Hintergrund: Laserwaffen gegen Männerleiden
Laserstrahl oder Drahtschlinge – was ist schonender bei der Behandlung einer Prostatavergrößerung? Schwierige Frage. Die Entscheidung, was „moderner“ klingt, ist da einfacher. So überrascht es nicht, dass die Häuser, die über ein Lasergerät verfügen, auch offensiv damit um Patienten werben. Und diese Methode gewinnt unter den Berliner Urologie-Chefärzten immer mehr Fans, weshalb immer mehr Geräte angeschafft werden.
Die Wirkprinzipien
Das Wirkprinzip des Lasers ist mit dem der Elektroschlinge vergleichbar: In beiden Fällen wird unter Voll- oder Teilnarkose ein Endoskop durch die Harnröhre bis an die vergrößerte Prostata herangeschoben. Mit den Instrumenten an dessen Spitze kann der Chirurg dann das überschüssige Gewebe, das auf den Harnleiter drückt, beseitigen. Die von Strom durchflossene Schlaufe hobelt das Material elektrisch ab, das mit einer (wegen der nötigen Stromleitfähigkeit elektrolytischen) Spülflüssigkeit über das Endoskop aus dem Körper geschwemmt wird.
Bei der wesentlich jüngeren Alternative des Laserns, die seit rund sieben Jahren angewandt wird, überträgt ein Glasfaserkabel einen hochenergetischen grünen Lichtstrahl (Greenlight-Laser) zur Prostata, wo er das wuchernde Gewebe fast vollständig verdampft. Die verbleibenden Gewebereste spült eine Flüssigkeit aus. Von dieser Spüllösung ist allerdings wesentlich weniger nötig als bei der Schlinge – und die Flüssigkeit ist der physiolgischen Zusammensetzung des Blutes nachempfunden. Das bringe den Salzhaushalt des Körpers nicht so stark durcheinander wie die elektrolytische Spülflüssigkeit bei der Schlinge, sagt Gralf Popken, Chefarzt der Urologie am Helios Klinikum Berlin-Buch.
Vorteil: Geringere Blutungsneigung
Doch das ist aus Sicht der Befürworter nur ein Vorteil der moderneren Methode. Popken nennt die geringere Blutungsneigung während des Eingriffes als weiteren Pluspunkt. Denn die Hitze des gebündelten Lichtstrahls verschließt die verletzten Gefäße sofort. Die Patienten können nach kurzer Zeit wieder normal Wasser lassen und die Klinik nach durchschnittlich vier Tagen verlassen, sagt Popken. Allerdings hinge die Verweildauer weniger von der Technik als viel mehr von der internen Organisation der Behandlungsabläufe in der Klinik ab.
Gänzlich blutungsfrei ist aber auch der Laser nicht. Bis zu einer Woche nach der Operation könne es Nachblutungen geben, die mit dem Urin ausgeschieden werden. Ebenso wenig ist zu verhindern, dass das verbrannte Gewebe nach der OP wegen des darüberfließenden Urins schmerzt und Narben möglicherweise die Harnröhre verengen.
Deshalb müsse auch ein Laserpatient einige Zeit einen Blasenkatheter tragen, sagt Popken. „In unserer Klinik sind das im Schnitt zwei Tage, unabhängig davon, ob der Laser oder die Schlinge benutzt wurden.“
Nachteil: Geringere Leistung
Auch frühere Skeptiker wie der Direktor der Klinik für Urologie an der Charité, Kurt Miller, sind mittlerweile davon überzeugt, dass es sinnvolle Einsatzmöglichkeiten für den Laser gebe. „Der Greenlight-Laser ist ein sinnvolles additives Tool.“
Nutzen und Nachteile müsse man aber genau abwägen. Zwar sei die Gefahr einer Blutung geringer als bei der herkömmlichen Methode. Daher eigne sich der Laser besonders bei Risikopatienten, beispielsweise für Stentträger oder Bluter.
Dafür benötige der Gewebeabtrag per Laser aber auch mehr Zeit. „Somit kann nicht immer das volle wuchernde Gewebe verdampft werden.“ Das sei aber, wie zum Beispiel bei alten Patienten, auch nicht immer notwendig. „Die operiert man dann einfach ein paar Jahre später noch mal“, sagt Miller. „Wenn ein kompletter Gewebeabtrag nicht so wichtig ist, dann ist der Laser sinnvoll.“
Der entscheidende Parameter, um die Vorteile der einen Methode gegenüber der anderen beurteilen zu können, sei die dadurch gewonnene beschwerdefreie Zeit für den Patienten.
Entscheidender Faktor: Erfahrung
„Wenn durch den Laser nach fünf Jahren mehr Männer weiterhin keinen erneuten Eingriff benötigen als nach einer Operation mit der Schlinge, dann ist die Überlegenheit bewiesen.“ Doch bisher lägen keine entsprechend langfristigen Studiendaten für das Verdampfen des Gewebes per Greenlight-Laser vor.
Vielleicht ließe sich durch die Laserbehandlung die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus verringern. Allerdings: „In der Charité können die Patienten mit der konventionellen Operation ebenfalls nach vier Tagen nach Hause.“
Der Nachteil des Lasers? Da ist einmal der Preis: Um die 150 000 Euro muss eine Klinik für so einen schicken Apparat auf den Tisch packen – oder auch wesentlich mehr.
Das Verdampfen des Prostatagewebes dauerte bis vor kurzem noch länger als das Hobeln. „Dieses Problem ist aber mittlerweile überwunden“, sagt Helmut Knispel, Chefarzt der Urologie des St. Hedwig-Krankenhauses in Berlin Mitte. Auch Knispels Urologie verfügt inzwischen über ein solches Lasergerät und führt damit immer mehr Eingriffe an vergrößerten Vorsteherdrüsen durch.
Die Entwicklung liege an der wachsenden Leistung der Laser, sagt der Bucher Urologie-Chef Popken. Üblicherweise haben die Laser eine Leistung von 80 Watt. Im Helios-Klinikum in Buch stehe aber schon die nächste Generation des Gerätes mit 120 Watt. „Der arbeitet so schnell wie eine Schlinge.“ Trotzdem benutzt Popken sowohl Laser als auch Elektroschlinge für die Operationen. „Die Wahl, welches der Instrumente zum Einsatz kommt, hängt von der medizinischen Notwendigkeit für den Patienten ab.“ In der Charité stehe ein solches Gerät nun bereits mit 180 Watt Leistung, sagt der Urologie-Chef Miller.
Über den langfristigen Erfolg der OP entscheide aber vor allem die Erfahrung und das Können des Operateurs, sagt Miller – weniger die eingesetzte Technik.
19 Kliniken zu diesem Krankheitsbild anzeigen
Ingo Bach, Frieder Piazena
Artikel zuletzt aktualisiert am: 21.03.2012
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