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Heinz-Peter Voh, 53 (Kalter Entzug)

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Heinz-Peter Voh, 53


Befund: Heroinsucht

Therapie: Kalter Entzug

Krankenhaus: Entzugshaus Count Down


Vorgeschichte:

Das Datum kennt Heinz-Peter Voh noch genau. Es war der 18. September 1973, als er sich zum ersten Mal Heroin spritzte. “Das vergisst man nicht”, sagt der muskulöse Mittfünfziger. “Heroin ist wie wenn man heiratet.” Und es war Liebe auf den ersten Blick. “Beim ersten Mal wusste ich, dass das meine Droge ist”! Mit 13 hatte er den Schnaps seiner Eltern geklaut, später Gras und LSD probiert, im Jugendknast Leim geschnüffelt.


Aber erst Heroin habe alle Sorgen und Ängste wirklich verdrängen können. “Da habe ich die Geborgenheit gefunden, die ich zu Hause nie erlebt habe”, sagt er. Ein normaler Lebenslauf war ihm damit verbaut. Ausbildungen brach er ab, lebte eine Weile gut vom Drogenschmuggel, bis das teure Kokain, mit dem er sein Heroin mischte, um die Wirkung zu steigern, sein Geld auffraß. Beschaffungskriminalität brachte ihn ins Gefängnis. Immer wieder. 25 Jahre seines Lebens verbrachte er hinter Gittern. “Doch da kommt man von den Drogen ja auch nicht weg. Im Gegenteil.”


Therapie:

35 Jahre dauerte seine Ehe mit dem Heroin. Länger als jede seiner vier wirklichen, aus denen er drei Kinder hat. Seit vier Monaten ist er auch von der Droge geschieden. Es war nicht sein erster Entzug, aber der erste, den er durchgehalten hat. Mit letzter Kraft habe er sich in die Entzugsstation geschleppt. “Ich war fertig, am Ende”, sagt er. Die ersten acht, neun Tage waren schlimm, erinnert sich Voh. Schmerzen, Depressionen, Angstzustände. Gespräche, Akupunktur, Physiotherapie und der geregelte Tagesablauf hätten jedoch geholfen. Nach zwölf Tagen zog er um in eine Übergangswohnung im selben Haus.


Das Leben danach:

Morgen steht ein neuer Wohnungswechsel bevor. Die nächste Phase im Programm ist der Umzug in ein Wohnprojekt im Drogentherapiezentrum Nodrax in Friedrichshain. Was seine Zukunft angeht, ist Heinz-Peter Voh guter Hoffnung – aber nicht blind. “Abhängigkeit ist nicht heilbar”, sagt er. “Aber man kann sie in den Griff bekommen.” Er hat sich selbst einen Therapieplatz besorgt und will kämpfen und arbeiten.


Im Gefängnis hat er Kfz-Mechaniker, Werkzeugmacher und Konditor gelernt. Am liebsten würde er jedoch selbst in einer Therapieeinrichtung helfen und andere Süchtige unterstützen. “Ich glaube, ich brauche das als Spiegel, um nicht rückfällig zu werden”, sagt er. “Außerdem bin ich so dankbar, dass ich noch mal eine Chance bekommen habe, dass ich gerne etwas zurückgeben möchte.”


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Moritz Honert/ Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Artikel zuletzt aktualisiert am: 19.01.2012

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