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OP-Report: Oberschenkelhalsbruch

4000 Oberschenkelhalsbrüche werden pro Jahr in Berlin behandelt - in der Regel bei Älteren. Für viele bedeutet dies das Ende ihrer Selbstständigkeit. Wir schildern den Fall einer Verunglückten.


Sie stolpert, kann sich nicht halten, fällt. Nichts Dramatisches, doch als Charlotte Luckow* vor ein paar Wochen auf den Boden stürzt, überstehen die Knochen der alten Dame den Aufpralls nicht. Der Oberschenkel der 87-jährigen Frau aus Spandau bricht – am Schenkelhals, genau dort, wo der Knochen in das Hüftgelenk übergeht. Die Schmerzen sind groß.


Zum Glück ist Charlotte Luckow an diesem Tag nicht alleine, ihr Ehemann alarmiert einen Rettungswagen, der sie schnell ins Jüdische Krankenhaus in Wedding fährt. Solche Unfälle passieren zu Hause, im Garten oder beim Einkaufen. Meist sind es ältere Menschen, die sich dabei verletzen. Denn mit dem Alter nimmt die Dichte der Knochen ab, sie werden spröder, sind weniger elastisch und können einem Aufprall deshalb nicht mehr so gut standhalten. Besonders verheerend wirkt sich dies auf stark beanspruchte Stellen aus, vor allem auf jene nahe dem Hüftgelenk.


Oberschenkelhalsbruch kann Ende der Selbstständigkeit bedeuten

Die häufigste Ursache für solche Unfälle ist Osteoporose , also Knochenschwund. Fast die Hälfte der über 70-Jährigen leidet daran, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Allein in Berlin müssen jedes Jahr knapp 4000 Oberschenkelbrüche versorgt werden – mehr als 100 davon im Jüdischen Krankenhaus. Angesichts der steigenden Lebenserwartung gehen Mediziner davon aus, dass die Zahl der Schenkelhalsbrüche – Femurfraktur ist der medizinische Fachbegriff – zunehmen wird: je mehr Alte, desto mehr poröse Knochen.


Zwar gibt es auch bei jungen Menschen regelmäßig solche Gelenkfrakturen. Die Ursachen sind dann jedoch oft anderer Art: Sportunfälle, Schlägereien, Autounfälle – die Belastungen sind dabei um ein Vielfaches größer als bei dem Sturz, der Charlotte Luckow erwischte.


Fast immer muss nach einem Oberschenkelbruch operiert werden. In einem Viertel der Fälle führe ein solcher Bruch innerhalb eines halben Jahres mittelbar zum Tod, sagen Selbsthilfegruppen – etwa durch das aufgrund der langen Bettlägerigkeit gesteigerte Infektionsrisiko. Die Hälfte der überlebenden Patienten bliebe trotz erfolgreicher Operation pflegebedürftig. „Je länger der Patient nach dem Unfall auf den Eingriff warten muss, desto schwächer wird er danach sein“, sagt Christian Geiger, Chefarzt der Chirurgie im Jüdischen Krankenhaus. Für viele bedeutet dies, dass sie aus der Klinik direkt in ein Altenheim ziehen müssen.


Den Abbau der Knochensubstanz verlangsamen

Charlotte Luckow kommt schon am Tag des Sturzes auf den Operationstisch. Geiger entfernt den gebrochenen Hüftkopf, anschließend setzt er eine Prothese aus Edelstahl und Polyethylen ein. Das künstliche Hüftgelenk ersetzt den Hüftkopf am Ende des Oberschenkels. Nur noch der Beckenteil, in dem sich das Gelenk bewegt, bleibt erhalten. Durch den altersbedingten Abbau der Knochensubstanz – Osteoporose genannt – ist die Stabilität von Charlotte Luckows Oberschenkel stark vermindert. Das erhöht die Gefahr von weiteren Knochenbrüchen. „In einem solchen Falle ist es sicherer, einen künstlichen Hüftkopf einzubauen“, sagt Geiger.


Bei jüngeren Patienten, deren Knochengewebe noch dichter ist, können die Bruchstellen im Oberschenkel oft mit langen Schrauben zusammengehalten werden. Das im Laufe des Lebens entkalkte Skelett älterer Menschen ist jedoch besonders anfällig. Die Knochen sind nicht stabil genug, um durch die Schrauben zusammengehalten zu werden. Das Gewebe ist außerdem schlechter durchblutet als bei jüngeren Menschen. Es besteht die Gefahr, dass sich die Knochen auflösen.


Osteoporose ist ein Teil des Alterns, aufhalten kann man diesen Prozess nicht. Wegen ihres Hormonhaushaltes sind Frauen davon häufiger betroffen. „Kalzium-Tabletten alleine reichen nicht“, sagt Geiger. Neben bestimmten Medikamenten ist eine gesunde Ernährung wichtig: viel Milch, Vollkornprodukte und Obst, wenig Kaffee, Alkohol und Cola, lautet die Faustformel. „Vorbeugen kann man außerdem durch viel Bewegung.“ Zum Beispiel durch Laufübungen.


Bei jeder Bewegung üben die Muskeln einen Reiz auf die Knochen aus – und regen so deren Aufbau an. Bei regelmäßiger Beanspruchung nimmt die Knochenmasse zu, das Skelett wird dadurch stabiler. „Wer den ganzen Tag vor dem Fernseher sitzt, tut sich selbst jedenfalls keinen Gefallen“, sagt Chirurg Christian Geiger.


*Patientennamen geändert


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Hannes Heine

Artikel zuletzt aktualisiert am: 20.01.2012

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