Hintergrund: Ambulante und Stationäre Versorgung - Katheter unter Kontrolle

Immer mehr Patienten in Deutschland werden von Kardiologen mithilfe von Herzkathetern untersucht und behandelt - so auch in der Hauptstadt. Dabei vermischen sich zunehmend ambulante und stationäre Versorgung der Betroffenen an den Kliniken. Derweil ist eine zentral organisierte, einheitliche Qualitätskontrolle derzeit nicht gegeben.


Bundesweiter Anstieg stationärer Behandlungen

Die Zahl der Untersuchungen und Behandlungen mit einem Herzkatheter nimmt in Deutschland immer weiter zu. Im Jahr 2009 meldeten die Kliniken insgesamt 676.000 Untersuchungen und 269.000 Ballonaufdehnungen verengter Gefäße mit einem Herzkatheter an die damals zuständige Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) – das sind 31.000 bzw. 13.000 Behandlungen mehr als zwei Jahre zuvor.


Trend zur ambulanten Behandlung

Diese Behandlungen werden nicht nur stationär im Krankenhaus, sondern in immer größerer Zahl auch ambulant von niedergelassenen Kardiologen in ihren Praxen oder den Herzkatheterlaboren der Kliniken durchgeführt. Laut Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK) waren das im Jahr 2009 bundesweit 100.000 Katheteruntersuchungen und 20.000 Ballonaufdehnungen. In Berlin gab es nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung im selben Zeitraum 19 niedergelassene Kardiologen, die 1364 Herzkatheteruntersuchungen durchführten. 16 niedergelassene Kardiologen sind berechtigt, neben den diagnostischen Untersuchungen am Herzen auch Ballonaufdehnungen und Stentimplantationen durchzuführen.

Diese setzten im Jahr 2009 insgesamt 258 Gefäßstützen (Stents) ein. Aber nicht alle diese Leistungen müssen an die Kassenärztliche Vereinigung gemeldet werden, denn ein Teil ihrer Arbeit rechnen die Ärzte über sogenannte Integrierte Versorgungsverträge (IV) direkt mit den Krankenkassen ab. Diese Verträge sollen die medizinische Behandlung verbessern, indem Ärzte fachübergreifend die Patienten in den jeweiligen Praxen, Kliniken und in der Rehabilitation betreuen. So führt die Barmer-Ersatzkasse derzeit zwei IV-Verträge mit Berliner Kardiologen und die DAK einen. Derzeit kostet nach Krankenkassenangaben eine ambulante Herzkatheterbehandlung etwa 2000 bis 2700 Euro, eine stationäre dagegen rund 2800 bis 3500 Euro.


Kooperation mit Kliniken

Einige dieser Praxen kooperieren mit Krankenhäusern, so beispielsweise mit dem Vivantes Klinikum Spandau oder dem St. Gertrauden-Krankenhaus in Wilmersdorf, und führen für diese dann auch stationäre Katheterbehandlungen durch. Dabei handelt es sich zum Teil um 1500 und mehr Patienten pro Praxis und Jahr.


Mindestmengenregelung und Qualitätskontrolle

Erbringen die niedergelassenen Kardiologen die Katheterleistungen stationär in Kooperation mit einer Klinik, dann gehen die Qualitätsdaten auch in die Erhebung der Externen Qualitätssicherung (EQS) – ehemals BQS – ein. Für die ambulant erbrachten Leistungen dagegen unterliegen die Kardiologen der Qualitätssicherung durch die Kassenärztliche Vereinigung. Um diese Untersuchungen bzw. Behandlungen durchführen zu können, müssen die Kardiologen nach diesen Vorgaben unter anderem jährlich mindestens 150 ambulante Katheteruntersuchungen bzw. 100 Untersuchungen und 50 Behandlungen nachweisen.


Langzeitdaten über Register ambulanter und stationärer Behandlungen

Das QuIK-Register, eine vom Bundesverband der niedergelassenen Kardiologen geschaffene Datenbank, überbrückt diese Grenze zwischen stationär und ambulant. Hier werden zwar ähnliche Qualitätsdaten erhoben wie von der BQS, also zum Beispiel Komplikationen infolge der Katheterbehandlung oder in wie vielen Fällen das Ziel der Behandlung tatsächlich erreicht wurde. Dabei werden aber nicht nur die stationären Fälle erfasst, sondern auch die ambulant erbrachten. Zudem können konkret die Behandlungen eines Kardiologen abgefragt und über mehrere Jahre hin ausgewertet werden. Zusätzlich werden Patienten bis zu einem Jahr nach ihrer Behandlung weiterhin beobachtet.

Dieses Register, an dem bundesweit rund 120 Kardiologen freiwillig teilnehmen, enthält Daten zur Behandlungsqualität von über 70.000 Patienten. Das sei weltweit das größte seiner Art, sagt Benny Levenson, Berliner Kardiologe und einer der Verantwortlichen für das QuIK-Register. Doch gerade unter Berliner Kollegen gebe es bisher enttäuschend wenige Teilnehmer, sagt Levenson – im Gegensatz zu anderen Regionen in Deutschland. In der Hauptstadt beteiligen sich demnach nur drei Kardiologen an dem Register.


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Ingo Bach, Matthias Lehmphul

Artikel zuletzt aktualisiert am: 01.02.2013

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