Nierentransplantation (bei chronischem Nierenversagen)
Krankheitsbild
Erklärung:
Jeder Mensch besitzt zwei Nieren. Das Zwillingsorgan ist dafür zuständig, Gifte aus dem Blut zu filtern und den Urin zu produzieren, mit dem sie aus dem Körper ausgeschieden werden. Außerdem regeln die Nieren den Flüssigkeitshaushalt, beeinflussen den Blutdruck und ermöglichen die Kalziumablagerung in den Knochen. Es ist eines der sensibelsten Organe des Menschen. So kann ein Schockzustand nach einem Unfall bereits zu akutem Nierenversagen führen. Allerdings können sich Nieren auch wieder regenerieren und nach mehreren Tagen wieder normal funktionieren.
Eine Nierentransplantation wird notwendig, wenn beide Nieren chronisch – das heißt: über drei bis vier Monate – versagen. Nicht immer werden Patienten auf dieses Verfahren rechtzeitig hingewiesen. Denn selbst wer auf die offizielle Warteliste für eine Transplantation kommt, muss lange warten. „Jeder Patient sollte sich bei Dialysebeginn auf die Möglichkeit einer Transplantation hin untersuchen lassen“, rät Andreas Pascher, Oberarzt am Zentrum für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Charite. Bei endgültigem Nierenversagen kann zunächst nur die regelmäßige Dialyse den Patienten am Leben halten – bis eine passende Niere gefunden ist. Heute ist die Nierentransplantation ein etabliertes Verfahren und gilt als Standardbehandlung von Patienten.
Ursachen:
Das chronische Nierenversagen führt zu einer Harnvergiftung und beruht auf einer jahrelangen fortschreitenden Nierenerkrankung aufgrund von Diabetes, Bluthochdruck, chronische Nierenentzündungen, Nierenschädigungen durch Zysten, Schmerzmittelmissbrauch (vor allem mit Paracetamol) und Erkrankungen der Nierenblutgefäße. In seltenen Fällen führt ein Nierentumor zu einer Transplantation. Im Schnitt sind die Betroffenen deutlich älter als 60 Jahre.
Zahlen:
Wie alle Organe sind Nieren Mangelware. Derzeit warten rund 8000 auf ein Spenderorgan in Deutschland. Das sind etwa zweieinhalb Mal so viele Patienten, wie Transplantate vermittelt werden können. Während die Patienten auf eine Transplantation warten, müssen sie drei Mal wöchentlich zu einer Blutwäsche in einem Dialysezentrum. Bundesweit werden jährlich knapp 3000 Nieren in 40 Kliniken verpflanzt, rund 20 Prozent davon stammten von lebenden Spendern. Die Charité ist das einzige spezialisierte Zentrum in Berlin, das Nierentransplantationen durchführt. Rund 250 Nieren setzen die Ärzte des Universitätsklinikums jährlich ein. Jede fünfte Niere stammt von einer Lebendspende.
Behandlung
Diagnostik:
Neben den Beschwerdeberichten der Patienten sind verschiedene Blutwerte für die Diagnose wichtig. Um die Wassereinlagerungen zu prüfen, beauftragen Ärzte die Betroffenen häufig, die Ein- und Ausfuhr von Flüssigkeiten zu dokumentieren.
Therapie:
Die Organe stammen entweder von Toten oder von Lebenden. Wie bei der Leberspende gibt es auch bei der Niere die Möglichkeit einer Lebendspende. Anders als bei der Leber, die nachwächst, wird hier jedoch nicht nur ein Teil, sondern eine komplettes gesundes Organ entnommen. Das ist möglich, weil die beiden Nieren identische Aufgaben haben und ein Mensch auch mit nur einer überleben kann. Bei einer Transplantation werden die nicht mehr funktionierenden Nieren häufig im Körper belassen, um die Risiken einer zusätzlichen Operation zu vermeiden. Das Spenderorgan wird dann an die bestehenden Gefäßverbindungen (Beckengefäße) angenäht. Als Lebendspender kommen, um Organhandel zu verhindern, nur Ehepartner oder Familienangehörige infrage, und das auch nur, nachdem sichergestellt wurde, dass die Spende aus freien Stücken erfolgt.
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Ingo Bach, Hannes Heine, Matthias Lehmphul
Artikel zuletzt aktualisiert am: 01.07.2011
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