Hintergrund: Neue OP-Techniken bei Nasennebenhöhlenentzündungen
Ballon-Sinuplastik
Sie ist eine neue Methode zur Behandlung von Nasennebenhöhlenentzündungen. Bei dieser minimalinvasiven Technik aus den USA wird ein Verfahren aus der Kardiologie angewendet. Dabei werden mit einem Ballon an der Spitze eines Katheters verengte Gefäße geweitet, um einem Herzinfarkt vorzubeugen. Ähnlich ist die Funktion bei der Sinuplastik: Mit einem Ballonkatheter werden die verengten Kanäle, die den Nasenraum mit den Nebenhöhlen verbinden, schonend erweitert. Der Ballon wird unter Vollnarkose durch die Nase eingeführt, aufgeblasen und die Engstelle so auseinandergedrückt. Sekret und Bakterien, die sich in der Nebenhöhle angesammelt haben, können abfließen.
„Der Vorteil dieser Methode ist, dass die Schleimhaut weitgehend intakt bleibt“, sagt Matthias Hölzl, Leitender Oberarzt und stellvertretender Direktor an der HNO-Klinik des Charité Campus-Mitte, wo der Eingriff seit Januar 2008 durchgeführt wird. Auf diese Weise entstehen kleinere Wundflächen im Naseninneren als mit konventioneller Chirurgie. Der Heilungsprozess ist kürzer und der Patient hat weniger Schmerzen.
Allerdings ist diese Technik nicht für alle Patienten geeignet. Experten sagen, dass mit dieser Methode die Entfernung von Polypen oder von entzündeten Schleimhäuten nicht möglich ist. Auch Hölzl sieht in dem Eingriff zwar einen wichtigen Ergänzungsbaustein für die klassische Nebenhöhlenoperation, jedoch keinen potenziellen Behandlungsersatz. Für wen die Ballon-Sinuplastik geeignet ist, müsse im Einzelfall entschieden werden. Zudem wird der bis zu 1500 Euro teure Eingriff fast nur von den privaten Krankenkassen bezahlt.
Biostatische Siebbeinchirurgie
Biostatische Siebbeinchirurgie: Für diese neue Technik wurde die Bedeutung einzelner Zellen und Stützpfeiler für die Statik im Siebbein untersucht. Denn in diesem Bereich entstehen fast alle Entzündungen der Nasennebenhöhlen. Das Siebbein ist ein lufthaltiger Knochen zwischen Auge und Nase, der die Belüftung und Drainage der Kiefer- und Stirnhöhle ermöglicht. Es besteht aus mehreren Zellen und ist etwa so groß wie eine Streichholzschachtel.
Wie die tragenden Wände eines Hauses spielen auch einige dieser Zellen eine wichtige Rolle für die Statik in der Nase. „Um die Nebenhöhlen mit der Nase zu verbinden, wurden bisher aber immer alle Zellen des Siebbeins, auch die nützlichen, ausgeräumt“, erklärt Hans Behrbohm, HNO-Chefarzt an der Park-Klinik Weißensee. Er hat eine neue Operationstechnik entwickelt, bei der zwischen den „tragenden Wänden“ und den verzichtbaren Zellen im Siebbein unterschieden wird. Dabei werden mit einem feinen Endoskop nur die Zellen entfernt, die erkrankte Schleimhaut enthalten. Die Zellen, die für Belüftung und Sekretabfluss wichtig sind, bleiben somit erhalten. Die Operation kann sowohl ambulant als auch stationär erfolgen. Die Kosten für den Eingriff werden von den Krankenkassen übernommen.
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Laura Wieland
Artikel zuletzt aktualisiert am: 01.07.2011
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