Nach abgebrochener US-Schlaganfallstudie: In Deutschland werden Patienten meist mit Medikamenten behandelt
Nach einer abgebrochenen Studie mit Schlaganfallpatienten in den USA, denen zur Vermeidung eines erneuten Hirninfarktes eine Stent genannte Gefäßstütze eingesetzt worden war, haben sich nun mehrere deutsche Fachgesellschaften geäußert. Sie weisen gemeinsam darauf hin, dass in Deutschland Schlaganfallpatienten mit Verengungen der Gehirngefäße zunächst eine medikamentöse Therapie erhalten müssen. Erst dann komme hierzulande eine Behandlung mit Stents ausschließlich für die wenigen Schlaganfall-Patienten in Frage, die auf eine medikamentöse Therapie nicht ausreichend ansprechen und weiterhin Durchblutungsstörungen im Gehirn haben, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR), der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).
Zum Hintergrund: Im Jahr 2011 habe eine amerikanische Studie abgebrochen werden müssen, nachdem darin mehr Patienten nach Einsetzen eines Stents ins Gehirn einen weiteren Schlaganfall erlitten hatten oder verstorben waren, als Patienten, die rein medikamentös behandelt wurden, so die Fachgesellschaften weiter. Diese Behandlungsmethode komme in den USA deutlich häufiger zum Einsatz als in Deutschland üblich.
“Mitunter zeigten Schlaganfallpatienten mit verengten Gehirngefäßen trotz intensiver medikamentöser Therapie Symptome, die auf einen erneuten Schlaganfall hindeuten. Nur in diesen Fällen sehen die Leitlinien in Deutschland vor, den Einsatz eines Stents zu erwägen”, betonen die Fachgesellschaften. Die Schlaganfall-Experten nehmen damit gemeinsam Stellung zur „study for aggressive medical management plus percutaneous transluminal angioplasty and stenting“ (SAMMPRIS). Forscher der Medical University of South Carolina in Charleston hatten darin die sogenannte „perkutane transluminale Angioplastie mit Stenting“ (PTAS) mit einer aggressiven medikamentösen Therapie verglichen. Sie schlossen darin Patienten ein, die einen Schlaganfall erlitten hatten und bei denen eine Einengung einer Arterie im Gehirn vorlag. Jedoch brach das Sicherheitskomitee die Studie im April 2011 vorzeitig ab, da 14,7 Prozent der mittels Stent Behandelten innerhalb von 30 Tagen erneut einen Schlaganfall erlitten hatten oder gestorben waren. Zum Zeitpunkt des Studienabbruchs seien erst 451 der geplanten 764 Patienten in die Untersuchung eingeschlossen worden.
„Ausschlaggebend für dieses negative Ergebnis sind die Kriterien, unter denen Patienten in die Studie aufgenommen wurden“, sagt Olav Jansen, Präsident der DGNR vom Institut für Neuroradiologie der Christian-Albrecht-Universität in Kiel. Gemäß den in Deutschland gültigen Leitlinien behandelten Ärzte hierzulande verengte Gefäße im Gehirn nur dann mit einem Stent, wenn die Patienten trotz bestmöglicher medikamentöser Therapie weitere Schlaganfallsymptome zeigen oder wenn eine hochgradige Engstelle die Blutzirkulation massiv behindert. „In der amerikanischen Studie setzte man die Stents jedoch sehr viel leichtfertiger ein“, sagt Professor Jansen: Die US-Forscher behandelten Patienten schon dann mit einem Stent, wenn eine Gefäßverengung im Schädel das erste Mal zu einer Schlaganfallsymptomatik geführt hatte. „Diese Ausweitung der Patientengruppe widerspricht den in Deutschland geltenden Behandlungskriterien“, sagt Wolfgang H. Oertel, erster Vorsitzender DGN aus Marburg.
(übermittelt am 19. Januar 2012)
Artikel zuletzt aktualisiert am: 19.01.2012
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