die geringste ihrer Sorgen: “Außerdem gibt es heutzutage schicke Perücken.”
Das Leben mit dem Krebs:
Am schlimmsten fand Rike Beckmann die Zeit zwischen Diagnose und Behandlung. Innerhalb kürzester Zeit musste sie sich ein medizinisches Fachwissen aneignen, um dem eingeschlagenen Behandlungsweg zuzustimmen„ “Es hat mich zwei Wochen Recherche, unzählige Telefonate mit Ärzten, Krebshilfevereinen und Krankenhäusern gekostet”, sagt sie. Sich auf diese Weise für den Kampf gegen den Krebs zu wappnen hilft ihr, den Befund zu verarbeiten. Sie will alles über “dieses Viech”, den Tumor, und die Behandlungsmöglichkeiten erfahren. Von den Ärzten fordert sie die ungeschönte Wahrheit: harte Fakten, klare Ansagen. Sie geht gut vorbereitet in jedes Gespräch – mit einem Fragenkatalog. Und sie ist aufs Land gezogen, raus ins Grüne, wo sie sich am wohlsten fühlt. Sie ist ruhiger geworden, nimmt das Leben gelassener: “Ich lebe jetzt noch bewusster als zuvor.” Und immer wenn sich Rike Beckmann schwach fühlt, sagt sie sich: “Ich habe nicht mit Brustkrebs gerechnet, der Brustkrebs aber auch nicht mit mir.”
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Laura Wieland/ Foto: Mike Wolff
Artikel zuletzt aktualisiert am: 07.03.2012
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