Druckgeschwüre
Krankheitsbild
Erklärung:
Ein Druckgeschwür (medizinisch Dekubitus) kann immer dann entstehen, wenn bestimmte Körperstellen über einen zu langen Zeitraum einseitig belastet werden. Durch den ständigen Druck wird die Haut und das darunter liegende Gewebe nicht ausreichend durchblutet – und stirbt langsam.
Symptome:
Besonders gefährdet sind Körperpartien, an denen die Haut direkt auf dem Knochen liegt: Hinterkopf, Schulter, Ferse, Steißbein. Fachleute unterscheiden vier Stadien: Grad eins entspricht einer bleibenden Hautrötung, bei Grad vier liegen Muskeln oder Knochen frei.
Ursachen:
Betroffen sind vor allem Menschen, die aufgrund von schweren Krankheiten im Bett liegen oder im Rollstuhl sitzen müssen. Die meisten sind älter als 75 Jahre. Ebenfalls gefährdet sind Menschen, die an einem Verlust von Hautempfindlichkeit leiden. Entscheidend ist, wie lange die kleinen Blutgefäße des Gewebes belastet werden. Wenn ein hochbetagter Mensch sehr mager ist, drücken die Knochen auch von innen gegen besonders gefährdete Stellen. Rauchen, ungesunde Ernährung, bestimmte Medikamente – etwa Schmerzmittel – sowie bereits vorhandene Durchblutungsstörungen begünstigen Druckgeschwüre. Ein so genannter Dekubitus gilt als Paradebeispiel für Pflegemängel. Manchmal ist es vom Pflegepersonal jedoch kaum zu verhindern.
Zahlen:
In 54 Berliner Kliniken wurden im ersten Quartal 2007 rund 32.000 Menschen im Alter von mehr als 75 Jahren stationär versorgt. Bundesweit erlitten fast ein Prozent aller Patienten über 75 Jahre in deutschen Kliniken ein Druckgeschwür der Grade zwei bis vier.
Behandlung
Diagnose:
Ein Druckgeschwür ist deutlich erkennbar und kann in frühem Stadium mit dem Finger-Druck-Test überprüft werden. Verblasst die Haut beim Druck nicht, handelt es sich um ein Druckgeschwür.
Therapie:
Ein Druckgeschwür verursacht körperliche Schmerzen und belastet die Patienten auch emotional stark. Im fortgeschrittenen Stadium vier muss das Druckgeschwür mithilfe eines chirurgischen Eingriffs entfernt werden. Alternativ gibt es biochemische Methoden, etwa die Behandlung mit speziellen Enzymen oder Fliegenlarven. In jedem Fall müssen die Umstände, die zum Druckgeschwür geführt haben, geändert werden.
Inzwischen werden Spezialbetten mit einem elektrischen Wechseldrucksystem eingesetzt. In einer Luftmatratze werden abwechselnd verschiedene Kammern aufgepumpt, so dass regelmäßig unterschiedliche Körperstellen belastet werden. „Mobilität ist nicht nur die beste Prophylaxe“, sagt Armin Hauss, Dekubitusexperte der Universitätsklinik Charité. „Bewegung ist auch während der Heilung sehr wichtig.“
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Ingo Bach, Matthias Lehmphul, Frieder Piazena
Artikel zuletzt aktualisiert am: 23.01.2012
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