Anästhesisten fordern nationale Richtlinien zur Schmerzbehandlung
Eine Befragung an 25 deutschen Kliniken offenbarte erst kürzlich die Defizite im Akutschmerzmanagement: 30 Prozent der operativ und 37 Prozent der konservativ versorgten Patienten klagten über Schmerzen in Ruhe. Unter Belastung litt jeder Zweite unter Schmerzen. „Vor allem medikamentös behandelte Patienten leiden laut Umfrage an vermeidbaren Schmerzen“, so die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin. Davon seien 46 Prozent nicht ausreichend behandelt, verglichen mit 30 Prozent bei operierten Patienten. Weltweit betrachtet sei die Situation sogar noch deutlich dramatischer.
Denn eine unzureichende Schmerztherapie habe weitreichende Folgen: Unbehandelt könnten Schmerzen dauerhaft werden. „Doch es besteht nicht nur die Gefahr einer Chronifizierung“, sagt Wolfgang Koppert von der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover. „Schmerzen können auch die Wundheilung verzögern.“ Dies gefährde bettlägerige Patienten, lebensbedrohliche Gefäßverschlüsse und Wasseransammlungen in der Lunge zu erleiden. „Wir brauchen deshalb dringend klare, weitreichende Vorgaben für die Schmerztherapie in Krankenhäusern“, sagte Koppert und zog damit eine Parallele zur bestehenden Hygieneverordnung: „Obwohl die ethische und ökonomische Dimension einer unzureichenden Schmerztherapie durchaus mit der mangelnder Hygiene zu vergleichen ist, unternimmt der Gesetzgeber hier bislang nichts.“ Im Moment seien Kliniken, Ärzte und Pflegekräfte damit allein gelassen, notwendige Strukturen für die Schmerztherapie zu schaffen. „Leider sind wir von einer gesetzlichen Regelung noch weit entfernt“, so Koppert.
(übermittelt am 6. Mai 2011)
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Artikel zuletzt aktualisiert am: 01.07.2011
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