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Schilddrüsenkrebs

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Die Schilddrüse muss bei Krebsbefall fast immer komplett entfernt werden. Auf das Organ kann man jedoch verzichten: Das Schilddrüsenhormon kann über Tabletten zugeführt werden


Krankheitsbild


Erklärung:

Wie in den meisten menschlichen Organen können auch überall in der Schilddrüse Krebsgeschwülste auftreten – an der Oberfläche genauso wie tief im Gewebe. Die mit drei Vierteln aller Schilddrüsentumoren größte Gruppe sind die so genannten differenzierten Karzinome. „Diese gehören zu den gutartigsten Krebsarten im menschlichen Körper“, sagt Thomas Steinmüller, Chefarzt der Chirurgie am DRK Klinikum Berlin Westend. Sie entstehen aus den Zellen, die das Schilddrüsenhormon produzieren, und treffen besonders häufig Kinder und junge Erwachsene. „Die Heilungschancen für diesen Krebs liegen bei mehr als 95 Prozent“, sagt Steinmüller. Aber auch einer der tödlichsten Krebsarten für den Menschen kann in der Schilddrüse entstehen: der anaplastische Krebs. Er wuchert rasant und streut schnell Tochtergeschwulste – Ärzte nennen sie Metastasen – in das Lymphsystem, durch das sich die Krebszellen im Körper ausbreiten können. Nur rund fünf Prozent der Patienten werden geheilt.


Der anaplastische Krebs ist mit zehn Prozent unter den Schilddrüsentumoren eher selten und trifft meist Menschen jenseits des 60. Lebensjahres. Schließlich gibt es noch das ebenfalls seltene medulläre Karzinom. Es geht von Zellen der Schilddrüse aus, die den Kalziumstoffwechsel regulieren.


Symptome:

Wenn man an der Schilddrüse oder am Hals harte Knoten ertasten kann und man sich mit einer Heiserkeit herumplagt, die länger als zwei Wochen dauert, sollte man das vom Arzt abklären lassen.


Ursache:

Über die Entstehung von Schilddrüsenkrebs ist noch vieles unbekannt. Wahrscheinlich spielt Jodmangel eine Rolle. Als ein Risikofaktor gilt eine erhöhte Belastung mit Röntgenstrahlen im Kopf oder Rachen während der Jugend. Beim medullären Krebs spielt auch die Genetik eine entscheidende Rolle. „Litt ein Elternteil unter der vererbbaren Form dieses Krebses, tragen die Kinder ein 50-prozentiges Risiko, auch daran zu erkranken“, sagt der Chirurg Steinmüller. Diese Gefahr könne man auch mit Bluttests nachweisen. Deshalb sei hier auch eine prophylaktische Entfernung der Schilddrüse, noch bevor der Krebs ausbricht, eine mögliche Behandlung.


Zahlen:

Bundesweit erhalten jährlich mehr als 5000 Personen in Deutschland die Diagnose Schilddrüsenkrebs. Frauen sind mit rund 3500 Neuerkrankungen pro Jahr deutlich häufiger betroffen als Männer. Während die Erkrankungszahlen etwa konstant bleiben, gehen die Todesfälle kontinuierlich zurück.


Behandlung


Diagnostik:

Besteht der Verdacht auf Schilddrüsenkrebs, versuchen Ärzte meist durch eine Ultraschalluntersuchung des Halses und eine so genannte Feinnadelbiopsie sowie eventuell durch eine Kernspintomographie einen Tumor nachzuweisen.


Therapie:

Die Schilddrüse muss bei Krebsbefall fast immer komplett entfernt werden – oft inklusive der benachbarten Halslymphknoten. Nur wenn der Tumor kleiner als ein Zentimeter im Durchmesser ist, kommt auch eine teilweise Entfernung in Betracht. Auf das Organ kann man verzichten: Die Schilddrüsenhormone, die die Stoffwechselvorgänge im Körper regulieren, kann man mit einer Tablette täglich zuführen.


Um sicherzugehen, dass man auch die nicht sichtbaren Krebszellen erwischt, wird die Operation mit einer anschließenden Behandlung mit radioaktivem Jod kombiniert. Vier bis sechs Wochen nach dem Eingriff folgt die Bestrahlung, um das restliche Schilddrüsengewebe und eventuell noch vorhandene Krebszellen zu vernichten. Das Prinzip dahinter: Die Schilddrüsenzellen speichern als einzige Zellen im Körper Jod, nur dort lagert sich also auch das zugeführte radioaktive Jod an und zerstört die Zelle punktgenau.


Weitere Texte zu dem Thema Schilddrüsenerkrankungen:

Schilddrüsenbestrahlung
Schilddrüsenoperationen
Schilddrüsenüberfunktion
Schilddrüsenvergrößerung


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Ingo Bach, Hannes Heine, Matthias Lehmphul

Artikel zuletzt aktualisiert am: 01.07.2011

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