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Hintergrund: Pränataldiagnostik

Die Pränataldiagnostik ist umstritten - sie birgt Risiken und Chancen zugleich. Wir stellen die wichtigsten Fakten vor.

Was versteht man unter Pränataldiagnostik?

Zur Pränataldiagnostik zählen alle Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft, so auch Ultraschalluntersuchungen des Herzens, um angeborene Herzerkrankungen wie etwa verkümmerte Herzkammern oder Kurzschlüsse im Blutkreislauf auszuschließen. Jedes 100. Kind wird in Deutschland mit einem Herzfehler geboren. Rund die Hälfte der 8000 Kinder muss am offenen Herzen operiert werden.


Heute können Spezialisten aber schon im Mutterleib die Behandlung beginnen. Kinderkardiologen sagen, dass ein frühzeitiger Eingriff die Entwicklung der winzigen Herzen positiv beeinflusst. Unterschieden wird zwischen invasiver und nicht-invasiver Pränataldiagnostik. Bei der ersten Methode wird mithilfe von Nadeln, deren Weg entweder am Ultraschallgerät oder mit einem Endoskop überwacht wird, beispielsweise das Fruchtwasser untersucht oder eine Blutprobe des Kindes entnommen. Nicht-invasive Techniken sind zum Beispiel Ultraschalluntersuchungen, mit denen Ärzten den Gesundheitszustand der Kinder ermitteln.


Wann sollte diese Vorsorgeuntersuchung angewandt werden?

Vor allem Frauen über 35 und Schwangere mit einer erblich bedingten Krankheit sollten sich innerhalb der ersten sechs Monate von ihrer Gynäkologin auf mögliche angeborene Krankheiten ihrer Babys untersuchen lassen. Schätzen Fachärzte die Geburt als ein gesundheitliches Risiko für die Mutter und das ungeborene Kind ein, empfehlen sie eine Entbindung in einer hochspezialisierten Geburtsklinik mit intensivmedizinischer Betreuung.


Wie lassen sich Herzfehler entdecken?

Unter Frauenärzten gilt der Ultraschall zunächst als erstes und insgesamt als eines der wichtigsten Instrumente für diese Vorsorgeuntersuchung. Mithilfe von Ultraschall messen Ärzte beispielsweise die Nackenfalte, also ob sich dort Flüssigkeit angesammelt hat. Medizinisch heißt das Nackentransparenz. Diese kann bereits in einem sehr frühen Stadium ein Hinweis auf Fehlbildungen sein, wie Trisomie 21 oder Herzdefekte. Das hat zwei Vorteile: Gynäkologen können bereits ab der zehnten Schwangerschaftswoche die Gesundheit des Kindes überprüfen, ohne medizinische Instrumente in die Gebärmutter einführen zu müssen.


Schwere Herzfehlbildungen aber können nicht immer von Ärzten nur mithilfe des Ultraschalls ausgeschlossen werden. Gerade bei Risikoschwangerschaften untersuchen Spezialisten deshalb auch das Erbgut der Föten. Um an diese Informationen heranzukommen, durchstechen Gynäkologen die Fruchtblase, die das ungeborene Kind schützend umgibt. Diesen Eingriff können Ärzte aufgrund des Entwicklungsstandes der Föten erst ab der 14. Schwangerschaftswoche vornehmen.


Mithilfe einer Nadel wird eine Fruchwasserprobe entnommen. Im Fruchtwasser befinden sich Zellen des Ungeborenen. Sie können Aufschluss über mögliche genetische Fehler geben. „Rund 90 Prozent der so früh diagnostizierten Krankheiten entpuppten sich dann auch als solche“, sagt Adam Gasiorek-Wiens, Gynäkologe in Berlin-Charlottenburg. Die übrigen zehn Prozent seien jedoch nicht alle Fehldiagnosen: Gelegentlich komme es auch vor, dass Fehlbildungen wie zum Beispiel kleine Löcher der Herzscheidewand von alleine zuwachsen.


Welche Probleme kann es durch die Pränataldiagnostik geben?

Die Pränataldiagnostik ist aus ethischen wie medizinischen Gründen nicht unumstritten. Kritiker des Diagnoseverfahrens bemängeln, dass auf der Basis eines derartigen Befundes über den Wert eines ungeborenen Menschenlebens entschieden werde. Ist eine schwere Erkrankung diagnostiziert, können Frauen nach Paragraph 218 des Strafgesetzbuches ihre Schwangerschaft abbrechen. Das Gesetz besagt, dass Abtreibungen aus medizinischen Gründen auch nach dem dritten Monat vorgenommen werden dürfen. Aber auch medizinische Gründe können gegen eine invasive Entnahme von Fruchtwasser sprechen. So kann ein derartiger Eingriff unter Umstanden eine Frühgeburt provozieren, sagen Experten. Außerdem werden viele Schwangere durch auffällige Befunde verunsichert. Kritiker bemängeln, dass Ärzte nicht immer verlässliche Aussagen träfen.


Wo finde ich Beratung?

Werdende Eltern können sich im Internet an verschiedenen Stellen informieren, etwa über das Forum Pränataldiagnostik oder unter Pro Familia . Letztere bietet zu Fragen der Pränataldiagnostik auch persönliche Beratungsstunden an.


Weitere Texte zur Geburtshilfe:

Normalgeburt
Risikoschwangerschaft
Frühgeburt
Kaiserschnitt
Dammriss


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Matthias Lehmphul, Laura Wieland

Artikel zuletzt aktualisiert am: 01.07.2011

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