Schizophrenie
Krankheitsbild
Erklärung:
Schizophrenie ist eine schwere psychiatrische Erkrankung, die unfreiwillige Veränderungen von Gedanken, Wahrnehmung und Verhaltens auslöst. Schizophreniekranke sind phasenweise nicht in der Lage, zwischen der Wirklichkeit und Wahnvorstellungen zu unterscheiden. Schizophrene Menschen glauben allerdings anders als allgemein angenommen nicht, eine andere oder mehrere andere Personen zu sein. Die Erkrankung tritt meist erstmals zwischen dem 15 und 35. Lebensjahr auf. Männer und Frauen betrifft die sie gleich häufig, Männer im Durchschnitt nur etwas früher.
Symptome:
Die Kranken hören Stimmen, riechen Gifte. Meist fühlen sie sich verfolgt. „Menschen, die an Schizophrenie erkranken, haben eine dünne seelische Haut“, sagt die Chefärztin der Psychiatrie im St. Joseph-Krankenhaus, Iris Hauth. Der Schizophrene versinkt in seine eigene Welt und ist von der Wirklichkeit anderer Menschen abgeschnitten. Meist isolieren sich Betroffene und haben folglich Probleme im Sozial- und Berufsleben.
Ursachen:
Man nimmt an, dass die Neigung zur Schizophrenie zum Teil vererbbar ist. Während einer schizophrenen Psychose, in Fachsprache Episode genannt, schüttet das Gehirn zu viel vom Botenstoff Dopamin aus. Übererregung ist die Folge. Die Synapsen, die Enden der Nervenstränge, verändern sich. Die Signalvermittlung kann auf Dauer gestört sein, einige Betroffene werden sich nie wieder vollständig zusammenhängend unterhalten können.
Zahlen:
Schätzungsweise jeder hundertste Bundesbürger erkranken mindestens einmal im Leben an einer Schizophrenie.
Behandlung
Diagnostik:
Eine gefährliche schizophrene Episode liegt vor, wenn ein Patient mindestens einen Monat lang einem kulturell unangemessenen Wahn aufzeigt. Ein Psychiater wird aber auch kürzere, schwer schizophrene Zeiträume in einer Begutachtung schnell feststellen.
Therapie:
Eine konsequent durchgeführte Therapie ermöglicht den meisten Patienten ein dauerhaftes Leben außerhalb des Krankenhauses. Der Großteil davon kann zumindest zeitweise auch einen Beruf ausüben. Beruhigungsmittel und Antidepressiva können dafür allerdings nötig sein. Außerdem normalisieren bestimmte Neuroleptika, etwa Risperdal, Zyprexa, Clozapin den Dopaminspiegel. Doch Schizophrenie ist eine sehr komplexe Krankheit, jeder Patient hat eigene Symptome. Oft müssen zahlreiche Arzneimittel probiert wurden, bei einigen Menschen wirkt erst das dritte oder vierte Neuroleptikum. „Wir müssen bei jedem ganz genau hinschauen“, sagt Detmar Trostdorf, Chefarzt der Psychiatrie im Berliner Urban-Krankenhaus. Einige Patienten leiden für Tage, andere lebenslang.
In vielen Fällen können Psychotherapien helfen, die dazu beitragen, die Angst während der Krankheitszeiten, den Episoden zu verarbeiten. In der Therapie soll das angeschlagene Selbstwertgefühl gesteigert und so dem Patienten ein Leben mit der Schizophrenie erleichtern werden. Außerdem gibt es Gruppengespräche und die Arbeit mit Familienangehörigen und Partnern.
34 Kliniken zu diesem Krankheitsbild anzeigen
Ingo Bach, Hannes Heine, Matthias Lehmphul
Artikel zuletzt aktualisiert am: 16.01.2012
Google Anzeigen
Direkt zur Kliniksuche
Verwandte Artikel
Weiterführende Artikel aus dem Tagesspiegel-Archiv
Tagesspiegel-Report der Woche
Individuelle Reha-Behandlungen für Psychisch Kranke: Der Schritt über die Schwelle
Mit Medikamenten können Schizophrenie-Patienten ein (fast) normales Leben führen
Dossier
Therapie-Report: Schizophrenie - Wahn und Wirklichkeit
Hintergrund: Verwahrt statt behandelt?
Hintergrund: Mehr als eine kleine Krise
Interview: „Wir brauchen mehr Transparenz“
Patientenberichte
Holger Kluge*, 31 (Psychiatrische Behandlung)
Beratung & Selbsthilfe
Selbsthilfegruppen Schizophrenie
Krankenhaus-Nachrichten
Beschwerde- und Informationsstelle Psychiatrie Berlin eröffnet
Höhere Anfälligkeit für Schizophrenie bei Rauchern
ICD und OPS umgangssprachlich übersetzt
Welcher Diagnose- und Therapie-Schlüssel gehört zu dieser Krankheit?
Weitere interessante Artikel
Klinikalltag
Kinderkliniken: Schnuppern gegen die Angst
Krankenhausessen: Regeneration der Klinikküchen
Krankenhausessen: Zahlen und Fakten
Krankenhaushygiene: Krank werden im Krankenhaus?
Krankenhaushygiene: Was Berliner Kliniken tun
Krankenhaushygiene: Zahlen und Fakten
Mediziner-Humor: Steinläuse und wie man sie wieder los wird
Patientenfürsprecher: Die Anwälte der Kranken
Patientensicherheit: Wie man Behandlungsfehler vermeidet
Patientenverfügung: Vorsorge für alle Fälle
Telefon und Internet: Kosten in Berliner Krankenhäusern
Telefonieren: Anschluss am Bett
Wahlleistungen: Komfortkliniken für das 1.-Klasse-Gefühl
Wahlleistungen: Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer
Zertifizierungen im Experteninterview: "Das sind keine TÜV-Plaketten!"
Wir liefern Qualität
Erfahren Sie mehr darüber, wie unsere Texte entstehen, wie die Daten geprüft werden und wie sich das Portal finanziert.
Jetzt informieren.
Sie sind uns wichtig und wir freuen uns über Ihre Meinung zu unserem Portal. Welche Themen andere Leser interessierten lesen sie unter Leser fragen - die Redaktion antwortet
Wir befolgen den HONcode Standard für vertrauensvolle Gesundheitsinformationen.
Überprüfen Sie dies hier.
Rehaführer Berlin-Brandenburg 2012
- • 71 Berliner und Brandenburger Rehazentren im direkten Vergleich
- • Qualität, Ausstattung und Patientenzahlen auf einen Blick
- • Zahlreiche Artikel, ausführliche Porträts aller ambulanten und stationären Rehazentren plus Fotos sowie ausführlicher Serviceteil
